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Wanderung für heiße Sommertage

08.07.2020 • 18:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wanderung für heiße Sommertage
GLÜCK

Hertha Glück wanderte ab Lorüns auf dem Illwegnach St. Anton und am Rande von Vandans wieder zurück.

In der Talenge, am Eingang des Montafons, beginnt die Route. Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Bahnhof in Lorüns. Der geschichtliche Hintergrund des Ortes gestaltet die Rundwanderung noch interessanter. Denn trotz der Hochwassergefahr durch die Ill war Lorüns – urkundlich einst als „Arüns“ und erst um 1442 als „Laruns“ bezeichnet – bereits im Mittelalter besiedelt. Von 1423 bis 1501 ist bereits die Existenz von elf Hofstätten (Anwesen) überliefert.

Kleinste Gemeinde

Wegen der begrenzten Möglichkeiten blieb Lorüns jedoch mit dreihundert Einwohnern eine der kleinsten Gemeinden des Landes. Die Kommune gehört pfarrlich zu Bludenz und kann auch aus verschiedenen Gründen – etwa wegen des Dialektes oder der Kirchenzugehörigkeit – als Walgaugemeinde angesehen werden.
Nun aber geht es los mit der naturnahen, genussvollen Rundwanderung. Man überschreitet bei Eisentüren die Bahngleise der Montafonerbahn und wendet sich rechts ab auf den Illweg. Schon nach wenigen Schritten lässt der Naturliebhaber den Straßen- und Bahnlärm hinter sich und taucht in den Auwald mit Grauerlen- und Eschenwäldern ein. Der Unterwuchs ist mit großwüchsigen Kräutern und Hochstauden üppig ausgebildet. Ein schmaler Uferweg führt zwischen der Ill und dem Bahngleis über den Talgrund, der rechts durch den Rätikon (Gavalina) und gegenüber dem Verwallgebirgszug (Davenna) begrenzt wird.
Nach der imposanten Bahnbrücke weitet sich die Landschaft und bei Letze steigt man nach St. Anton über Prazalanz an. Hier darf schon die Vorfreude auf ein Kleinod an idyllischer Bauernlandschaft und zugleich wertvollem Biotop geschürt werden. Über leichte Kurven durchwandert man den westlichen Ausläufer des ausgedehnten Schuttkegels (Allma).

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Blick genießen

Durch die Extensivnutzung – das heißt durch geringen Dünge- und Pestizideinsatz – entstand hier eine Einheit aus Wiesen, Gebüschgruppen, Einzelbäume und Mischwaldinseln. Gemeinsam mit den Heustadeln stellt es ein ungemein reizvolles Landschaftsbild dar. Es lohnt sich, auf der Anhöhe, bevor man in den Wald eintaucht, stehen zu bleiben und den Blick ins Tal zu genießen. Zu Füßen breiten sich Mager- und Fettwiesen aus. Im Hintergrund schweift der Blick hinaus über den Walgau bis zum Alpstein im Rheintal. Nah ist oberhalb des Davennastocks der Rappenkopf zu sehen.

Ab Prazalanz-Gafotes erreicht man erst abwärts durch den Wald und dann ab Lehmbühel bald auf der Straße die Ortsmitte von St. Anton im Montafon. Gegenüber liegt die Gemeinde Vandans, die beim Rückweg nur am Rande gestreift wird. Vor der nächsten kleinen Brücke führt rechts ab ein schmaler Weg dem Bächlein entlang zur Straße hinunter. Links und beim ­Zebrastreifen über die Straße steht man schon beim Bahnhof St. ­Anton im Montafon. Der Rückweg über die andere Uferseite bringt den Wanderer in 45 Minuten wieder zum Ausgangspunkt.

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Die Vandanser Steinwand. GLÜCK

Rückweg

Die Talweite des Montafons durchquerend, gelangt man zur rechten Abzweigung talauswärts. Sogleich übernimmt ein mehr oder weniger schmaler Weg, umschlossen von Bäumen und Büschen. Er führt entlang der Ill über schmale Brücken, flankiert von der Vandanser Steinwand mit Kleiner Valkastiel (2118 m), Roßkopf und Gavalinakopf (1996 m). Leuchtendes Johanniskraut, Wilder Dost und duftender Flieder säumen den Auwaldstreifen am Illweg und zu guter Letzt schließt sich wieder der Wald und spendet Schatten und Kühle.
Nach der Schranke führt der Weg geradeaus auf dem schmalen Waldweg bis zur Straße. Das letzte Stück der Rundwanderung ist zwar schon bekannt, aber offeriert abermals einen anderen Blick auf die kunstvoll gebaute Bahnbrücke und die hohen, bewaldeten Felswände. Schön, majestätisch und reichhaltig an Naturvielfalt im Vergleich zur genialen Bautechnik des Menschen schließt die Ill-Rundwanderung ab.

Besonders: Ein gemütlicher Weger Naturvielfalt eingebettet in Stille und Schönheit.

Anforderung und Gehzeit: In zwei bis zweieinhalb Stunden absolviert man insgesamt 174 Höhenmeter.

Markierung: gelb-weiß

Charakter der Wege: wenig Straße, Illweg, Ufer-, Wald- und Wiesenwege

Kultur und Natur: Illweg, Biotope Prazalanz und Illaue – Letzeau, Lorüns, St. Anton im Montafon

Anziehen und mitnehmen: Wanderschuhe mit Profilsohle, Wetterkleidung, Trinkflasche, Jause

Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Hirschen, Lorüns

Start und Ende: Bahnhof Lorüns (Parkplatz)