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Trotz Corona: Sommer, Sonne, Badespaß

11.07.2020 • 07:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Trotz Corona:  Sommer, Sonne, Badespaß
Anna ,Flora, Anja und Paula genießen den Badespaß im Schwimmbad Felsenau. Hartinger

Der diesjährige Sommer ist für die Bäder nicht nur wegen Corona durchwachsen.

Sommerzeit ist Schwimmbadzeit. Aber die diesjährige Badesaison steht unter schwierigen Vorzeichen. Das bestätigt auch Oliver Tschabrun, Geschäftsführer im Walgaubad Nenzing. „Wir haben natürlich andere Zahlen als letztes Jahr. Aber man kann es schwer nur an Corona festmachen. Denn das Wetter im Juni hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es war eigentlich grottenschlecht“, so Tschabrun. Bis Ende Juni sei der Umsatz etwa bei der Hälfte des Vorjahres. „Das liegt auch daran, dass wir nicht wie in den letzten Jahren schon Mitte April, sondern erst am 29. Mai eröffnen konnten“, so Tschabrun.

Abstandsregeln

Wie es sich in den kommenden zwei Monaten entwickle, lasse sich sehr schwer einschätzen. „Eine Umfrage, die vor Kurzem durchgeführt wurde, sagt, dass 75 Prozent zu Hause bleiben und nicht in den Urlaub fahren. Dann wäre das natürlich für uns eine gute Sache. Denn in den vergangenen Jahren gingen die Zahlen bei Schulschluss merklich zurück. Das könnte uns helfen, doch noch auf gute Zahlen zu kommen“, so Tschabrun.Generell gebe es noch die sechs Quadratmeter Wasserfläche pro Person und den obligatorischen Meter-Abstand. Aber das muss nur beschildert sein und nicht exekutiert werden. „Man kann von den Bademeis­tern nicht verlangen, dass sie ständig Leute zählen müssen.“
Bei der Betriebsbewilligung wurden pro Badegast zehn Quadratmeter vorgeschrieben, und das inklusive der Wasserfläche. „Ich darf 3000 Menschen ins Bad lassen und dann ist Schluss. Diese Obergrenze gilt mit und ohne Corona“, so Tschabrun. Das mit dem Abstand sei generell eine schwierige Sache. „Ich bin kein Polizist, ich kann das nicht exekutieren. Zudem kann ich nicht überprüfen, wer mit wem zusammenwohnt. Das geht einfach nicht.“

Historisch Bad unter Denkmalschutz

Die Felsenau ist das älteste Bad Vorarlbergs und steht teilweise unter Denkmalschutz. Hier kann der Besucher in Granderwasser schwimmen und die beeindruckende Aussicht in den Walgau genießen. „Die Leute selber sind nach wie vor skeptisch. Sie glauben, dass jedes Schwimmbad gerade damit zu kämpfen habe. Wir haben im ganzen Bad sechs Desinfektionsspender aufgestellt. Das nehmen die Menschen gut und gerne an“, so Irma Slootmaker vom Schwimmbad Felsenau. Viele Besucher würden im Vorfeld anrufen, um zu fragen, ob man noch reindarf. Das liege auch vor allem daran, dass es in der Felsen­au sehr gemütlich und familiär zugeht. Zudem gebe es in diesem Bad viele Stammgäste. „Wir sind so ein kleines Bad. Viele kommen am Vormittag oder erst am Abend zum Schwimmen und gehen dann wieder nach Hause.“ Die Besucherzahlen liegen auch in der Felsenau unter denen des Vorjahres: „Viele ältere Personen sind noch nicht da gewesen. Und das, obwohl die meisten eine Saisonkarte haben“, so Slootmaker. Im Wasser und draußen gelten die üblichen Abstandsregeln von einem Meter. „Aber sag das mal einem Rudel Jugendlichen. Die sind froh, dass sie mal Spaß und Abwechslung haben. Vor allem jetzt, in den Ferien.“ Zudem könne sie nicht jeden Einzelnen fragen, wie er mit wem verwandt ist. Denn sie sitze an der Kassa und kann nicht weg. „Die Menschen müssen halt ein wenig vernünftig sein.“ Frau Slootmaker hofft auf regen Besuch in der Ferienzeit. Denn: „Dann haben wir etwas zu tun im Sommer. Und das ist gut.“ Und man habe jetzt schon gespürt, dass die letzten zwei Wochen relativ viel los war. „Ich sag es auch allen immer. Ihr müsst Abstand halten beim Nebeneinanderliegen. Aber manchmal glaube ich, ich rede gegen eine Wand“, schmunzelt Slootmaker.

Trotz Corona:  Sommer, Sonne, Badespaß
Schwimmbad Rheinauen in Hohenems. Hartinger

Rheinauen: “Wir haben kein Platzproblem”

Ewald Petritsch, Geschäftsführer im Schwimmbad Rheinauen, bedauert auch, dass die Besucherzahlen bis jetzt relativ schlecht waren. „Im Juni haben wir im Schnitt immer an die 30.000 Besucher. Heuer hatten wir nur 13.000. Vor allem an den Wochenenden gab es meis­tens schlechtes Wetter.“
Dass viele Menschen in den Ferien im Land bleiben, das werde allen Bädern zu Gute kommen. Da ist sich Petritsch sicher. Aber: „Wir hoffen jetzt vor allem auf gutes Wetter im Juli und im August.“ Die Badegäste nehmen die derzeitige Situation eher entspannt hin. „Wenn viele Leute da sind, ist das manchmal schwierig mit dem einen Meter Abstand. Man sagt es den Menschen dann, aber grundsätzlich gilt dann schon auch die Eigenverantwortung. Und wir können das auch personaltechnisch nicht kontrollieren.“

Trotz Corona:  Sommer, Sonne, Badespaß
Rosa Flamingo in Rheinauen. Hartinger

Familien

Ins Sportbecken dürfen 186 Personen. So viele permanente Schwimmer gleichzeitig habe man selten bis nie. „Aber im Familienbecken ist das natürlich ein Kommen und Gehen. Das ist eigentlich unmöglich zu kontrollieren“, so der Geschäftsführer. Deswegen habe man auch an den Becken die jeweiligen Vorschriften und und Obergrenzen ausgeschildert. Auch da gelte es, vor allem an die Eigenverantwortung zu appellieren. „Wir warten jetzt auf viel Sonnenschein und hoffen, dass vor allem die Wochenenden schön werden.“