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Blum: Knappes Plus trotz Corona

16.07.2020 • 20:07 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Blum: Knappes Plus trotz Corona
Beschläge sind das Kerngeschäft von Blum. Blum

Auch der Höchster Beschläge-Hersteller ist nicht von den massiven Folgen der Pandemie verschont geblieben.

Es sind spezielle Zeiten. Wir halten Abstand, wir geben uns nicht die Hand und wir sind allgemein vorsichtig.“ Mit diesen Worten eröffnet Philipp Blum die Präsentation der Bilanz des Wirtschaftsjahres 2019/2020. Dank eines guten Jahres kann der Vorarlberger Beschlägehersteller trotz Corona-Pandemie knapp positiv abschließen. Die vergangenen Monate waren für Blum als Unternehmen eine große Herausforderung.

Generell gab es zwei Hauptkriterien für alle Entscheidungen, die getroffen wurden: „Einerseits war uns die Gesundheit aller weltweiten Mitarbeiter sehr wichtig. Andererseits war es die permanente Lieferfähigkeit für unsere Kunden. Deshalb galten im Betrieb ab Mitte März verschärfte Sicherheitsbestimmungen.“ Neben Homeoffice wurde auch die Kurzarbeit eingeführt. Im April und im Mai habe man einen massiven Umsatzrückgang erlebt.

Einbindung

Die Mitarbeiter haben alle Entscheidungen der Geschäftsleitung mitgetragen. Nicht zuletzt deshalb hat das Unternehmen freiwillig das Gehalt auf 100 Prozent aufgestockt, trotz Corona, betont Philipp Blum. „Seit Mitte Mai haben wir wieder langsam zugelegt. Und Ab Juni waren wir wieder gut beschäftigt,“ ergänzt Blum.
Das abgelaufene Wirtschaftsjahr muss in zwei komplett unterschiedliche Phasen unterteilt werden: In den ersten Monaten bis über den Jahreswechsel 2019/20 hinaus war man auf sehr gutem Kurs. Und dann hat die Corona-Krise massive Spuren hinterlassen, so Blum. „Am Ende konnten wir das Wirtschaftsjahr in der Blum-Gruppe mit einem Umsatz von 1.906,92 Millionen Euro abschließen. Damit liegen wir auf dem Niveau des Vorjahres mit einem kleinen Plus von 0,8 Prozent oder 14, 90 Millionen Euro“, führt Philipp Blum weiter aus. Man ist Anbetracht der schwierigen Umstände jedenfalls zufrieden, betont die Geschäftsführung.

International

Für Blum ist die internationale Ausrichtung sehr wichtig. Man beliefert Kunden aus über 120 Märkten. Derzeit hat der Beschläge-Hersteller weltweit 32 Tochtergesellschaften und Repräsentanzen. Blum erwirtschaftet 97 Prozent des Umsatzes außerhalb Österreichs, davon allein 44 Prozent in der EU und 15 Prozent in den USA. Die USA stellt auch gleichzeitig den größten Einzelmarkt dar. Die Zahl der bei Blum Beschäftigten liegt derzeit bei 8349 weltweit, davon 6180 in Vorarlberg. Das sind 262 mehr als im Vorjahr. Wichtige Märkte wie Italien, Frankreich England oder Spanien waren zum Teil wochenlang vom Lock-Down betroffen. Dies hat auch für Blum in dieser Region zu einem Umsatzrückgang geführt. „Für uns bleibt die Europäische Union ein wesentlicher Stabilitätsfaktor. Das Offenhalten der Grenzen für den Güterverkehr zu jeder Zeit hat es uns ermöglicht, auch während der Krise unsere Kunden weltweit durchgehend zu beliefern,“ betont Blum. Der Umsatz in Nordamerika blieb auf dem Niveau des Vorjahres. In den Märkten Südamerikas musst man einen deutlichen Rückgang zum Vorjahresniveau hinnehmen. Im asiatischen Raum ist vor allem China die positive Ausnahme: „Obwohl dieser Markt als erstes betroffen war, wurde das Geschäftsleben nach den ersten Wochen zügig wieder hochgefahren.“

Ausbildung

Ein Herzstück der Unternehmens-Philosophie ist die Lehrlings-Ausbildung. „Im Jahr 1970 wurde hier die erste eigene Lehrwerkstatt gebaut. Das war der Grundstein für die methodische Fachkräfteausbildung bei Blum. Wir blicken hier auf eine 50-jährige Tradition zurück“, betont Martin Blum stolz. Die eigene und hochqualifizierte Ausbildung ist für Blum nach wie vor die wesentliche Grundlage um den Bedarf an gut ausgebildetem Personal decken zu können. Dies ist und war auch immer eine der tragenden Säulen des international agierenden Betriebs, wie Martin Blum ausführt. Ab September 2020 starten 94 neue Lehrlinge in Vorarlberg im Unternehmen. Davon sind 23 Mädchen. Somit sind ab Herbst 378 Lehrlinge bei Blum Österreich in Ausbildung. 24 Lehrlinge bildet das Tochterunternehmen Blum USA zu Fachkräften aus, bei Blum Polen sind erstmals vier junge Menschen in der Lehre.

Investitionen. Neben der Investition in die Qualifizierung der Mitarbeiter, habe man im vergangenen Geschäftsjahr insgesamt 327 Millionen in Maschinen, Werkzeuge und Gebäude investiert. „Ein Großteil dieser Investitionen, mehr als 70 Prozent, erfolgte an den Standorten in Vorarlberg. 27 Prozent wurden in den internationalen Niederlassungen investiert“, führt Martin Blum aus. Diese Zahlen belegen die Tatsache, dass der Hauptproduktionsstandort Vorarlberg ist. Insgesamt acht Werke gibt es im Ländle. Vor allem ein Projekt steht in Vorarlberg derzeit im Fokus: Der Erweiterungsbau im Werk 4 in Bregenz. Hier entsteht bis Sommer 2021 eine neue Produktionshalle mit 49.000 Quadratmetern Nutzfläche und einem Hochregallager. Bei diesem Projekt setzt man erneut auf eine mehrgeschossige Bauweise, um die Flächenressourcen zu schonen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Werk 4 erwarb Blum die Betriebsliegenschaft von Wolford. Die Gebäude sind an Wolford zurückvermietet. Ungenützte Flächen will Blum in absehbarer Zeit selbst nutzen. „Unsere Investitionen in der Region sind für uns ein klares Bekenntnis zum Standort Vorarlberg“, betont Martin Blum.

Ausblick.

Die Unsicherheit wird noch lange spürbar sein. Vor allem die Europäische Union ist hier mehr denn je gefordert: „Gerade für uns als international tätiges Unternehmen ist diese Gemeinschaft elementar,“ ergänzt Philipp Blum. Man plane vorsichtig für das kommende Jahr: „Die erste Bewährungsprobe wird der kommende Herbst, der die Rechnung für das ganze Jahr 2020 präsentieren wird.“ Blum hat nun die Kurzarbeit für das Gesamtunternehmen bis Ende September verlängert. „Wir hoffen aber, dass wir keinen Cent davon in Anspruch nehmen müssen. Wir sind technisch zwar angemeldet, beziehen aber keine Förderung vom AMS“, so Philipp Blum. „Das nehmen wir als Rettunsring mit. Aber wir hoffen, dass wir ihn trotz stürmischer See nicht brauchen werden.“

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