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Riedhütten: „Es gab bereits Abrisse“

18.07.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Riedhütten: „Es gab bereits Abrisse“
Hartinger

Hunderte Riedhütten in Hohenems und Lustenau müssen überprüft werden.

Sie gehören zum Ried wie die Störche, Radfahrer oder Naturliebhaber: die Riedhütten. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entstanden, wuchsen sie in letzter Zeit zu einem unliebsamen und problematischen politischen Erbe heran. Denn die meisten dieser Hütten wurden ohne jegliche Genehmigung errichtet. Allein im Ried von Lustenau und Hohenems befinden sich über 1000 dieser teils illegalen Bauten.

Politisches Erbe

Dieses Erbe ihrer Vorgänger gilt es nun von den amtierenden Bürgermeis­ter Kurt Fischer (Lustenau) und Dieter Egger (Hohenems) aufzuarbeiten. Und dies sei ein lang andauernder Prozess, der sich über Jahre hinziehen werde, sind sich die Bürgermeister auf NEUE-Anfrage einig und betonen: „Uns ist es jedoch ein Anliegen, dass wir hier gute Lösungen finden.“ Warum den Riedhütten Genehmigungen fehlen, könne laut Fischer zwei Gründe haben. Zum einen, dass die Genehmigung ausgelaufen ist, zum anderen, dass es nie eine gegeben hat. Und dies treffe wohl auf den Großteil der Bauten zu.

Auf Anfrage berichtet Fischer weiter, dass im vergangenen Jahr rund 100 der Hütten auf seinem Gemeindegebiet genauer unter die Lupe genommen worden sind. Mit dem Ergebnis: Bisher musste keine der Bauten abgerissen werden.
Fischer gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass dieser Prozess sich über Jahre hinziehen werde. Erst kürzlich hätte in der Marktgemeinde die zuständige Kommission getagt. „Es vergeht eigentlich keine Gemeindevorstandssitzung, in welcher nicht entsprechende Anträge behandelt werden. Mittlerweile haben wir eine dreistellige Fallzahl erledigt – und zwar positiv“, betont Fischer.

Langwierige Verfahren

Anträge würden stets seitens der Gemeinde genau geprüft. Zuerst hinsichtlich der Raumplanung. Dies sei notwendig, da die Baubehörde eine Riedhütte im Freihaltegebiet (FF) nur genehmigen könne, wenn diese eine Ausnahme nach Paragraf 22 des Raumplanungsgesetzes darstelle. „Denn hier heißt es im Gesetz, dass bei einem kleinräumigen Projekt, welches circa 20 Quadratmeter Grundfläche umfasst, der Gemeindevorstand eine Ausnahme gewähren kann. Ist diese gewährt, kann die Baubehörde die Riedhütte als Bauantrag behandeln und der Antragsteller bekommt eine Baugenehmigung. Jedoch nur auf 25 Jahre, dann muss erneut angesucht werden“, so Fischer. Wer seine Hütte jedoch auf eine der möglichen S-18-Trassen stehen habe, bekomme nur für fünf Jahre eine Genehmigung.

Mittlerweile habe es sich in Lustenau herumgesprochen, dass die Gemeindeverantwortlichen in dieser Causa nicht untätig seien. „Es ist bekannt, dass die Gemeinde Interesse daran hat, die Hütten zu sanieren. Es werden aber auch Auflagen erteilt, etwa wenn jemand einen betonierten Kamin oder eine zu große Pergola bei seiner Hütte hat, müssen diese Dinge entfernt werden“, betonte Kurt Fischer.

Hütten abgerissen

Fälle von Hütten, die komplett abgerissen hätten werden müssen, habe es in Lustenau bis jetzt noch nicht gegeben. Anders sieht es jedoch in Hohenems aus. Hier hat es gemäß Bürgermeister Dieter Egger bereits Abrisse gegeben.

Egger betonte, dass es sich bei den zu prüfenden Riedhütten um Altbestände handle, die in den vergangenen 70 Jahren entstanden seien. Diese Bestände seien erhoben worden und würden durch die Baurechtsabteilung nun sukzessive abgearbeitet. „In manchen Fällen können wir die Bauten nachträglich bewilligen. Vorausgesetzt, es werden bestimmte Richtlinien, wie etwa die Kleinräumigkeit, eingehalten. In anderen nicht – dann kann es gegebenenfalls zum Abriss kommen“, so Egger. Denn entsprächen diese nicht den gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien des Riedhüttenkonzeptes, seien diese „schlicht und einfach nicht bewilligungswürdig“, zeigte Egger auf, der betont: „Ich gönne jedem seine Riedhütte, aber es gibt Gesetze, an welche wir uns als Baubehörde halten müssen.“ Insgesamt seien bisher an die 30 bis 40 Fälle seitens der Kommune abgearbeitet worden.

Dieter Egger erklärte weiter, dass die Aufarbeitung recht aufwendig sei. Es werde auch jeweils das Gespräch mit den Betroffenen gesucht. Egger abschließend: „Es wird nicht einfach von oben verordnet – wir sind sehr bemüht, Lösungen zu finden. Denn wir haben auch immer die Möglichkeit von Rück- oder Umbau. Es droht nicht immer der Abriss.“