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Viele Firmen trotz Krise gegründet

20.07.2020 • 18:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Viele Firmen trotz Krise gegründet
Vorarlberg ist Spitzenreiter bei Firmengründungen. Minerva Studio

594 Neugründungen gab es im ersten Halbjahr 2020.

Die Gründerstatistik für das erste Halbjahr 2020 fällt laut Wirtschaftskammer Vorarlberg sehr gut aus.  Für WKV-Präsident Hans Peter Metzler sind die aktuellen Zahlen definitiv ein Grund zur Freude: „Sie dokumentieren einmal mehr nicht nur den einzigartigen Unternehmergeist der Vorarlberger und dass sich die Gründer von der Krise nicht beirren lassen, sondern vor allem auch unsere hervorragende Wirtschaftsstruktur und den guten Branchenmix, welche den besten Nährboden für Neugründungen bilden“, stellt Metzler fest. Vor allem der Vergleich mit dem Österreichschnitt von mehr als minus acht Prozent lässt aufhorchen: „Wir sind das einzige Bundesland mit einem Plus“, freut sich der Präsident. „Damit Mut und Entschlossenheit zum Gründen, gerade auch in Zeiten der Krise, erhalten bleiben, müssen wir auch konsequent an allen Forderungen für die idealen Rahmenbedingungen festhalten. Das sind vor allem bürokratische und steuerliche Entlastungen“, fügt WKV-Direktor Christoph Jenny hinzu.

Keine Not-Gründungen

Hinsichtlich der Corona-Krise und ihren massiven Auswirkungen könnte das Plus auch auf Not-Gründungen zurückgeführt werden. Christoph Mathis, Leiter des Gründerservice in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, verneint dies aber:  „Hier handelt es sich sehr wohl um länger geplante Gründungen.“ Auch die Motive haben sich laut Mathis im Vergleich zum Vorjahr kaum geändert.

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Christoph Jenny. Walser Image

Trotz der hohen Gründerzahlen sei es wichtig, Entlastungen für Kleinunternehmer voranzutreiben. „Hier müssen wir ansetzen und dranbleiben, vor allem, weil die meisten Gründungen als Kleinunternehmen beziehungsweise EPU erfolgen“, fordert WKV-Direktor Chris­toph Jenny.  Er denke da an eine großzügige Betriebsausgabenpauschalierung der Einnahmen bei einem jährlichen Umsatz bis 35.000 Euro, eine Tarifsenkung bei der Einkommensteuer sowie ein kontinuierlicher Bürokratieabbau. All das würde einen wesentlichen und effektiven Beitrag zur Verminderung von Gründungshemmnissen führen. „Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit und in der aktuellen Krise gehört die Übernahme von Risiko und unternehmerischer Verantwortung entsprechend gewürdigt und unterstützt“, unterstreicht Jenny die Forderungen.

Flexibilität.

Natürlich ist das Thema Corona nicht spurlos an den Gründern vorbeigegangen. Aber Flexibilität gehört mittlerweile zum Grundanforderungsprofil eines erfolgreichen Unternehmers. „Obwohl die physischen Gründungsberatungen und die Anzahl der Workshop-Teilnehmer im Vergleich klarerweise zurückgegangen sind, gab es gleichzeitig einen starken Anstieg und eine intensive Nutzung von Online-Services wie Online-Gewerbeanmeldungen, Skype-Gründungsberatungen oder Webinare während der Corona-Krise“, erklärt Christoph Mathis.

Digitale und telefonische Beratungen wurden Mitte März bis Ende Mai massiv genutzt und werden auch weiterhin angeboten. Aber es gibt auch ein starkes   Bedürfnis nach realen Begegnungen: „Es zeigt sich, dass die Nachfrage nach einer persönlichen Beratung wieder groß ist. Seit Ende Mai sind diese wieder möglich“, führt der Leiter des Gründerservice aus.

Plattform

Zudem gibt es seit 2018 die Plattform Startupland Vorarlberg. Diese versteht sich als zentrale Anlaufstelle für die wachsende Start-up-Branche im Land. Allein am Standort Dornbirn wurde in der Postgarage ein Freiraum und Austauschort für 21 Start-up-Teams geschaffen. Es zeige sich, dass Vorarlberg ein sehr gutes Umfeld ist und großes Potenzial hat. „So gilt es, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen und die Rahmenbedingungen für die aufstrebenden Start-ups noch weiter zu verbessern“, sagt Julia Grahammer, Leiterin von Start­upland Vorarlberg.

Auch die Junge Wirtschaft Vorarlberg (JWV) ist über die aktuelle Entwicklung erfreut: „Es ist schön zu sehen, dass in Vorarlberg trotz dieser herausfordernden Situation ein Anstieg der Gründerzahlen zu verzeichnen ist. Es zeigt sich, dass wir in Vorarlberg starke Jungunternehmer und motivierte Neugründer haben, die initiativ sind, und positiv und motiviert in die Zukunft blicken. Das freut mich sehr“, so Verena Eugster, Vorsitzende der JWV.

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