Lokal

Anklage: Versuchter Mord mit Tabletten

31.07.2020 • 22:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Anklage: Versuchter Mord mit Tabletten
HARTINGER

Mieterin soll 82-jährigem Überdosis an Medikamenten gegeben haben.

Einen versuchten Giftmord aus Habgier wirft die Staatsanwaltschaft Feldkirch der angeklagten Niederländerin vor. Demnach soll die 51-Jährige Ende September 2019 ihrem 82-jährigen Vermieter und Nachbarn in Riefensberg an mehreren Tagen eine Überdosis an Beruhigungs- und Schmerzmitteln ins Essen gemischt haben, um ihn zu töten. Damit wollte die Frühpensionistin aus Sicht der Anklagebehörde schneller erben. Der pensionierte Landwirt hatte sie und deren Sohn 2019 in seinem Testament zu Alleinerben gemacht.

Hilfe im Krankenhaus

Wäre der damals an Bewusstseinsstörungen leidende Bregenzerwälder in der Nacht auf 30. September 2019 von der Rettung nicht ins Dornbirner Stadtspital eingeliefert und behandelt worden, wäre er an der Tablettenvergiftung gestorben, heißt es in der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft beruft sich dabei auf Angaben des behandelnden Spitalsarztes und der gerichtsmedizinischen Gutachterin aus Innsbruck.

Den Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch um den angeklagten versuchten Mord hat Richter Richard Gschwenter auf drei Tage angesetzt – von 15. bis 17. September. Der Strafrahmen für (versuchten) Mord beträgt zehn bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung. Verteidiger Manuel Dietrich war auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit. Im Ermittlungsverfahren hat die Beschuldigte, die sich seit Oktober 2019 in Feldkirch in Untersuchungshaft befindet, den Tatvorwurf bestritten. Sie gab an, ihr betagter Vermieter und Nachbar habe sich offenbar mit der Tablettenüberdosis selbst das Leben nehmen wollen.

Die Frau suchte allerdings im Internet Ende September 2019 nach Informationen zu einem nicht nachweisbaren tödlichen Tablettencocktail. Ihrem Lebensgefährten schrieb sie aufs Smartphone, sie werde den Pensionisten bald beerben, dann alles verkaufen und ein Haus am Meer bauen. Sie behauptete vor der Polizei, sie habe sich selbst umbringen wollen. Im Oktober 2019 las die Niederländerin im Internet jedoch den Artikel „Wie würden Sie jemanden so vergiften, dass die Polizei Ihnen nicht auf die Schliche kommt?“.

Bankomatkarte entwendet

Im Mai 2019 wurde die Angeklagte am Landesgericht rechtskräftig wegen schweren Betrugs zu einer Geldstrafe von 1680 Euro verurteilt. Sie hatte im Dezember 2018 mit der entwendeten Bankomatkarte ihres Vermieters Zigaretten und Paysafe-Karten gekauft und ihn so um 399 Euro geschädigt.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.