Kommentar

Wer betreut die Kinder?

01.08.2020 • 19:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es wird ein unruhiger Herbst werden“, prophezeite Landeshauptmann Markus Wallner. Prompt folgte ein, wenn auch nur kleiner, Vorgeschmack darauf, was im Herbst drohen wird. Die Fälle in den Kinderbetreuungseinrichtungen in Feldkirch und Klaus lassen erahnen, was nach dem Sommer auf Eltern zukommen wird.
Als Vater zweier Kinder habe ich eines gelernt: Von September bis März haben Kinder, die regelmäßig Spielgruppen und Kindergärten besuchen, Schnupfen und Husten. Nicht mehrmals über die Monate verteilt, sondern einmal. Durchgehend.

Vor allem der Husten stellt bekanntlich ein Problem dar. Er könnte ein Indiz für eine Infektion mit dem Corona­virus sein. Die Empfehlung lautet, Kinder mit Symptomen zur Vorsicht zu Hause zu lassen. Aber wer kann es sich leisten, seine Kinder von September bis März zu Hause zu lassen? Das wird in der Praxis nicht funktionieren. Vor allem dann nicht, wenn beide Eltern berufstätig sind. Die Großeltern fallen in die Risikogruppe und somit bekanntlich als Babysitter weg. Ein Elternteil muss also zu Hause bleiben. Eventuell ist noch ein wenig Resturlaub übrig, doch der wird nicht reichen. Dann ist guter Rat im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Eine Freistellung ohne Bezahlung ist keine Lösung.

Auch die Wirtschaft wird es spüren, wenn plötzlich Angestellte nicht mehr zur Arbeit kommen, weil sie mit der Betreuung ihrer Kinder beschäftigt sind. Natürlich besteht weiterhin die Möglichkeit des Homeoffices. Die Betreuung der Kinder zu Hause hat aber bereits im Frühling viele Eltern an ihre Grenzen gebracht. Zu Hause zu arbeiten und gleichzeitig auf die Kleinwüchsigen aufzupassen, ist auf Dauer nicht zumutbar.

Eine weitere Problematik stellt die Testung der Kinder dar. Ich weiß, was meine Tochter toleriert und was nicht. Ein eingezogener Spieß reicht, und ich darf nicht einmal in die Nähe ihres Fußes kommen. Was glauben Sie, wie sie auf eine Person mit Corona-Schutzkleidung reagieren wird, die ihr ein Stäbchen in den Rachen schieben möchte? Die Lösung? Ohne Test zwei Wochen in Quarantäne. Wo wir wieder bei der Ausgangssituation und der Frage nach der Kinderbetreuung für Berufstätige wären. Der Herbst wird unruhig werden, das ist sicher. Und er wird uns die ­Erkenntnis bringen, dass wir unsere Mitmenschen und uns selbst bestmöglich schützen, gleichzeitig aber wohl mit ­einer Virus-Verbreitung leben müssen.

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