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Arbeitsmarkt: Der mühsame Weg zurück

03.08.2020 • 20:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Arbeitsmarkt: Der mühsame Weg zurück
Schwierige Zeiten am Arbeitsmarkt. Hartinger

Folgen der Covid-19-Krise werden Arbeitsmarkt noch länger begleiten.

Die schlechte Wirtschaftslage bildet sich auch am Arbeitsmarkt ab. Im Juli gab es sieben Prozent weniger Arbeitslose als im Vormonat. Das sind knapp 13.000 Menschen. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit um ein Drittel höher als im Jahr 2019. Der Vergleich mit dem Vorjahr macht deutlich, wie schlimm die Krise den Arbeitsmarkt getroffen hat.
Am stärksten ist die Tourismus-Branche betroffen, gefolgt von Bau und Industrie. Auch die Zahlen zur Kurzarbeit zeigen, dass es nur langsam besser wird. Derzeit sind österreichweit 176.000 Menschen in Kurzarbeit. Die Kurzarbeit ist im Vergleich zum Juni um 274.000 Menschen zurückgegangen.

Die Folgen der Krise

„Die Folgen der Covid-19-Krise stellen den heimischen Arbeitsmarkt vor enorme Herausforderungen“, informiert AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter. „Es ist wichtig, arbeitslosen Menschen eine Perspektive zu bieten und gleichzeitig den mittel- und langfristigen Fachkräftebedarf der Wirtschaft abzudecken. Qualifizierung kommt daher eine besondere Bedeutung zu“, ist sich Bereuter sicher. Das Vorkrisenniveau ist derzeit noch in weiter Ferne. „Im Baubereich ist es im Vergleich zu anderen Berufen nicht so stark spürbar. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 27 Prozent mehr. Und im Hotel- und Gaststättenbereich sind es über 80 Prozent“, so Bereuter. Der Baubereich war auch der erste Sektor, der schnell wieder angezogen hat und in die Gänge gekommen ist. Und die Auftragslage stellt sich laut Bereuter gut dar. Das mache auf jeden Fall Hoffnung.
„Im Vergleich zum Vormonat haben wir 1017 Personen weniger in der Arbeitslosigkeit. Da ist ein deutlicher Trend zu spüren. Am Höchststand hatten wir über 17.000 Arbeitslose in Vorarlberg. Jetzt sind es noch 13.108 vorgemerkte Arbeitslose“, ergänzt Bereuter.


Dass es seit April Monat für Monat einen Rückgang gegeben hat, ist durchaus erfreulich, betont der Leiter des AMS Vorarl­berg. Aber der Arbeitsmarkt ist derzeit einfach in einer schwierigen Lage durch die Corona-Krise: „Wenn wir den Juli mit dem des letzten Jahres vergleichen, dann sieht man das deutlich. Da haben wir 8700 Arbeitslose gehabt“, ergänzt Bereuter. Die Herausforderung wird bleiben und den Arbeitsmarkt noch lange auf hohem Niveau begleiten.

Gradmesser Tourismus

Insgesamt hat sich auch der Tourismussektor leicht erholt. Manche Regionen sind auch gut gebucht. „Aber es ist vor allem der Ferienwohnungsbereich, der sehr gut geht. Und die sind natürlich nicht so personalintensiv. Aber auch der Hotel- und Gaststättenbereich ist teilweise gut gebucht. Aber dennoch kommen wir nicht annähernd an die Zahlen des letzten Jahres heran“, so Bereuter.
Ein wichtiger Fokus liegt derzeit auf Qualifizierung und Weiterbildung in Schulungen. „Wir haben 1790 Personen in Schulungen. Das sind zehn Prozent mehr als im letzten Jahr. Das ist ganz wesentlich, da sich dadurch mittelfristig auch die Arbeitsmarktchancen erhöhen“, betont der AMS-Geschäftsführer. Zudem ist vonseiten der Bundesregierung im Herbst ein Arbeitsstiftungsprojekt geplant: „Auch da wird es vor allem um Umschulungen und Aus- und Weiterbildungen gehen. Das ist derzeit sehr wichtig und begrüßen wir von der Landesseite her“, ergänzt Bereuter.

Lehrstellenmarkt

Auch der Lehrstellenmarkt spürt die schwierige wirtschaftliche Lage. „Aber wir haben derzeit noch über 900 freie Lehrstellen im Land. Da kann man sich jetzt noch bewerben“, so Bereuter. Vor allem im Fremdenverkehr (75), in den Bauberufen (54), in den Metall- und Elektroberufen (42) sowie im Handel und Verkehr (27) gibt es die meisten offenen Lehrstellen. Zudem ist das Auffangnetz in Vorarlberg durchaus engmaschig. Einerseits gibt es überbetriebliche Lehrstellenzentren, für alle, die heuer keine Lehrstelle bekommen haben. „Und wir haben auch gemeinsam mit dem Land die Beschäftigungs- und Ausbildungsgarantie für Jugendliche“, betont Bereuter. Generell ist die Wirtschaft in Vorarlberg gut aufgestellt. Und auch die Struktur der Unternehmen stimmt Bereuter positiv: „Wir haben auch noch relativ viele Familienunternehmen und da gibt es ein starkes Bekenntnis zum Standort Vorarlberg. Das ist eine wichtige Basis, gerade in so schwierigen Zeiten.“ Generell werde die Krise noch länger ein Thema sein. Vor allem die Auswirkungen der Krise.

Ungewisse Zukunft

Eine Prognose für den Herbst zu erstellen, sei derzeit äußerst schwierig. Der Blick in die Zukunft bleibt ungewiss und hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab: „Der Großteil der Beschäftigten im Land sind in dem Bereich der Herstellung von Waren. Das ist der Industriebereich. Da haben wir über 25.000 Beschäftigte. Und die sind sehr stark abhängig von den Handelspartnern. Das ist einfach ein großer Unsicherheitsfaktor, weil niemand weiß, wie sich die Märkte international entwickeln. Wenn die Exportlage gut ist, wird auch der heimische Arbeitsmarkt stark davon profitieren“, erläutert Bereuter. Das wird auch die Dynamik ankurbeln. Aber im Herbst werden dann die saisonalen Schwankungen stärker zum Tragen kommen. Und wesentlich für den Tourismus wird die kommende Wintersaison werden. Wenn es geringe Corona-Fallzahlen gibt und die Saison gut startet, dann wird sich auch der Bereich Tourismus wieder erholen. „Aber das sind alles Spekulationen.“

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