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„Linhart verwechselt Seriosität mit Stillstand“

06.08.2020 • 18:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Harte Kritik der Opposition am Bregenzer Bürgermeisters Linhart.

Knapp fünf Wochen vor der Gemeindevertretungswahl am 13. September nimmt der Wahlkampf in der Landeshauptstadt Bregenz weiter an Fahrt auf. Nachdem die NEUE exklusiv über einen Brief berichtete, den Bürgermeister Markus Linhart an Infrastrukturministerin Leonore Gewessler geschrieben hat, meldet sich nun die Opposition zu Wort.

Inhalt des Briefs war die Bitte nach einer Aktualisierung einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2003, die sich mit der Verlegung der Bahngleise unter die Erde oder in den Pfänderstock beschäftigt hatte. Schon seit vielen Jahren wird über eine alternative Streckenführung nachgedacht. Nun wagte Linhart also einen neuerlichen Vorstoß, der bei der Opposition nicht gerade gut ankam.
„Linhart ist mittlerweile seit 8000 Tagen Bürgermeister in Bregenz. In all diesen Jahren hat er das Thema Bahnhof komplett ignoriert. Jetzt, 66 Tage vor der Wahl, schreibt er einen Brief an die Infrastrukturministerin. Das ist ein so billiger Wahlkampf-Gag, dass ich zuerst an einen Scherz geglaubt habe“, sagt Herausforderer Michael Ritsch.

Michael Ritsch spart nicht mit Kritik. <span class="copyright">Lerch</span>
Michael Ritsch spart nicht mit Kritik. Lerch

„Alibi-Aktion“

Der Sozialdemokrat hat für die Kontaktaufnahme des Stadtoberhauptes mit dem Ministerium kein Verständnis. „In den letzten 22 Jahren hat der Bürgermeister jegliche ernstgemeinte Initiative vermissen lassen. Da nützt auch kein Briefeschreiben kurz vor der Wahl: Die Bregenzerinnen und Bregenzer wollen Lösungen, keine Alibi-Aktionen. Nach der ewiggleichen Ansagen-Politik ist es Zeit für ein umfassendes Gesamtkonzept“, fährt Ritsch fort.
Ritsch selbst unterstreicht in einer Aussendung, dass er seit jeher die Initiative „mehramsee“ unterstützt habe, die seit Jahren eine Unterflurlösung der Bahngleise zwischen Bregenz und Lindau fordert.

Ähnliche Worte sind auch aus dem Lager der Neos zu vernehmen. „Das ist ein weiterer Versuch in den 22 Jahren von Linharts Amtszeit, einen ersten Schritt zu tun, um die Region und Bregenz zu entwickeln. Bisher ist nicht viel passiert. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und auch ein Brief ist noch keine Weichenstellung. Der richtige Weg wäre es zumindest, wenn das Versprochene auch nach der Wahl hält“, erklärt Stadtvertreter Alexander Moosbrugger.

Alexander Moosbrugger kandidiert auch als Bürgermeisterkandidat in Bregenz. <span class="copyright">Neos</span>
Alexander Moosbrugger kandidiert auch als Bürgermeisterkandidat in Bregenz. Neos

Kosten-Nutzen-Betrachtung

Bereits vor der Reaktion der Oppostion wollte Linhart klarstellen, dass sein Vorstoß mittels Brief in der Bahnfrage keineswegs als Wahlkampfgeplänkel verstanden werden darf. „Ich bin kein Freund von lautstarkem Wahlkampfgeplänkel über die Medien ohne jeglichen Hintergrund. Es ist zielführender, den Weg im Hintergrund zu wählen und diesen seriös zu gehen“, erklärt der Bürgermeister gegenüber der NEUE.

Neos-Abgeordneter Garry Thür kritisiert Linhart. <span class="copyright">Neos</span>
Neos-Abgeordneter Garry Thür kritisiert Linhart. Neos

Eine Aussage, die den Bregenzer Neos-Landtagsabgeordneten Garry Thür, seines Zeichens CTO der Rhomberg Sersa Rail Group, zu einer Reaktion veranlasste. „Linhart verwechselt Seriosität mit Stillstand. Was es jetzt braucht, ist nicht eine x-te Machbarkeitsstudie. Wir wissen schon seit Jahren, dass es machbar ist. Was es braucht, ist eine fundierte und transparente volkswirtschaftliche Analyse mit einer Kosten-Nutzen-Betrachtung, so wie wir es im laufenden Antrag fordern, der im Oktober 2020 im Landtag behandelt wird“, sagt Thür. Der Antrag wurde am 2. Juli eingebracht, sieben Tage, bevor Linhart den Brief an das Ministerium versandt hat.

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