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Schattiger Walserweg an der Lutz

13.08.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schattiger Walserweg  an der Lutz
Glück

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück wanderte ab Garsella Lutzbrücke auf dem Walserweg nach Sonntag und über die ­Reutelebrücke wieder zurück.

Der Start der Route ist bei der Lutzbrücke im Ortsteil Garsella-Sonntag, der einzigen öffentlichen Verbindung der Südseite (Raggal) und Nordseite (Blons, Sonntag, Fontanella). Vorab überquert man die schöne Brücke, um gleich links die Richtung Sonntag Walserweg, ein Teilstück des Walserweges von Damüls bis nach Thüringerberg, in Angriff zu nehmen. Fast immer wandert man an der Lutz, dem Hauptfluss des Großes Walsertales entlang.

Die Lutz entspringt im Gebiet von Lägazun oberhalb der Metzgertobelalpe bei Buchboden und mündet nach 27,7 Kilometer bei Thüringen und Nenzing in die Ill. Mit Wilder Dost, Wasserdost, Pestwurzblätter und ganz klein und fein der Augentrost sind nur wenige Pflanzen erwähnt, die den Forstwegrand üppig bewachsen. Rauschend fließt der Weidenbach, einer der zehn linksseitigen Zuflüsse in die Lutz. Bei der Abzweigung näher dem Gebirgsbach bleibend, wird der Weg sehr urig mit Holzbrunnen, Holzstapel und querliegenden Bäumen im Wald. Sobald sich der Wald öffnet, weitet sich der Talblick und zwischen den Zweigen blinzelt die Kirchturmspitze der Pfarrkirche in Sonntag über die Talseite herüber. Im Fokus bleiben die Blasenka (2004 m) und das Zafernhorn (2107 m), beides Berge nahe dem Furkapass nach Faschina.

Schattiger Walserweg  an der Lutz
Glück

Seilbahn zur Parzelle Stein

Ab der Reutelebrücke ist Sonntag mit der Talstation Steinseilbahn schon in fünfunddreißig Minuten zu erreichen. Flach geht es dahin, mit dem Bachrauschen im Ohr bis zum Fußballplatz. Linker Hand daran vorbei zweigt man bei der Steinbrücke links ab und in der Straßenkehre wieder rechts den Hang hinauf zur Talstation Sonntag-Steinseilbahn. Einst war die Steinbrücke eine 45 Meter lange Holzbrücke und führte zum beschwerlichen Fußweg auf die Parzelle Stein. Heute kann die Parzelle Stein gemütlich mit der Gondelbahn, die 1928 vorab eine Materialseilbahn war und erst im Jahre 1967 zu einer Personenbahn umgebaut wurde, erreicht werden.
Eine Heimatpflegeverein-Infotafel berichtet über Flysch- und Kalkgesteinzonen und stellt den letzten großen Bergsturz von der Blasenka im Jahre 1917 dar.

Heimatmuseum

Ab jetzt führt ein schattiger Waldweg nach oben und direkt unter dem Parkplatz der Talstation kann man schon gleich links abzweigen und den Weg zur Sonntager Kirche unters Schuhwerk nehmen. Bei der Bushaltestelle rechtsseitig der Straße steigt man kurz an und gelangt auf einen schmalen Weg, der direkt zur Kirche und dem Heimatmuseum führt. Das Heimatmuseum ist ein typisches Walserhaus mit Anhängetechnik erbaut, einstigen kleinen Fens­tern und die Mittelpfette beim Dachgiebel fehlt. Eine Besichtigung lässt einen so richtig in die Walsergeschichte mit Kultur und Handwerk eintauchen.
Gleich unter diesem geschichtsträchtigen Haus beginnt der Rückweg den Wiesenhang hinunter und hinter dem Gasthof Löwen vorbei zur Straße. Schnell über die Straße und schon zeigt sich talauswärts die Abzweigung Lutz Reutelebrücke nach Garsella.

Durchtobeltes Tal

Die gemütliche 45 Minuten bis zum Ausgangspunkt bringen einen zuerst hinab durch den schattigen Wald zur Reutelebrücke, die einen fantastischen Panoramablick bis zur Biberacher Hütte (1846 m) mit dem typischen gebogenen Rothorn (2239 m) und der Hochkünzelspitze (2397 m) bietet. Dort befindet sich der Schadonapass (1840 m), der in den Bregenzerwald führt. Dieser Talblick zeigt die Streusiedlung im Kerbtal Großes Walsertal, das seit 2000 auch Biosphärenpark ist. Manchmal wird dieses Tal auch ein „von Tobeln durchtobeltes Tal“ genannt. Kein Wunder, denn 29 Wildbäche und Zuflüsse speisen die Lutz. Nach der Reutelebrücke ist der Rückweg mit veränderter Perspektive, also mit dem Hohen Fraßen (1979 m) und Raggal im Fokus, sehr abwechslungsreich und genüsslich.
Diese kurze aber schöne Rundwanderung endet wieder am ursprünglichen Ausgangsort mit dem Überqueren der Lutzbrücke bei Garsella.

Besonderes: Eine schattige, geschichtsträchtige Rundwanderung entlang von Bächen und Wiesen, über alte und neue Brücken, auf welcher Fauna und Flora genossen werden kann.

Anforderung und Gehzeit: In eineinhalb bis zwei Stunden absolviert man ungefähr 135 Höhenmeter aufwärts und auch wieder abwärts.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: wenig Straße, Wald- und Forstwege

Kultur und Natur unterwegs: Walserweg, Heimatpflegeverein Großes Walsertal – Infotafeln, Biosphärenparkhaus, Kath. Pfarrkirche hll. Oswald und Domenikus, Heimatmuseum

Anziehen und Mitnehmen: gutes Schuhwerk mit Profilsohle

Einkehrmöglichkeiten: Biosphärenparkhaus, Gasthaus Kreuz, Cafe Restaurant Löwen in Sonntag, Cafe Jenny in Garsella

Start und Ende: Lutzbrücke bei Garsella, Bushaltestelle, Parkplatz talauswärts, nahe der Brücke, Großes Walsertal