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Mit Samthandschuhen und Vorschlaghammer

21.08.2020 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit Samthandschuhen und Vorschlaghammer
Sebastian Rauch

Bürgermeisterkandidatin Eva Hammerer fordert mehr Feingefühl in der Seeufer-Gestaltung.

Der Ort war nicht zufällig gewählt. Als Grünes Hard mit Spitzenkandidatin Eva Hammerer gestern das Programm für die Gemeindewahl der Öffentlichkeit präsentierte, geschah dies unmittelbar zwischen Minigolfplatz und Hafen. Es ist jene Fläche, die der ehemalige Bürgermeister Harald Köhlmeier für den sogenannten Durchstich unter anderem geopfert hätte. Bekanntermaßen lehnte die Harder Bevölkerung die Pläne für die Neugestaltung des Binnenbeckens nach Köhlmeiers Vorstellungen ab und der amtierende Bürgermeister nahm nach dem Scheitern seines Prestigeprojektes den Hut.

In ihrer Programmpräsentation nahm sich Hammerer kein Blatt vor den Mund, wenn es um die politische Führung der vergangenen Jahre in Hard ging. „Hard hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten so einiges aushalten müssen“, erklärte die Grüne Landtagsabgeordnete und verwies auf zahlreiche Projekte, die in unmittelbarer Seenähe geplant, dann aber nicht umgesetzt wurden. Projekte wie das Minimundus am grünen Damm, die Museumsschiffe MS Oesterreich und Hohentwiel im Binnenbecken oder der bereits erwähnte Durchstich samt Loop.
„Das waren allesamt Projekte der ÖVP, die wirtschaftlichen Interessen Tür und Tor öffnen wollte. Es waren dann die Harder, die in drei Volksabstimmungen ihr Seeufer vehement verteidigten“, erinnerte die Juristin.

Neugestaltung Thalerareal

Auch sie wolle das Seeufer verteidigen und wenn überhaupt „nur mit Samthandschuhen anfassen“. Sollte sie Bürgermeisterin werden, würde sie sich gegen den Druck der Wirtschaft und der Investoren zur Wehr setzen.

Ein zentraler Punkt ihres Programmes ist die Umgestaltung des Thalerareals, das zuweilen meist ungenützt sein tristes Dasein an einem der schönsten Harder Plätze fristet. Grünes Hard plant darin ein Fahrrad-Hostel zu errichten, mit Fahrradverleih samt Werkstatt und einem Restaurant. Auch Sanitäranlagen für Hafengäste sollen im Umbau inbegriffen sein. Im Herbst und Winter könnte das Fahrrad-Gästehaus, wie es Hammerer nannte, dann für Seminare und Weiterbildungen verwendet werden. Das Fahrrad spielt in den Überlegungen der Grünen aus Hard ohnehin eine zentrale Rolle. Hammerer wolle zeigen, dass im Fahrrad sowohl für Mobilität und Klimaschutz als auch für den Tourismus in Hard großes Potenzial liege.

“Eine starke Führungskraft im Rathaus ist von entscheidener Bedeutung. Eine die diesem Druck standhalten kann.”

Eva Hammerer, Grünes Hard

Autofreies Zentrum

Dementsprechend plant Grünes Hard auch eine Umgestaltung des Dorfkerns. Das Gelände der ehemaligen Schule Markt soll als Sozialtreff genutzt werden, wo das soziale Leben in der Marktgemeinde Einzug hält. Zusätzlich ist angedacht, das Dorfzentrum völlig von Autos zu befreien.
„Die Brückenwaage wird kaum als Begegnungszone wahrgenommen und ist die erste Ausweichroute, wenn auf der Betonstraße Stau herrscht. An Spitzentagen fahren bis zu 8000 Autos durch Hards Zentrum. Das ist nicht nur zuviel, sondern auch gefährlich“, erklärt Sanel Dedic, Listenzweiter der Harder Grünen. Daher schlägt der IT-Fachmann einen Testversuch vor. Von Mai bis September könnte das Zentrum für den Autoverkehr mit einem ausgearbeiteten Umfahrungskonzept gesperrt werden. „Somit könnten wir testen, ob sich das positiv auswirkt. Wenn der Versuch zeigt, dass es keinen positiven Effekt für Hard hat, kann die Sperre auch jederzeit wieder rückgängig gemacht werden“, lässt Dedic wissen.

Kritik an Finanzplanung

Besonders kritisch sah das Grüne Spitzenduo den Finanzhaushalt der Marktgemeinde. So habe die Errichtung des Spannrahmens statt 6,5 Millionen am Ende 13 Millionen Euro verschlungen. Dedic nannte den Spannrahmen eine „Betonwüste, wo sich niemand aufhalten will.“ Die Finanzen der Gemeinde seien angespannt, daran sei die „vollkommen ins Blaue und ohne Weitsicht getätigte Gemeindeplanung der letzten Jahre“ Schuld. Allein für die Planung der neuen Hafenanlage in Bezug auf den Durchstich sei eine halbe Million Euro aufgebracht worden. Pläne, die jetzt in der Schublade verstauben würden.

“Wir setzen auf den Mut zur Bescheidenheit, Nachhaltigkeit und zum Kleinsein. Nicht jede Reform kostet Geld und nicht alles was Geld kostet, ist eine Reform. Große Wirkung für wenig Geld. Es müssen nicht immer Investitionen in Millionenhöhe sein“, kritisierte Hammerer die ÖVP-Finanzpolitik.

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