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Erntebilanz fällt bisher passabel aus

22.08.2020 • 08:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Punktuell gab es Hagelschäden im Unterland.<span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Punktuell gab es Hagelschäden im Unterland.Dietmar Stiplovsek

Leicht überdurchschnittliche Erntebilanz bei Obst und Gemüse.

Die Vorarlberger Bauern ziehen eine zufriedene Zwischenbilanz über die heurige Erntesaison. „Im Gro­ßen und Ganzen ist es ein leicht überdurchschnittliches Jahr – sofern es so weiter geht wie bisher“, fasst Harald Rammel, Obst-und Gartenbaureferent der Landwirtschaftskammer, zusammen. Leider gab es im Unterland einige Hagelschauer, welche kleinräumig Schäden an Salat und Kohlgemüse angerichtet haben.

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Dietmar Stiplovsek

Ansonsten war der Regen heuer zeitlich gut verteilt. Ist es lange trocken, müssen nämlich Bewässerungsrohre ausgelegt werden. Dieser Pflegeaufwand war dieses Jahr vergleichsweise gering. Dafür kämpfen die Bauern mit Unkraut. Denn das „wuchsfreundliche“ Wetter lässt nicht nur Obst und Gemüse sprießen, sondern auch die Schadkulturen.

Zufrieden ist Rammel mit dem Absatz des im Land Produzierten. „Alles, was produziert wurde, ließ sich auch an den Kunden bringen“, sagt der Fachmann. Corona habe sogar das Interesse an regionalen Produkten erhöht. Eine erfreuliche Situation für die Landwirte.

Schädlinge

te, wie stark die Kirschessigfliege die Ernte von späten Kulturen beeinflusst. „Die Kirschessigfliege ist ein Schädling aus Japan und gleicht optisch einer Fruchtfliege. Doch im Gegensatz zu jener befällt dieser Schädling nicht nur Früchte, die am Verderben sind sondern auch frische“, erläutert Rammel. Die Fliege ritzt die Schale ein und legt ihre Eier in die Öffnung. Himbeeren sind ein klassisches Opfer des Schädlings. Betroffen sind aber auch Kirschen, Zwetschken, Trauben oder Kiwi – mitunter sogar Tomaten. Bisher war der Befall schwach, doch Rammel will nicht ausschließen, dass sich das noch ändern könnte.

<span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>Corona hat die Nachfrage nach Regionalem erhöht.
Dietmar StiplovsekCorona hat die Nachfrage nach Regionalem erhöht.

Die Kirschessigfliege mag es warm. Genau dann entwickelt sie sich prächtig und vermehrt sich. Die bis dato vergleichsweise kühlere Witterung dürfte den Schädling bisher in Zaum gehalten haben. „Wenn es so bleibt, wie es ist, sind wir zufrieden“, bleibt Rammel optimistisch.

Kartoffelbauern

Ebenfalls zufrieden zeigen sich die Kartoffelanbauer. Engelbert Mähr, Kartoffelberater der Landwirtschaftskammer, ist mit den Erntemengen von Frühkartoffeln heuer sehr zufrieden, die Nachfrage sei entsprechend. „Die Lagerkartoffel sehen trotz der kühleren Witterung und dem damit einhergehenden Pilzbefall gut aus. Kraut- und Braunfäule war bei ordentlicher Kulturführung in den Griff zu bekommen“, informiert Mähr. Es rechnet heuer mit vergleichsweise großen Kartoffeln.

Heuernte

Passable Ergebnisse gab es auch bei der Heu- und Futterernte. „Gibt es viel Heu, gibt es einen Winter in dem viel Heu gebraucht wird“, lautet eine Bauernregel. Allerdings treffen diese Prognosen nicht immer zu. „Die Zukunft hat die Sicherheit, dass sie ungewiss ist“, scherzt Christian Meusburger, Pflanzenbau-Fachmann der Landwirtschaftskammer. Die Witterung war heuer jedenfalls ausreichend feucht mit stabilen sonnigen Tagen. Summa summarum verbucht Meusburger die Heuernte als „gutes Jahr“. Das trockene Frühjahr hätte dramatische Folgen haben können, aber es regnete rechtzeitig. „Da zeigt sich wieder, dass erst Ende des Jahres abgerechnet wird. Nur weil es eine schlechte Phase gibt, ist noch nicht alles verloren“, meint Meusburger.

Trotz Trockenheit im Frühjahr war es ein gutes Jahr für die Heuernte. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Trotz Trockenheit im Frühjahr war es ein gutes Jahr für die Heuernte. Dietmar Stiplovsek


Bis Ende September oder Anfang Oktober wird noch geheut. In den vergangenen Jahren habe die Vegetationszeit stets sehr früh begonnen und bis Ende November konnten die Tiere auf den Wiesen bleiben, weil immer noch etwas gewachsen ist. Die Vegetationszeiten sind von daher sehr lange. „Man wir sehen, wann sich heuer der Winter einstellt“.

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Aufatmen im Montafon

Auch die Engerlingplage im Montafon scheint unter Kontrolle. Im Sommer des Vorjahres hatten Engerlinge in Gaschurn komplette Felder zerstört. Bis spät in den Herbst 2019 wurde die Grasnarbe mit Samen wieder hergestellt, damit die Hänge wieder grün sind und befahren und bewirtschaften werden können. Im heurigen Frühjahr wurde dann Pilz-Gerste (natürlicher Pilz und Gegner des Engerlings, Anm.) gegen die Schädlinge ausgebracht. Die Aktion soll kommendes Jahr noch einmal wiederholt werden, damit sich die Engerling-Population wieder einpendelt, kündigt Meusburger an.