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Großes Büffeln gegen Corona-Lücken

02.09.2020 • 12:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Großes Büffeln gegen Corona-Lücken
Hartinger

Großer Nachholbedarf aufgrund des Corona-bedingten Unterrichtausfalls.

Tausende Schüler haben in Vorarlberg schon zwei Wochen vor dem Schulstart mit dem Lernen begonnen. Ein Rundruf bei Nachhilfeinstituten, Arbeiterkammer und in der Bildungsdirektion zeigt: Lernen für den „Nachzapf“ ist in diesem Sommer aufgrund der Sonderregelungen fürs Sitzenbleiben so gut wie kein Thema, das Schließen von Wissenslücken aus der Homeschooling-Zeit dafür umso mehr.
Die vom Bildungsministerium ins Leben gerufene Sommerschule hat am Montag begonnen. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche mit Problemen in der Unterrichtssprache Deutsch an Volksschulen, Neuen Mittelschulen (NMS) und AHS-Unterstufen. In erster Linie richtet sich das Angebot an Schüler, die in Deutsch zwischen Vier und Fünf stehen oder die wegen der Coronavirus-bedingten Umstellung auf Fernunterricht in den vergangenen Monaten einen besonderen Aufholbedarf haben. 1588 Schüler an 40 Schulstandorten in Vorarlberg haben sich angemeldet. Den Großteil, nämlich knapp über 1000, machen Volkschüler aus. Die meisten Anmeldungen gab es an der Volksschule Bludesch (97), gefolgt von der Volksschule Bregenz-Rieden (76). Unterrichtet wird in Kleingruppen mit 8 bis maximal 15 Schülern, etwa 50

Lehramtsstudierende und 125 Lehrpersonen betreuen die Schüler. Zusätzliches Budget für den kostenlosen Sonderunterricht gibt es keines. Wie Elisabeth Mettauer-Stubler von der Bildungsdirektion auf NEUE-Anfrage erklärt, wird den Studierenden der Einsatz für das Studium angerechnet. Die Lehrpersonen würden den zusätzlichen Unterricht in Form von Überstunden ausbezahlt bekommen.

Neues Angebot der AK

Auch die Arbeiterkammer hat sich im Corona-Schuljahr ein spezielles Angebot einfallen lassen, um Schülern und Eltern in diesen besonderen Zeiten unter die Arme zu greifen. So konnten diese zwischen Mitte Juli und Ende August bei der AK anrufen und Pädagogen um Rat fragen. Laut Gerhard Ouschan, Leiter des Bereichs Bildung, konnte in 200 Fällen rasch geholfen werden. Zudem lernten die Pädagogen mit etwa 40 Kindern regelmäßig Mathematik, Deutsch und Englisch. „Das Angebot wurde sehr gut angenommen. Die Kinder haben sich teilweise richtig gefreut auf den Unterricht, und die Eltern konnten wieder einmal durchschnaufen“, resümiert Ouschan. Das Projekt soll aufgrund der guten Erfahrungen nach Corona weitergeführt werden. Auch das 2019 von der AK konzipierte Angebot „Lernbegleitung statt Nachhilfe“ gibt es heuer wieder. Allerdings in etwas abgewandelter Form, da aufgrund von Corona auf den fächerübergreifenden Mittagstisch verzichtet werden muss. Angeboten wird Mathematik, Deutsch und Englisch. Der Unterricht findet diese Woche statt. Die Nachfrage nach diesem Angebot sei heuer etwas geringer, sagt Ouschan. Ein Grund dafür sei die Sommerschule.

Festigen und Nachholen

Die Nachhilfeinstitute verzeichnen trotz der Ausnahmesituation im vergangenen Schuljahr keinen nennenswerten Anstieg bei der Nachfrage. Als Hauptgrund nennen die verschiedenen Anbieter den Umstand, dass Nachprüfungen Corona-bedingt nicht verpflichtend sind. „Dafür sehen wir eine verstärkte Nachfrage für das Nachholen des Stoffes aus der Corona-Zeit und vor allem auch in Bezug auf das Fes­tigen bereits erlernter Unterrichtsinhalte“, berichtet Markus Kalina, Regionalleiter der Schülerhilfe Österreich. Auch der Übertritt in die weiterführende Schule sei ein Thema. Beim Nachhilfeinstitut LernQuadrat gingen heuer etwas mehr Anmeldungen für die Sommer-Intensivkurse ein. „Das liegt vermutlich daran, dass Eltern und Schüler heuer das Gefühl hatten, dass im Corona-Semester Wissenslücken entstanden sind und der Lernstoff nicht gut sitzt“, erklärt Sprecherin Angela ­Schmidt. Ganz ähnlich ist die Situation in der Smile Akademie in Feldkirch. „Auch Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, nutzen diesen Sommer besonders stark unsere Unterstützung, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern“, sagt Geschäftsführerin Elisabeth Geier. Bei allen Instituten ist Mathematik nach wie vor das mit Abstand am meisten nachgefragte Fach, gefolgt von den Sprachen und schulspezifischen Fächern wie etwa Rechnungswesen.

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