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Minimaler Raum für maximale Auszeit

05.09.2020 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Holz, Metall, Glas. Der Hersteller rechnen mit einer langen Lebensdauer der Tiny-Häuser.<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Holz, Metall, Glas. Der Hersteller rechnen mit einer langen Lebensdauer der Tiny-Häuser.Klaus Hartinger

Cabinski gegen unverhältnismäßigen Ressourcenverbrauch im Alpenraum.

Die Assoziation mit der Luxushotelgruppe liegt auf der Hand. Doch bei Cabins­ki geht es um Urlaub im Mini-Haus anstatt im Mega-Hotel. Und überhaupt ist das Konzept ein völlig anderes.
Cabinski, das sind Christopher Eichhorn (31) und Tim Suske (28). Die beiden Hessen kennen sich seit Kindheitstagen. Die Liebe zu Winter, Skifahren und den Bergen hat sie in die Region verschlagen. Eichhorn pachtet seit geraumer Zeit die Pension Reinhilde im Montafon. Ein Gruppenhaus in Galgengul, einem Ortsteil von St. Gallenkirch. Daneben: eine große Wiese. Bauland. „Ob man da nicht was machen will“, fragten die Eigentümerinnen den Pächter. Allerdings höchs­tens 25 Jahre. Danach müsse theoretisch alles wieder auf Null gesetzt werden. Was folgte waren Gedankenspiele über nachhaltiges Bauen.

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Klaus Hartinger

Kein klassicher Bau möglich

„Ein klassischer Bau kam nicht infrage. Wir informierten uns über sogenannte Minimalhäuser“, erzählt Suske. Doch nicht nur das. Der Wahl-Konstanzer machte gleich Nägel mit Köpfen.„Ich habe meine Master-Arbeit über das Projekt geschrieben“, ergänzt er. Betriebswirtschaft hat er studiert – Schwerpunkt Unternehmensführung und Strategieentwicklung. Mit Erfolg. Das Konzept stand, es folgte eine Reifungs- und Planungsphase.

Tim Suske (Foto) und Christopher Einhorn stecken hinter dem Minimalhaus-Konzept.. <span class="copyright">Klaus Haringer</span>
Tim Suske (Foto) und Christopher Einhorn stecken hinter dem Minimalhaus-Konzept.. Klaus Haringer

Darum Berlin.

Die Idee, für die Zukunft nachhaltigen Wohnraum zu schaffen, lässt sich gut mit Holz-Modulbau umsetzen. Berliner Architekten haben die Tiny-Häuser für die beiden Geschäftspartner entworfen. Gefertigt wurden die Cabins in Salzburg. Da stellt sich im Architektur- und Holzbauland Vorarl­berg schon die Frage: warum kein hiesiges Unternehmen? „Wir wollten ja hier produzieren lassen. Das Problem war wohl unser junges Alter. Chris und ich wurden häufig nicht ernst genommen. Man zweifelte an der Finanzierung“, erzählt Suske.

Die Nebensaison ist günstiger. Die Nacht kostet zwischen 40 und 70 Euro pro Person. Für vier Personen ist Platz. 35 Quadratmeter.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Die Nebensaison ist günstiger. Die Nacht kostet zwischen 40 und 70 Euro pro Person. Für vier Personen ist Platz. 35 Quadratmeter. Klaus Hartinger

Auf der Wiese stehen nun zehn Häuser, immer im Zweierpack. So mussten die Anschlüsse (Frischwasser, Abwasser, Strom) nur fünf Mal verlegt werden. Das sparte Kosten. Obwohl das offensichtlich nicht gerade an erster Stelle stand. Bau und Ausstattung sind hochwertig. Das Geschirr: Steingut aus einer Manufaktur in Portugal. Der Boden: Eichen-Echtholz-Parkett. Die Wände: unbehandelte Fichte. Jedes Haus hat Fußbodenheizung, sogar im Bad. Die Möbel wurden teilweise von einem befreundeten Schreiner produziert. Im Laufe des Projekts sind Eichhorn und Suske zu regelrechten Experten in Sachen Innenausstattung mutiert. „Design und Architektur waren uns sehr wichtig. Die Häuser müssen ‚insta­gramable‘ sein, also vorzeigbar. Das gehört zum Konzept“, formuliert es Suske.

Check-in oder -out ist immer Donnerstag und Sonntag – das spart Ressourcen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Check-in oder -out ist immer Donnerstag und Sonntag – das spart Ressourcen. Klaus Hartinger

Nicht versiegelt

Der Boden wurde tatsächlich nicht versiegelt. Jede Cabin steht auf vier Punktfundamenten und zwei T-Trägern. Darunter liegt loser Schotter, das Wasser kann versickern.

Eröffnet wurde am 1. August dieses Jahres. Ursprünglich war geplant im Oktober 2019 die Pforten zu öffnen. Doch die Produktion zog sich in die Länge. „Und auch die Vernunft sagte uns, dass es vielleicht besser ist in einer vermeintlich schwächeren Sommersaison zu öffnen, anstatt kurz vor der Wintersaison.“

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Projekt-Skeptiker

Und ja, es gab Skeptiker. Kleine Häuser, schwarze Fassade. Passt das in die Region? Die beiden Hessen betrachteten es als Herausforderung. „Wir wollten alles möglichst perfekt machen“, betont Suske. Schon während der vergangenen Wintersaison deponierten sie ein Show-House an der Talstation. Sie selbst haben in Berlin in einem solchen zur Probe gewohnt. Und auch jetzt ist das Projekt nicht abgeschlossen. Derzeit liegen Feedback-Bögen in den Häuschen aus, um zu erfahren, was fehlt, oder was noch besser geht.
Optisch getrennt werden Minimalhaussiedlung und Pension durch ein langes Carport. Dort können Gäste parken. Auch ein Skiraum ist dort untergebracht. Es gibt aber auch die Möglichkeit an der Talstation der Valisera-Bahn ein Depot zu mieten. Grundsätzlich ist die Idee vorhandene Infrastruktur zu nutzen. So wird etwa die Wäsche in einem ansässigen Hotel erledigt. Check-in beziehungsweise -out ist donnerstags und sonntags.

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Klaus Hartinger

Zielgruppe

Cabinski-Zielgruppe sind naturverbundene Sportler. Auch für Familien ist das Konzept interessant. Ferienhäuser sind derzeit gefragt, die Cabins sind die nächsten drei Wochen ausgebucht. Auch Vorarl­berger zählen zu den Gästen. „Das ist ein super Gefühl“, sagt Suske.
Ziel ist es, sich von den klassischen Saisonzeiten zu lösen und einen 365-Tage-Betrieb zu schaffen. Dafür von Vorteil ist sicher, dass das Konzept theoretisch personallos funktioniert. Check-in und -out gehen kontaktlos über die Bühne. Auch wenn geplant ist, dass stets eine Person vor Ort ist. Der Gast kann also Kontakt haben, muss er aber nicht.

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Klaus Hartinger

Neue Standorte in Planung

Stellt sich nur noch die Frage, was passiert, wenn die Cabins tatsächlich nach 25 Jahren der grünen Wiese weichen müssen. „Wir gehen davon as, dass bis dahin ein Gebraucht-Markt gibt. Man könnte die Häuser also verkaufen“, schwebt Suske vor. Abgesehen davon arbeiten er und Eichhorn an drei neuen Standorten in der D.A.CH.-Region, quasi an der Anschlussverwendung. Hört sich nach einem Plan an.