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Arbeitszimmer, Strom, Unfallversicherung

13.09.2020 • 08:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Weit verbreitet: Telefonkonferenz im heimischen Wohnzimmer.<span class="copyright">apa/Symbolbild</span>
Weit verbreitet: Telefonkonferenz im heimischen Wohnzimmer.apa/Symbolbild

Viele Fragen in Bezug auf das Homeoffice sind noch ungeklärt.

Durch die Covid-19-Pandemie haben viele Arbeitnehmer den Arbeitsplatz vom Büro in die privaten Wohnräumlichkeiten verlagert – zumindest zeitweilig. Die Arbeit am heimischen PC ist derzeit noch immer für viele Normalität, die Teilnahme an Telefon- oder Videokonferenzen in den eigenen vier Wänden üblich. Doch in Sachen Homeoffice ist vieles ungeregelt. Wie werden Unfälle versicherungstechnisch beurteilt, und lassen sich Aufwendungen die durch das Homeoffice entstehen, steuerlich absetzen? Steuerrecht-Expertin Eva-Maria Düringer und Arbeitsrecht-Experte Christian Maier (beide von der Arbeiterkammer) geben einen Überblick.

1. Gibt es während Corona einen Anspruch des Arbeitnehmers auf Homeoffice? Oder umgekehrt, darf der Chef den Gang ins Büro verbieten?
Christian Maier:
Nein und nein, auch nicht während der Pandemie. Es gibt keinen Anspruch, das vorübergehende Arbeiten im Homeoffice ist Vereinbarungssache. Auch eine Erklärung im Arbeitsvertrag, wie etwa die Bereiterklärung auch an anderen Betriebsstätten zu arbeiten wird nicht ausreichen, um ein dauerhaftes Arbeiten zuhause zu rechtfertigen.

2. Was ändert sich versicherungstechnisch im Homeoffice? Was wenn daheim ein Unfall passiert?
Maier:
Für das corona-bedingte Homeoffice gelten Sonderregelungen. Unfälle, die zu Hause passieren, gelten als Arbeitsunfälle – zumindest wenn sich diese während der Arbeitszeit ereignen. Die üblichen Arbeitszeiten dürften jedoch in manchen Fällen abweichen. Etwa, wenn auch noch Kinder zu betreuen sind und Eltern die Arbeit auf den Abend verschieben. Man wird wohl letztendlich nachweisen müssen, dass der Unfall während der tatsächlichen Arbeitszeit geschehen ist. Anders ist es übrigens beim nicht-corona-bedingten Homeoffice. Da zählt ein Unfall nur als Arbeitsunfall, sofern dieser am direkten Arbeitsplatz – meist am Schreibtisch – passiert. Der Weg zur Kaffeemaschine in der Küche wäre bei letztgenannter Variante also nicht abgedeckt und gilt als Unfall in privater Zeit.

3. Wie ist es mit dem Gang zum Supermarkt in der Pause?
Maier:
Das kommt wohl auf den Einkauf an. Private Besorgungen für die kommende Woche sind wohl versicherungstechnisch nicht von Arbeitgeberseite abgedeckt. Wer jedoch zum Mittagessen geht und sich dabei verletzt, dürfte wohl einen Arbeitsunfall erleiden.

4. Welche durch das Homeoffice entstandenen Kosten können von der Steuer abgesetzt werden?
Eva-Maria Düringer:
Wird der Arbeitsplatz vom Büro in die privaten Wohnräumlichkeiten verlagert – auch zeitweilig –, entstehen höhere Aufwendungen oder Ausgaben. Die Betriebskosten für die Wohnräume steigen, Arbeitsmittel werden angeschafft. Es muss aber unterschieden werden, welche Aufwendungen und Ausgaben im Zusammenhang mit Homeoffice in der Arbeitnehmerveranlagung berücksichtigt werden dürfen und welche nicht. Es muss sich um Werbungskosten im Sinne des § 16 EStG 1988 handeln.

5. Ist ein Arbeitszimmer absetzbar?
Düringer:
Diese Kosten sind nur dann steuerlich abzugsfähig, wenn der Homeoffice-Arbeitsplatz tatsächlich als Arbeitszimmer qualifiziert wird. Dafür müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss das Zimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellen und mindestens zu 90 Prozent beruflich genutzt werden. Das Zimmer muss für die Ausübung der Berufstätigkeit unbedingt notwendig sein. Außerdem muss es eine deutliche räumliche Trennung zwischen Arbeits- und Wohnbereich geben. Und schließlich muss die ­Ausstattung die ausgeübte Tätigkeit widerspiegeln. In der Regel wird ein durch Covid-19 bedingter Homeoffice-Arbeitsplatz diese Kriterien jedoch nicht erfüllen.

6. Wie ist es mit Einrichtungsgegenständen wie Schreibtisch, Stuhl oder Regal?
Düringer:
Liegt kein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer vor, sind Kosten für Einrichtungsgegenstände wie Teppich oder Regale nicht abzugsfähig. Ausschließlich beruflich genutzte Gegenstände wie ein ­Schreibtisch oder ein Stuhl für das Homeoffice können dann steuerlich abgesetzt werden, wenn diese extra für die Tätigkeit im Homeoffice angeschafft wurden. Beträgt der Kaufpreis weniger als 800 Euro, kann der gesamte Anschaffungswert geltend gemacht werden. Ansonsten ist der Kaufpreis anteilig auf die Nutzungsdauer zu verteilen.

7. Was ist mit Arbeitsmitteln wie Notebook, aber auch Druckerpatronen oder Papier?
Düringer:
Die Ausgaben für Arbeitsmittel können abgesetzt werden. Das sind Dinge, die für die Ausübung der Tätigkeit im Homeoffice notwendig sind: Computer, Drucker, Scanner, Aktenvernichter oder Büromaterial. Anschaffungskosten von mehr als 800 Euro sind wieder auf die Nutzungsdauer des Arbeitsmittels zu verteilen. Für Dinge, die nicht ausschließlich beruflich genutzt werden, wird ein Privatanteil abgezogen. Für einen Computer etwa wird ein Privatanteil von zumindest 40 Prozent angenommen. Stellt jedoch der Arbeitgeber die Mittel zur Verfügung, kann der Arbeitnehmer die Ausgaben dafür nicht steuerlich geltend machen.

8. Wie verhält es sich mit Strom, Wasser oder Internet?
Düringer
: Monatliche Nutzungsentgelte für Telefon oder Internet können im Homeoffice ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden, und zwar ebenfalls im Ausmaß der beruflichen Nutzung. Auch hier wird von der Finanzverwaltung ohne Nachweis seitens des Arbeitnehmers von einem Privatanteil von zumindest 40 Prozent ausgegangen.

9. Was passiert mit dem Verkehrsabsatzbetrag oder der Pendlerpauschale, wenn im zeitweiligen Homeoffice gearbeitet wird?
Düringer:
Fahrten zwischen dem Wohnsitz und dem Arbeitsplatz werden beim corona-bedingten Homeoffice reduziert. Steuerlich werden diese Ausgaben durch den Verkehrsabsatzbetrag und das Pendlerpauschale in der Arbeitnehmerveranlagung berücksichtigt. Nach derzeitigem Stand bleiben diese in voller Höhe bestehen.

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