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Bekannter rettete Rentner das Leben

15.09.2020 • 19:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/NEUE

Urteil im Prozess um Mordversuch am Donnerstag.

Mit seinem beherzten Eingreifen hat ein Bekannter einem 82-Jährigen am 29. September 2019 wohl das Leben gerettet. Der misstrauisch gewordene 52-jährige Landwirt hat den 82-jährigen Riefensberger in dessen Haus besucht und veranlasst, dass sofort ein Arzt verständigt wird.

Die Rettung brachte den Pensionisten ins Dornbirner Stadtspital. Dort wurden bei ihm akute Vergiftungserscheinungen nach einer Tabletten-Überdosis festgestellt.

Versuchter Mord

Wäre der Patient in jener Nacht nicht behandelt worden, wäre er nach Angaben des behandelnden Spitalsarztes gestorben, sagte Staatsanwältin Sarah Haugeneder am Dienstag beim Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch. Die öffentliche Anklägerin wirft der 51-jährigen Mieterin des pensionierten Landwirts versuchten Mord vor.

Demnach soll die vorbestrafte Niederländerin ihren Vermieter mit einer Überdosis an Schmerz- und Beruhigungs­tabletten zu töten versucht haben. Die Frühpensionistin soll dem alleinstehenden Mann die Tabletten ohne dessen Wissen ins Essen gemischt haben. Mit dem versuchten Mord wollte die Mieterin nach Darstellung der Staatsanwaltschaft schneller an das vermeintliche Erbe kommen. Der 82-Jährige hatte die Holländerin und deren Sohn in seinem Testament zu Allein­erben gemacht.

Nicht schuldig

Die Angeklagte sagte vor Gericht, sie sei nicht schuldig. Verteidiger Manuel Dietrich beantragte einen Freispruch für seine Mandantin. Der Rechtsanwalt meint, der 82-Jährige habe (versehentlich) zu viele Tabletten geschluckt. Oder eine noch unbekannte dritte Person habe ihn vergiften wollen.

Jedenfalls gebe es keine Beweis für die Schuld der Angeklagten, die sich seit Oktober 2019 in Untersuchungshaft befindet. Aber die vorliegenden Indizien reichen aus Sicht der Staatsanwältin für einen Schuldspruch aus. So habe die Beschuldigte im Internet nach Informationen über einen tödlichen, aber nicht nachweisbaren Tablettencocktail gesucht. Verdächtig habe sie sich auch dadurch gemacht, dass sie tagelang keinen Arzt zu Hilfe geholt habe. Zudem habe sie ihrem Freund nach Südafrika geschrieben, sie werde bald erben und dann zusammen mit ihm im Wohlstand leben.

Zweiter Prozesstag

Am zweiten Prozesstag werden am Mittwoch weitere Zeugen befragt und Sachverständige gehört werden. Am Donnerstag soll das Urteil verkündet werden. Der 82-jährige Mann ist längst wieder wohlauf. In seinem neuen Testament hat er die Angeklagte nicht mehr bedacht.