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Akute Lebensgefahr: Tablettenüberdosis

16.09.2020 • 20:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild / Klaus Hartinger</span>
Symbolbild / Klaus Hartinger

Am Donnerstag Urteil im Prozess.

Bei der Einlieferung ins Dornbirner Stadtspital am 29. September 2019 hat sich der 82-jährige Patient in akuter Lebensgefahr befunden. Das sagte am Mittwoch beim Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch die Innsbrucker Gerichtsmedizinerin Marion Pavlic. Denn bei dem Pensionisten sei eine Vergiftung mit Schlaftabletten und Beruhigungsmitteln festgestellt worden. Weil er nahezu bewusstlos gewesen sei, habe er Erbrochenes verschluckt. Was zu einer Lungenentzündung geführt habe.

Testament

Nach Ansicht von Staatsanwältin Sarah Maria Haugeneder hat die angeklagte Mieterin dem betagten Riefensberger die Medikamente ins Essen gemischt, um ihn zu ermorden. So habe die 51-jährige Niederländerin den alleinstehenden Mann schneller beerben wollen. Der 82-Jährige hatte im April 2019 die Frühpensionistin und deren Sohn in seinem Testament zu Alleinerben seines beträchtlichen Vermögens gemacht.

Am dritten Verhandlungstag werden die acht Geschworenen am Donnerstag darüber entscheiden, ob die vorbestrafte Angeklagte den ihr zur Last gelegten versuchten Mord tatsächlich begangen hat. Für den Fall eines Schuldspruch beträgt der Strafrahmen 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft. Es gebe keinen Beweis dafür, dass seine Mandantin dem pensionierten Landwirt die Medikamente verabreicht habe, sagte Verteidiger Manuel Dietrich. Die Angeklagte bestreitet den Tatvorwurf und sagt, sie habe sich selbst mit einer Tablettenüberdosis umbringen wollen. Deshalb habe sie im Internet nach Informationen über einen nicht nachweisbaren tödlichen Medikamentencocktail gesucht.

Depression

Die Angeklagte sei nach ihrem schweren Arbeitsunfall von 2014 depressiv geworden, sagte am Mittwoch Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Sie habe sich an die von ihr eingenommenen Beruhigungsmittel derart gewöhnt, dass sie auch die natürliche Angst vor der Begehung von Straftaten verloren habe. Was aber nicht bedeute, dass sie den ihr vorgeworfenen Mordversuch begangen habe.

Das mutmaßliche Opfer muss nicht noch einmal vor Gericht aussagen. Am Donnerstag werden die Geschworenen zuerst das Video mit den Angaben des mittlerweile 83-jährigen Mannes von seiner kontradiktorischen gerichtlichen Einvernahme sehen.

Der Pensionist befand sich zwei Wochen lang im Dornbirner Krankenhaus. Er sei inzwischen „wieder gut beieinander“, sagte am Mittwoch seine 80-jährige Schwester vor Gericht als Zeugin.