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SPÖ-Chef Staudinger gewinnt in Hard

27.09.2020 • 17:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Martin Staudinger sieht das Bürgermeisteramt in Hard als Full-time-Job.<span class="copyright"> Alexandra Serra </span>
Martin Staudinger sieht das Bürgermeisteramt in Hard als Full-time-Job. Alexandra Serra

Staudinger wird neuer Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde.

Der SPÖ-Landesparteichef erhielt am Sonntag in der Bürgermeister-Stichwahl größeren Zuspruch als Amtsinhaberin Eva Maria Mair (ÖVP). Mit 3.777 Stimmen (67,06 Prozent Stimmenanteil) lag Staudinger um 1.922 Stimmen sehr deutlich vor Mair.

Dem 41-Jährigen gelang es, seinen Vorsprung aus dem ersten Wahlgang am 13. September in einen klaren Wahlsieg auszubauen. Staudinger hatte vor zwei Wochen 1.993 Stimmen (35,40 Prozent) erhalten, Mair 1.846 Stimmen (32,79 Prozent). Die Wahlbeteiligung nahm in der Stichwahl gegenüber dem ersten Wahlgang auf 56,07 Prozent leicht ab. Am 13. September waren es 56,97 Prozent.

Bundes-SPÖ hoch erfreut

SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner: “Hard bekommt mit Martin Staudinger – dem mit 67 Prozent der Stimmen ein Erdrutschsieg gelungen ist – einen sozialdemokratischen Bürgermeister, der auf das Miteinander setzt und Politik für die Menschen macht.” 

Martin Staudinger(SPÖ) und Eva Maria Mair (ÖVP).<span class="copyright">alexandra serra </span>
Martin Staudinger(SPÖ) und Eva Maria Mair (ÖVP).alexandra serra

Lieber Bürgermeister als SPÖ-Chef

Staudinger sieht das Bürgermeisteramt in Hard (13.633 Einwohner) als Full-time-Job, der eine Weiterführung des Parteivorsitzes nicht zulasse. Ob er als Abgeordneter im Landtag bleibe stehe ebenso wenig fest wie bei seinem Kollegen Ritsch, der neuer Bürgermeister von Bregenz wird. “Wir werden die nächsten Wochen und Monate nützen, um die Weichen zu stellen”, sagte Staudinger.

Zu seinem persönlichen Erfolg in seiner Heimatgemeinde Hard stellte Staudinger fest, dass er vom Ergebnis überwältigt sei. “Wir freuen uns riesig!” Er bedankte sich für das Vertrauen der Harder und hoffte, “das Richtige bewegen” zu können. Staudinger sah sich in seinem vor zwei Jahren eingeschlagenen Weg des “Miteinander” bestärkt. Nun werde man in den nächsten Monaten seine Nachfolge regeln.

Politische Erfolge

Der im Vorarlberger Politik-Geschehen eher unbekannte Staudinger war im Juni 2018 als SPÖ-Landesparteivorsitzender auserkoren worden. Unter dem Titel “Ich will’s wissen!” wurde der 41-Jährige drei Monate später mit 99,3 Prozent der Stimmen zum neuen Landesparteichef gewählt. Er übernahm die Partei in schwierigen Zeiten von Gabriele Sprickler-Falschlunger, die im Herbst 2016 übergangsweise den angeschlagenen Michael Ritsch abgelöst hatte.

Mit Staudinger an der Spitze vollzog sich in der Vorarlberger SPÖ ein Stilwechsel. Während Ritsch – langjähriger Parteichef und Klubobmann – keine noch so scharfe verbale Auseinandersetzung scheute und manches Mal geradezu suchte, wollte Staudinger einen “Kurs des Miteinander” einschlagen. Bei der Landtagswahl 2019 ließen sich damit zwar Zugewinne erzielen, doch blieben sie bescheiden und das Ziel Regierungsbeteiligung in weiter Ferne. Aus 8,8 Prozent wurden 9,5 Prozent, aus drei Mandaten vier. Das war nicht das, was sich die Genossen vorgestellt hatten.

Dass die Sozialdemokraten nun einen neuen Chef brauchen, ist für die Partei schmerzhaft, erfüllt doch Staudinger das Anforderungsprofil mustergültig. Schon als Student der Politikwissenschaft (Doktor) und der Volkswirtschaftslehre (Magister) in Wien wandte sich Staudinger der SPÖ zu, weil er immer schon habe mitgestalten wollen. Später war er Bezirksgeschäftsführer der SPÖ Wien-Innere Stadt und Mitarbeiter im Kabinett von Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Als dieser bei der Bundespräsidentenwahl antrat, nahm Staudinger im Oktober 2015 das Angebot an, als Leiter der Landesstelle Vorarlberg des Sozialministeriumservice ins Land zurückzukehren. Zum linken Flügel der SPÖ muss man Staudinger, der manch Weggefährten als “Schlitzohr” gilt, nicht unbedingt zählen. Er fühlte sich etwa auch im ÖVP-lastigen “Forum Alpbach” meist in Tracht gewandet pudelwohl.

Engagierter Wahlkampf

Staudinger seinerseits punktete durch einen langen, überaus engagierten Wahlkampf. In der Namensbezeichnung seiner sozialdemokratischen Liste suchte man die Abkürzung SPÖ vergeblich. Er trat als Spitzenkandidat der Liste “Martin Staudinger – Mitanand für Hard” an. Einen Erfolg trauten Staudinger dabei die wenigsten zu, nicht einmal den Einzug in die Stichwahl. Doch ließ er Bürgermeisterin Eva Maria Mair (ÖVP) in beiden Wahlgängen hinter sich zurück.

 Der Politiker trat mit der Liste "Martin Staudinger - Mitanand für Hard" an.<span class="copyright">Alexandra Serra </span><span class="copyright"></span>
Der Politiker trat mit der Liste "Martin Staudinger - Mitanand für Hard" an.Alexandra Serra

Mair beendet politische Karriere

Für Mair stand am Sonntag nicht nur das Ende ihrer Zeit als Bürgermeisterin fest, sondern überhaupt das Ende ihrer politischen Karriere. Die 63-Jährige hatte angekündigt, sich im Falle einer Niederlage bei der Stichwahl aus der Politik zurückzuziehen. Sie war von der Gemeindevertretung nach dem überraschenden Rücktritt von Ortschef Harald Köhlmeier (ÖVP) erst im vergangenen Dezember zur Bürgermeisterin bestellt worden. Köhlmeier, der wie sein Vater auch Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbands war, wollte mit seinem Rückzug einen Neuanfang in Hard ermöglichen. Zwischen ihm, der mit absoluter Mehrheit regierte, und den Oppositionsparteien war es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen.

Die 63-jährige Eva Maria Mair (ÖVP) zieht sich aus der Politik zurück. <span class="copyright"> Alexandra Serra </span>
Die 63-jährige Eva Maria Mair (ÖVP) zieht sich aus der Politik zurück. Alexandra Serra

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