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Blaues Urgestein verlässt Landtag

30.09.2020 • 19:44 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bürgermeistersessel verteidigt: Bei der jüngsten Bürgermeisterdirektwahl konnte Dieter Egger 63,45 Prozent der Stimmen für sich verbuchen und blieb im Amt. <span class="copyright">Frederick Sams</span>
Bürgermeistersessel verteidigt: Bei der jüngsten Bürgermeisterdirektwahl konnte Dieter Egger 63,45 Prozent der Stimmen für sich verbuchen und blieb im Amt. Frederick Sams

Dieter Egger (51) zieht sich aus Landespolitik zurück.

Nach über 20 Jahren im Vorarlberger Landtag nimmt Dieter Egger (FPÖ) den Hut und legt sein Landtagsmandat nieder. Darüber informierte am gestrigen Mittwoch nebst Egger auch FPÖ-Landesparteiobmann Christof Bitschi in einer Aussendung. Demnach möchte sich Egger künftig ganz auf die Arbeit als Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Hohenems konzentrieren. Als Mandatarin nachfolgen werde dem blauen Urgestein die Lustenauer Gemeindevertreterin Nicole Hosp (38). Die nächste Landtagssitzung findet am kommenden Mittwoch statt.

Die Entscheidung, das Landtagsmandat zurückzulegen und sich künftig ganz auf das Amt des Bürgermeisters zu konzentrieren, sei in den vergangenen Monaten immer mehr gereift, so Egger im Gespräch mit der NEUE: „Ich habe gemerkt, dass die Situation in Hohenems mich sehr fordert und dass ich mit dem Kopf nicht mehr so bei der Landespolitik bin. Meine Haltung ist: Entweder man macht etwas zu 100 Prozent, oder man lässt es. Und die Entscheidung war dann für mich klar. Denn mein Herz schlägt für Hohenems.“

2015 schlug Dieter Egger Richard Amann (r.) in der Bürgermeister-Stichwahl.<span class="copyright"> Dietmar Stiplovsek</span>
2015 schlug Dieter Egger Richard Amann (r.) in der Bürgermeister-Stichwahl. Dietmar Stiplovsek

Zwei Jahrzehnte

Der ehemalige FPÖ-Landeschef blicke mit Dankbarkeit und Demut auf „21 spannende Jahre in der Landespolitik“ zurück, so Egger in der Aussendung: „Ich durfte viel lernen und konnte auch in den verschiedenen Funktionen im Landtag und in der Landesregierung einiges bewegen. Dafür bin ich sehr dankbar. In den vergangenen Jahren habe ich mich vor allem bemüht, eine starke Stimme der Städte und Gemeinden im Landtag zu sein.“
Nach seiner Zeit als Regierungsmitglied – die Landes-ÖVP hatte 2009 nach Eggers „Juden-Sager“ eine weitere Zusammenarbeit mit der FPÖ ausgeschlossen – fungierte Egger wieder als Klubobmann der FPÖ-Landtagsfraktion. 2015 eroberte er von der ÖVP in einer Stichwahl-Wiederholung den Bürgermeistersessel in Hohenems. Daraufhin legte er wie zuvor versprochen Partei- und Klubvorsitz zurück.

„Meine Haltung ist: Entweder man macht etwas mit 100 Prozent, oder man lässt es.“

Dieter Egger,
Bürgermeister von Hohenems

Verständnis für den Schritt des langjährigen Mandatars zeigte gestern FPÖ-Landesobmann Christof Bitsch. „Jeder von uns kennt das Arbeitspensum eines engagierten Bürgermeisters, und es ist für mich nachvollziehbar, dass Dieter Egger sich zukünftig voll und ganz auf seine Heimatstadt konzentrieren will. Mit seinem heutigen Schritt wird er den 2015 begonnenen Weg zur positiven Entwicklung seiner Heimatstadt Hohenems noch intensiver fortsetzen“, so Bitschi. Er bezeichnet Egger in der Aussendung als „eine maßgebliche Säule freiheitlicher Politik“.

Nicole Hosp wird neben Frauen und Jugend auch für den Tierschutz zuständig sein. <span class="copyright">NEUE</span>
Nicole Hosp wird neben Frauen und Jugend auch für den Tierschutz zuständig sein. NEUE

Kommenden Mittwoch wird Nicole Hosp als Nachfolgerin von Dieter Egger im Vorarlberger Landtag angelobt. Für sie sei der Rücktritt des langjährigen FPÖ-Chefs zwar überraschend gewesen, sie freue sich aber auf die Rückkehr in den Vorarlberger Landtag, so Hosp in einer ersten Stellungnahme gegenüber der NEUE. Bekanntlich gehörte die Lustenauer Gemeindevertreterin von 2014 bis 2019 bereits einmal dem Vorarlberger Landtag an. „Dass ich diese Chance noch einmal bekomme, freut mich natürlich wahnsinnig“, so Hosp. Sie werde künftig für die Bereiche Frauen, Jugend und Tierschutz zuständig sein.

Rückkehr

Dass sie künftig statt Dieter Egger auf dem Landtagsstuhl Platz nehmen werde, habe sie erst diese Woche erfahren. Nach einer kurzen Beratung mit der Familie und ihrem Partner sei für sie jedoch rasch klar gewesen, dass sie die Chance nutzen wollte: „Ich denke, wenn man solche Chancen bekommt, muss man sie ergreifen.“
Die Ungleichheit bei den Gehältern von Frauen und Männern oder Pensionen sei für sie ein ganz großes Themengebiet, an welchem man unbedingt dranbleiben müsse, so die designierte Landtagsabgeordnete. „Aber auch das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Dauerbrenner“, so die künftige Frauensprecherin der FPÖ. Sie wies in diesem Zusammenhang auch auf den heutigen Weltbrustkrebstag hin und darauf, wie wichtig es sei, dass Frauen die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen: „Brustkrebs kann heilbar sein, wenn man ihn rechtzeitig erkennt.“

Zur person

Die 38-jährige Nicole Hosp ist seit 2005 in der Lustenauer Gemeindevertretung aktiv. Ihre Schwerpunkte liegen dabei im Jugend-, Sozial- und Bildungsbereich.

Hosp war bereits von 2014 bis 2019 Abgeordnete des Vorarlberger Landtags und rückt nun für Dieter Egger in den Landtag nach.

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