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Sonderlösung für das Kleinwalsertal

02.10.2020 • 20:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Indra Baier-Müller (Landrägin Oberallgäu), Andi Haid (BM Mittelberg, Staatssekretär Magnus Brunner, LR Christian Gantner, Sonja Ledl-Rossmann (Landtagspräsidentin Tirol und Klaus King (BM Obersdorf).<span class="copyright">Alexandra Serra/VLK</span>
Indra Baier-Müller (Landrägin Oberallgäu), Andi Haid (BM Mittelberg, Staatssekretär Magnus Brunner, LR Christian Gantner, Sonja Ledl-Rossmann (Landtagspräsidentin Tirol und Klaus King (BM Obersdorf).Alexandra Serra/VLK

Deutschland hat Einstufung als Risikogebiet aufgehoben.

Deutschland hat die Reisewarnung für das Kleinwalsertal aufgehoben und die Region von der Liste der Corona-Risikogebiete genommen. Die Bemühungen vonseiten des Landes und dem Mittelberger Bürgermeister Andi Haid haben Früchte gezeigt, heißt es in einem Schreiben von Freitag­abend. Nichtsdestotrotz arbeiten die Politiker der Region weiter daran, auch für die Zukunft eine praktikable Lösung in der Grenzthematik zu finden.

Schwierige Situation

Die Situation in den letzten Tagen war schwierig für die Menschen vor Ort. Die letzte neue Corona-Infektion wurde vor gut zwei Wochen im Kleinwalsertal gemeldet. Dennoch wurde die Enklave aus deutscher Sicht zum Risikogebiet erklärt. Eine Situation, die heuer zum zweiten Mal nicht nur aus touristischer und damit wirtschaftlicher Sicht bedenklich ist. Denn man gelangt ausschließlich über Bayern ins Kleinwalsertal. Die gut 5000 Ansässigen sind aber auf einen uneingeschränkten Grenzverkehr ohne Quarantäne-Maßnahmen angewiesen.

“Plattform Kleinwalsertal”

In Hirschegg wurde daher am Freitagnachmittag ein Treffen aller involvierten regionalen Politiker anberaumt und offiziell der grenzübergreifende Arbeitskreis „Plattform Kleinwalsertal“ gegründet. Initiatoren sind die Gemeinde Mittelberg/Kleinwalsertal, das Land Vorarlberg, die Marktgemeinde Oberstdorf und der Landkreis Oberallgäu. Das erklärte Ziel: Ein unbürokratischer Austausch aller Akteure in derartigen Krisensituationen und nicht zuletzt die Gewährleistung eines ungehinderten Grenzverkehrs zwischen Allgäu und Kleinwalsertal.

Sonderlösung bestätigt

Der anwesende Staatssekretär für Mobilität, Magnus Brunner, verbreitete bereits beim Treffen am Nachmittag Hoffnung auf eine baldige Ausnahmeregelung. „Die Signale sind in den letzten Stunden dorthin gegangen“, verkündete er. Die Entscheidung für eine Sonderlösung kam dann letztlich aus Berlin.

Schirmherr Brunner

Brunner hatte schon beim ersten Besuch im Mai dieses Jahres die Anliegen des Kleinwalsertals aufgegriffen und war seitdem im Austausch mit den Partnern in der Region. „Die besondere Situation der Bevölkerung, aber auch der Wirtschafts­treibenden, macht eine enge Kooperation mit den deutschen Partnern unabdingbar“, sagte der Schirmherr der neu gegründeten Plattform.

Andere Situation

Die Situation aufgrund der Reisewarnung war eine andere als im Frühjahr. Damals ging die Wiedereinführung der Grenzkontrollen auch von der Republik Österreich aus. Man fand daraufhin eine entsprechende Sonderlösung für das Kleinwalsertal. Diese konnte diesmal nicht zur Anwendung kommen, da es sich um eine Einstufung von deutscher Seite handelt. „Umso wichtiger ist es, auch für künftige Szenarien, die wir jetzt noch gar nicht kennen, eine Lösung zu finden, verdeutlichte Landesrat Christian Gant­ner einmal mehr. „Wir stehen in permanentem Austausch mit Wien und Bayern, um uns aufgrund der besonderen Situation für das Kleinwalsertal einzusetzen“, meinte er.

Große Erleichterung

Von einer der Situation entsprechenden Stimmung im Tal sprach Andi Haid, Bürgermeister von Mittelberg. „Wir haben nur den Tourismus und kein zweites Standbein“, warnte Haid vor einem wirtschaftlichen Totalschaden. Die Aufhebung der Einstufung als Risikogebiet dürfte nun eine große Erleichterung sein.

Alle an der Plattform Beteilig­ten waren sich einig, dass weit mehr Indikatoren berücksichtigt werden müssten, um eine Reisewarnung auszusprechen. Es brauche dringend eine europäische Lösung. „Solch strikte Regelungen in Grenzgebieten auszusprechen, muss in Zukunft hinten anstehen“, meinte Gantner. Mit der Schweiz und Liechtenstein habe man schließlich auch entsprechende Lösungen gefunden.

Jungholz

Nicht nur das Kleinwalsertal, sondern auch die Tiroler Enklave Jungholz war von den Auswirkungen der deutschen Reisewarnung betroffen. Die Tiroler Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann fühlte sich an das Frühjahr erinnert. „Wir sind auf Naturkatastrophen vorbereitet, aber nicht auf so etwas“, sagte sie. Auch die Anliegen von Jungholz werden von der neuen „Plattform Kleinwalsertal“ miteinbezogen.

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