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Herbstzeit ist Winterreifenzeit

24.10.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Welche Reifen die optimalen sind, weiß der Händler des Vertrauens.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Welche Reifen die optimalen sind, weiß der Händler des Vertrauens.Shutterstock

Jürgen Wagner vom ÖAMTC beantwortet 14 Fragen zum Thema.

1. Warum sind Winterreifen im Herbst und Winter sicherer?
Jürgen Wagner:
Die Gummimischung von Winterreifen ist für niedere Fahrbahntemperaturen (unter 7 Grad) und bessere Haftung bei Nässe ausgelegt. Das spezielle Profil garantiert bessere Haftung bei Schnee und Eis.

2. Wie ändert sich das Fahrverhalten mit Winterreifen?
Wagner:
Das Fahrverhalten ist individuell und hängt von der Profilgestaltung sowie vom Reifenalter ab – es kann genauso rauer wie sanfter werden. Wesentlich sollte sich das Fahrverhalten aber nicht ändern. Auch sollte es nicht gefühlt unsicherer werden. Anderenfalls haben die Reifen einen Defekt oder sind nicht mehr tauglich.

3. Woran erkennt man (gute) Winterreifen?
Wagner:
Winterreifen sind mit M+S, M.S. oder M & S gekennzeichnet und müssen mindestens vier Millimeter Profil aufweisen. Man erkennt Winterreifen auch am Schneeflockensymbol (dreigezacktes Bergpiktogramm mit Schneeflocke in der Mitte). Das gilt auch für sogenannte Ganzjahresreifen, Allwetterreifen oder Spikereifen.

4. Sagt die Kennzeichnung etwas über die Qualität aus?
Wagner:
Nein. Da die Ansprüche an Winterreifen unterschiedlich sind, ist es sinnvoll sich beispielsweise die ÖAMTC-Reifentests anzusehen und sich vom Reifenhändler des Vertrauens beraten zu lassen. Die teuersten Reifen sind nicht immer die besten und nicht für jeden muss es der Testsieger sein.

5. Auf was kommt es bei der Auswahl des richtigen Reifens an?
Wagner:
Es kommt stets auf die Ansprüche an und vor allem wo gefahren wird: viel im Gebirge oder nur im Tal, tagtäglich oder nur gelegentlich, viele Autobahnkilometer oder eben nicht.

6. Dürfen Reifen unterschiedlicher Marken montiert werden?
Wagner:
Ja. Marken dürften gemischt werden. Das ist aber wegen dem unterschiedlichen Abrollverhalten und Haftungsniveau nicht sinnvoll. Das Bremsverhalten und der Geradeauslauf könnten darunter leiden. Reifen unterschiedlicher Bauart dürfen hingegen nicht verwendet werden. Die Felgen- und Reifendimensionen müssen den Herstellervorgaben entsprechen.

7. Sind Winterreifen besser als Ganzjahresreifen?
Wagner:
Ganzjahresreifen, die als Winterreifen gelten, sind stets ein Kompromiss. Diese verfügen weder über optimale Sommer- noch über ideale Wintereigenschaften.

8. Wann sind Winterreifen abgenutzt?
Wagner:
Es gilt wie erwähnt eine Mindestprofiltiefe von vier Millimeter. Die Leistung des Winterreifens lässt jedoch bereits unter sechs Millimeter stark nach. Die Haftung ist auch vom Reifenalter abhängig. Da die Gummimischung mit steigendem Alter aushärtet, kann man davon ausgehen, dass ab dem fünften Verwendungsjahr Einbußen bei der Haftung und der Laufruhe hinzunehmen sind.

9. Warum sollte man Spikes montieren? Sind diese im angrenzenden Ausland erlaubt?
Wagner:
Spikes sind bei der heutigen Winterreifentechnologie der Lamellenreifen nicht mehr in dem Maße notwendig, wie noch vor 20 Jahren. In Extremsituationen können sie aber immer noch die bessere Lösung sein. Die Verwendung von Spikes ist vom 1. Oktober bis 31. Mai erlaubt. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen liegen bei 80 Stundenkilometern auf Landstraßen und 100 Stundenkilometern auf der Autobahn.
In Deutschland sind Spikes nicht erlaubt – mit Ausnahme vom kleinen deutschen Eck, von Lofer bis Bad Reichenhall und innerhalb von 15 Kilometern entlang der österreichischen Grenze. In der Schweiz sind Spikereifen von 1. November bis 30. April erlaubt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt dort generell bei 80 Stundenkilometern. Auf Schweizer Autobahnen und Schnellstraßen sind Spikes grundsätzlich verboten – ausgenommen San-Bernadino- und Gotthard-Strecke.

10. Welche Geldstrafen drohen den Lenkern bei Verstößen gegen die Winterreifenpflicht?
Wagner:
Wer in Österreich bei winterlichen Fahrbahnbedingungen ohne Winterreifen fährt, riskiert eine Strafe von 60 Euro. Werden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, drohen sogar bis zu 5000 Euro Strafe.

11. Riskiert man gleichzeitig den Versicherungsschutz?
Wagner:
Die Haftpflichtversicherung bleibt bei Verschulden oder Teilverschulden in der Regel leistungspflichtig. Bei der Kaskoversicherung sieht es anders aus: Wäre der Schaden mit Winterreifen nicht entstanden, wird die Kasko bei grober Fahrlässigkeit aussteigen.

12. Welche Winterreifen-Regelungen gelten im angrenzenden Ausland?
Wagner:
In Deutschland gilt im Wesentlichen die situative Winterausrüstungspflicht. In der Schweiz besteht keine generelle Pflicht. Bei Verkehrsbehinderung oder Unfall mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen drohen jedoch hohe Strafen.

13. Die Winterreifen montieren lassen oder sogar selbst montieren? Worauf ist zu achten?
Wagner:
Bei der Selbstmontage muss man wissen, was man tut – vom Fahrzeuganheben über die fachgerechte Beurteilung der Reifen bis hin zur richtigen Montage. Auswuchten wird privat wohl kaum möglich sein. Werkstätten und Reifenhändler bieten neben dem Räderwechsel oft auch die praktische Einlagerung der Sommer- oder Winterräder an.

14. Wie lange müssen Kunden derzeit in etwa auf einen Termin warten?
Wagner:
Termine sind zumindest bei uns telefonisch oder online kurzfristig erhältlich.