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Bangen um Gäste aus dem Ausland

15.11.2020 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Infektionsgeschehen in In- und Ausland lässt derzeit keine Reisen zu. Eine Entspannung der Lage ist jedenfalls nicht in Sicht. <span class="copyright">Symbolbild/apa</span>
Das Infektionsgeschehen in In- und Ausland lässt derzeit keine Reisen zu. Eine Entspannung der Lage ist jedenfalls nicht in Sicht. Symbolbild/apa

Zehn Prozent der Übernachtungsgäste im Winter kommen aus Österreich.

Die Stimmung in der Vorarl­berger Tourismusbranche ist verhalten. Ohne fixen Termin für das Lockdown-Ende ist die Unsicherheit groß. Und selbst falls sich hierzulande wieder eine Entspannung der Lage samt Lockerungen einstellen sollte, ist ungewiss, wie sich die Reisebestimmung für Gäste aus dem Ausland entwickelt. Keine guten Voraussetzungen für eine Branche, die auf Urlauber aus den Nachbarländern angewiesen ist.

Der Hauptmarkt für den Vorarlberger Tourismus ist Deutschland: Etwa 60 Prozent der Übernachtungen entfallen auf deutsche Gäste. Mit jeweils zehn Prozent folgen die Schweiz und Österreich. Zusammengerechnet kommt der deutschsprachige Raum also auf 80 Prozent. „Diese drei Länder sind ebenfalls vom Coronavirus stark betroffen. Das bedeutet natürlich, dass sich die dortige Lage auf die Nachfrage nach einem Winterurlaub in Vorarlberg auswirkt. Es geht also nicht nur um das Infektionsgeschehen hier, sondern ganz wesentlich auch in der Heimat unserer Gäste“, gibt Christian Schützinger, Geschäftsführer Vorarlberg Tourismus, zu bedenken.

Es ist die Planungsunsicherheit, die derzeit bei den Tourismustreibenden vorherrscht. Entscheidungen müssen regelrecht ins Blaue hinein getroffen werden. Sollen sie Mitarbeiter rekrutieren? Und wenn ja, wie viele? Ist es sinnvoll, große Warenmengen einzukaufen? Alles Fragen, die sich derzeit stellen.

Wenig Spielraum

„Jeder Betrieb wird sich sein Verhältnis von Aufwand und Ertrag überlegen müssen. Wenn ein Hotel vielleicht nur die Hälfte der Betten anbietet, den Personalaufwand dadurch reduzieren kann und sich damit auch Ausgaben verringern, könnte sich eine halbwegs verträgliche Bilanz ausgehen. Bergbahnen wird es härter treffen, die haben weniger Spielraum bei den Betriebskosten“, sagt Schützinger. Doch so weit muss es erst einmal kommen.

Entsprechend den aktuellen Covid-Maßnahmen kann kein Skigebiet im November öffnen. Silvretta Montafon und Lech Zürs haben ihre Saisonstarts auf Dezember verschoben. Nach dem jetzigen Stand wird es in den meisten Skigebieten am 4. Dezember losgehen. Ob es dabei bleibt, hängt von der weiteren Ausbreitung des Virus und den Beschränkungen ab. Schützinger schließt nicht aus, dass hier oder dort die Lifte zunächst nur am Wochenende fahren.

Für Abgesang auf Wintersaison noch zu früh

Trotz aller Widrigkeiten rechnet – oder besser hofft – die Branche mit Gästen aus dem Ausland. Die Sommersaison habe gezeigt, dass die Leute nach dem Ende des Lockdowns wieder ziemlich schnell verreisen. Diese Einschätzung würden auch Daten aus der Marktforschung untermauern. Das Interesse am Winterurlaub sei grundsätzlich da, gedämpft durch Zurückhaltung. „Für einen Abgesang auf die Wintersaison ist es aber viel zu früh. Die endet erst Ende April“, betont Schützinger.
Im Gegensatz zu vergangenen Jahren geht es heuer nicht darum, wie viel Schnee liegt. Fragen wie: Sperrt das gebuchte Hotel überhaupt auf? oder: Ist der Weihnachtsurlaub mit der ganzen Familie inklusive Großeltern überhaupt möglich? dominieren das Geschehen.

Den traditionellen Winterurlaub in Lech im Februar hat die Holländischen Königsfamilie noch nicht abgesagt. <span class="copyright">apa/Stiplovsek</span>
Den traditionellen Winterurlaub in Lech im Februar hat die Holländischen Königsfamilie noch nicht abgesagt. apa/Stiplovsek

Besuch der Royals

Neben Deutschland und der Schweiz spielen auch die Niederlande eine wichtige Rolle im Vorarlberger Wintertourismus. Nicht zuletzt wegen des traditionellen Besuchs der Königsfamilie in Lech. Dort macht der Gäste­anteil aus Holland rund sechs Prozent der Gesamtnächtigungen aus. „Ein Ausfall in diesem Markt schmerzt sehr“, sagt Lech/Zürs-Tourismusdirktor Hermann Fercher. Er hofft natürlich, dass sich die Corona.-Situation bis Jänner entspannt und die zweite Winterhälfte noch gut werden könnte. Übrigens hält nach seinem Informationsstand die Königsfamilie vorerst an ihrem Winterurlaub in Lech fest.

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