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Schwarzer Freitag für Einzelhandel

27.11.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Geschäfte sind geschlossen, der Online-Handel boomt.<span class="copyright">Hartinger</span>
Die Geschäfte sind geschlossen, der Online-Handel boomt.Hartinger

Der heutige Black Friday wird sich im Onlinehandel abspielen.

Black Friday. Das mag zwar bedrohlich klingen, löst aber bei jedem Schnäppchenjäger enorme Freude aus. Längst ist der „Feiertag“ aus den USA auch hierzulande so etwas wie der offizielle Startschuss, um Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Hauptsächlich sind die Super-Sonder-Angebote bei Onlineriesen zu finden, und da liegt heuer die Krux bei der Sache.

Während in den vergangenen Jahren auch heimische Einzelhändler auf der Rabatt-Welle mitgeschwommen sind und so Kunden generiert haben, sind heuer die Pforten zu sämtlichen Geschäftslokalen geschlossen. Wer keinen Onlineshop hat oder auf Social Media aktiv und kreativ ist, schaut in die Röhre. Denn das Shopping-Geschehen wird sich 2020 in der digitalen Einkaufswelt abspielen.
Eine aktuelle Studie des Bezahlservice Klarna zeigt: Jeder zweite Österreicher shoppt am Black Friday trotz Handel im Lockdown und gibt dabei im Schnitt 256 Euro aus.

Die Geschäfte sind geschlossen - Angebote werden mitunter über Social Media unterbreitet. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Geschäfte sind geschlossen - Angebote werden mitunter über Social Media unterbreitet. Klaus Hartinger

Internethandel wird befeuert

In welchem Ausmaß der Black Friday heuer dem Vorarlberger Einzelhandel zusätzlich schaden wird, kann auch Michael Hollers­bacher, Fachgruppengeschäftsführer der Sparte Handel bei der Wirtschaftskammer, lediglich vermuten. „Natürlich wird der Black Friday heuer den Internethandel befeuern. Ich bin aber überzeugt, dass auch der regionale Internethandel profitieren wird“, bleibt Hollersbacher positiv gestimmt.

Heimisches Online-Angebot

Es­senziell sei aber, dass Konsumenten überhaupt ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Vorarlberger Händler Onlineshops sowie Lieferdienste mit einem breiten Produkt- und Dienstleistungssortiment anbieten – und zwar nicht nur in Zeiten des Lockdowns. Kunden können zum Beispiel über die Plattform „Regional Einkaufen“ heimische Handelsbetriebe mit einem Onlineangebot finden und kontaktieren. Auch wenn die Liste vergleichsweise überschaubar ist.

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Wenige Webshops

Insgesamt 4700 Einzelhändler sind bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg gelistet. 180 davon sind auf besagter Seite „Regional Einkaufen“ zu finden, sprich: haben einen Webshop. Viele sind das vergleichsweise nicht. Hollersbacher nennt dafür aber einen simplen Grund, welcher oft außer Acht gelassen würde. Für viele rechnet sich eine solche kosten- und auch zeitintensive Investition schlichtweg nicht. „Unter 10.000 Euro muss man da gar nicht anfangen“, gibt der Fachmann einen Einblick. Abgesehen davon muss ein Onlineshop nicht nur betreut sondern auch aktuell gehalten werden, einmal abgesehen vom Marketing. „Das ist als würde man eine zusätzliche Filiale eröffnen“, gibt er zu bedenken.

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Günstige Varianten

Allerdings gibt es laut Hollersbacher für den Einstieg in die digitale Handelswelt auch preiswertere Lösungen wie Cloud-Shops oder bestehende Marktplätze wie beispielsweise shoepping.at. Auch Social Media ist eine gute Methode, in die Thematik einzutauchen. Neben dem zeitlichen Aufwand, spart das zumindest horrende Kosten. Einige Vorarlberger Händler sind aktiv. Gerade heute lohnt es sich daher, Plattformen wie Facebook oder Instagram zu durchforsten – das eine oder andere Black-Friday-Schnäppchen gibt es sicher zu ergattern.
Eines sollte laut Hollersbacher für die Hänlder von heute klar sein: Völlig ohne Webauftritt geht es nicht mehr. Zumindest die Öffnungszeiten und Kontaktdaten sollten irgendwo im World Wide Web ersichtlich sein.

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Zweiter Lockdown die Wende?

Positiv bewertet der Fachgruppengeschäftsführer, dass sich viele ansässige Händler durch den zweiten Lockdown mit dem Thema stärker beschäftigten und Angebote wie etwa Online-Workshops zum Thema gerne angenommen haben. „Am Ende muss aber jeder Händler die für ihn, sein Warensortiment und seine Kunden passende individuelle digitale Lösung finden“, sagt der Fachmann.
Es bleibt also abzuwarten, ob das heute ein schwarzer Tag für den eh schon gebeutelten Vorarl­berger Einzelhandel wird.

Regional-Shopper

Positives verspricht jedenfalls eine Studie der KMU Forschung Austria, welche Hollersbacher erwähnt. Danach wirkt sich die Corona-Pandemie durchaus positiv auf das Einkaufsverhalten der Vorarlberger aus. Demnach möchten dieses Jahr 34 Prozent verstärkt bei Geschäften in der Umgebung einkaufen, 30 Prozent wollen verstärkt regionale Produkte erwerben.
13 Prozent planen in Online-Shops von österreichischen Anbietern zu kaufen, und nur vier Prozent wollen mehr in ausländischen Online-Shops einkaufen.

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