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„Überleben nur durch eigene Rücklagen“

13.01.2021 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit 2014 ist Mark Liebl bereits Inhaber und Geschäftsführer des Dornbirner Fitnessstudios „Good Life Sports“. <span class="copyright">Hartinger</span>
Seit 2014 ist Mark Liebl bereits Inhaber und Geschäftsführer des Dornbirner Fitnessstudios „Good Life Sports“. Hartinger

Fitnessstudio-Betreiber: Rücklagen, „Gym“-Sterben und Förderungen.

Normalerweise nimmt alles seinen gewohnten Gang. Im Sommer nimmt die Kundschaft etwas ab, im Winter dann wieder zu. Man kann sich gut darauf einstellen“, erinnert sich Mark Liebl, Inhaber und Geschäftsführer des Dornbirner Fitnessstudios „Good Life Sports“ an eine einfachere Zeit. An eine planbarere Zeit. An die Zeit vor dem Lockdown. Nun stehen die österreichischen Fitnessstudios aufgrund der Corona-Maßnahmen bereits seit knapp einem halben Jahr leer. Ein existenzbedrohendes Problem für eine Branche, die von seinen Kunden lebt: „Normalerweise bauen wir jeden Monat neue Kunden auf. In Zeiten der Regierungs-Maßnahmen ist dies nicht nur nicht mehr möglich, wir verlieren auch noch zunehmend an Mitgliedern. Dadurch entsteht erheblicher Schaden.“
Förderungen verschaffen hier nur kurzzeitige Abhilfe. Die langfristigen Auswirkungen bleiben jedoch bestehen und diese seien verheerend: „Es wird uns alleine zwei Jahre kosten, um überhaupt wieder den Stand zu erreichen, den wir vor dem ersten Lockdown hatten.“

Trotz starker Berücksichtigung von Hygiene-Vorschriften, wurden Fitnessstudios wie das "Good Life Sports" in Dornbirn während des Lockdowns geschlossen.  <span class="copyright">HARTINGER</span>
Trotz starker Berücksichtigung von Hygiene-Vorschriften, wurden Fitnessstudios wie das "Good Life Sports" in Dornbirn während des Lockdowns geschlossen. HARTINGER

Kündigung aus Unsicherheit

Dennoch bleibt der Inhaber des seit 2014 unter seiner Leitung stehenden Studios positiv: „Klar ist, dass die Corona-Zeit eine Phase ist und diese Phase auch wieder vorbeigehen wird. Und auf jedes Tief folgt ein Hoch.“ Wirkliche Existenz-Ängste habe er nicht: „Wir haben in dieser Zeit einen großen Kundenstamm gesammelt und erhalten hier auch viel Rückhalt.“
Doch auch das „Good Life Sports“-Studio sei nicht zur Gänze von der Corona-bedingten Kündigungswelle an Fitnessstudio-Mitgliedschaften gefeit gewesen. Mit einem Rückgang von 10 bis 20 Prozent jedoch immerhin nicht in einem solch drastischen Ausmaß, wie etwa in anderen Betrieben. Außerdem geht Liebl davon aus, dass viele Kündigungen nicht auf Dauer sein dürften: „Ich bin der Ansicht, dass der Hintergrund vieler Kündigungen die allgemein vorherrschende Unsicherheit ist und wir nach der Krise auch wieder sehr viele Rückkehrer begrüßen dürfen. Die meisten unserer Mitglieder bleiben uns jedoch auch in Zeiten der Pandemie treu und wissen, dass wir tun, was wir können, um bald wieder für sie da zu sein.“

Mark Liebl musste aufgrund der Kurzarbeit keinen seiner "Good Life Sports"-Mitarbeiter  kündigen.  <span class="copyright">Hartinger</span>
Mark Liebl musste aufgrund der Kurzarbeit keinen seiner "Good Life Sports"-Mitarbeiter kündigen. Hartinger

Ausbleiben der Förderungen

Was Kündigungen angeht hat es Karl Schmelzenbach, Inhaber des „Magic Fit“ in Dornbirn, in Zeiten der Corona-Maßnahmen wesentlich härter getroffen: „Alleine während des Lockdowns haben wir 30 bis 40 Prozent unserer Kundschaft verloren, dementsprechend sehen unsere finanziellen Ausfälle aus. Sogar wenn wir unseren Betrieb endlich wieder öffnen können, haben wir noch diese starken Umsatzausfälle auszumerzen. Diesen Verlust wieder reinzuholen wird Jahre brauchen.“ Wichtig für das Überleben der Branche seien demnach Unterstützungen der Regierung. Daran soll es jedoch Schmelzenbach zufolge noch etwas fehlen: „Ein großes Problem ist das Ausbleiben der Fördergelder – sowohl jener bezüglich der Kurzarbeit als auch den Umsatzausfall betreffend. Letzteres haben wir zuletzt im November erhalten. Wichtig wäre für uns außerdem eine Senkung der Mehrwertsteuer von Seiten der Regierung. Etwa um fünf bis zehn Prozent, wie es in der Gastronomie gehandhabt wird. Zudem sollte der Fitness-Sport als gesundheitsfördernde Maßnahme anerkannt werden. Oft höre ich, dass sich Mitglieder nicht mehr zu etwas aufraffen können, seit sie nicht mehr ihrem gewohnten Training nachgehen können. Durch derartiges Entgegenkommen könnten vermutlich viele Betriebe diese Zeit aus eigener Kraft überwinden.“

Mark Liebl ("Good Life Sports"-Inhaber" hat sein Hobby zum Beruf gemacht. <span class="copyright"> Hartinger</span><span class="copyright"> </span>
Mark Liebl ("Good Life Sports"-Inhaber" hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Hartinger

Keine Chance für junge Betriebe

Dennoch plagen ihn keine Existenzängste, „immerhin gibt es das ‚Magic Fit‘ bereits seit 23 Jahren, wir haben also einige Rücklagen. Frisch gegründete Unternehmen jedoch haben kaum eine Chance die Situation zu bewältigen. Einige sind auf einen Überbrückungskredit der Bank angewiesen, dieser muss jedoch auch wieder zurückgezahlt werden. Das Bestehen der Betriebe steht und fällt mit den eigenen Rücklagen.“
Diese Meinung teilt auch Fitnessstudio-Betreiber Mark Liebl: „Wie junge Betriebe, die noch nicht wirklich auf Rücklagen zurückgreifen können, die derzeitige Situation überstehen sollen, stelle ich mir sehr schwierig vor. Förderungen hin oder her, in Zeiten wie diesen braucht es finanzielle Absicherung und vor allem auch eine Perspektive.“