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Auf zwei Rädern bis in den hohen Norden

16.01.2021 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manuel Sohm (27) hat große Pläne: Den Weg zu seinem Auslandsstipendium in Norwegen möchte der Dornbirner mit dem Fahrrad zurücklegen. <span class="copyright">Hartinger</span><span class="copyright"> </span><span class="copyright"></span>
Manuel Sohm (27) hat große Pläne: Den Weg zu seinem Auslandsstipendium in Norwegen möchte der Dornbirner mit dem Fahrrad zurücklegen. Hartinger

Für guten Zweck möchte Sohm mit Fahrrad nach Norwegen fahren.

Wenn ich nur an die bevorstehende Reise denke, könnte ich vor Freude durch die Gegend hüpfen. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, ich würde am liebsten sofort los starten“, erzählt Manuel Sohm und grinst bis über beide Ohren. Seine Euphorie ist nachzuvollziehen, immerhin hat der Dornbirner große Pläne: Im kommenden Herbst möchte der 27-jährige Student zum Antritt seines Auslandsstipendiums den Weg nach Norwegen größtenteils auf seinem Fahrrad zurücklegen. Doch die Aktion stellt für Manuel nicht nur ein besonderes Abenteuer dar, sondern dient außerdem einem guten Zweck.

„Mein Vertrauen in andere Menschen aber auch in mich selbst schien damals ziemlich zerrüttet", schildert der 27-Jährigeden Grund seiner ersten Fahrrad-Tour. <span class="copyright">Hartinger</span>
„Mein Vertrauen in andere Menschen aber auch in mich selbst schien damals ziemlich zerrüttet", schildert der 27-Jährigeden Grund seiner ersten Fahrrad-Tour. Hartinger

Im Zuge seiner Reise sammelt der Dornbirner Geld für „Global Social Network“. „Dabei handelt es sich um eine Art Grundnetzwerk, welches eine Struktur bietet, um in Ländern, in denen die finanziellen oder politischen Umstände etwas schwieriger sind, Hilfe vor Ort anzubieten.“ Ob und in welcher Höhe Menschen den Dachverband für soziale Projekte unterstützen wollen, liege an ihnen. „Egal ob nun 100 Euro oder auch 10 Cent – eine noch so kleine Spende könnte etwas bewegen und wäre ein wichtiger Beitrag zu dem großen Ganzen.“

Global Social Network

Der 2018 von Axel Brümmer gegründete Verein dient als Dachverband für soziale Projekte auf der ganzen Welt. Ziel ist es, Kinder aus sozialen Brennpunkten Halt in Form von Freizeit­aktivi­täten zu geben. Ein Projekt, das Manuel Sohm sehr am Herzen liegt, nimmt sich etwa Kindern an, die in den ghettoähnlichen Verhältnissen von bolivischen Gefängnissen leben.

Emotionaler Hintergrund

Für Sohm ist dies jedoch nicht seine erste große Reise auf dem Drahtesel. Erst im vergangenen Jahr machte er sich damit auf den Weg zur Ostsee. Die Gründe für den Bike-Trip damals waren jedoch anderer Natur. Eine missglückte Liebesgeschichte war damals für den 27-Jährigen der Anlass, sich auf die Suche nach einem neuen Abenteuer zu begeben.

Radeln für den guten Zweck. Manuel Sohm macht es vor. <span class="copyright">Hartinger</span>
Radeln für den guten Zweck. Manuel Sohm macht es vor. Hartinger

„Mein Vertrauen in andere Menschen, aber auch in mich selbst schien damals ziemlich zerrüttet. Weil man beim Reisen jedoch sowohl stark auf seine eigenen Überzeugungen als auch die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist, schien mir dies als optimale Gelegenheit, die Dinge wieder in ein gutes Licht zu rücken.“
Für ihn selbst eine sehr bewegende Erfahrung. Der Dornbirner zieht Parallelen zwischen dem landschaftlichen Überwinden von Höhen und Tiefen und dem emotionalen. „Es ist ein besonderer psychischer Prozess, der da mit einem geschieht. Du beginnst, dich selbst auf eine neue Art zu entdecken, kennenzulernen und zu reflektieren.“
Ein weiterer Faktor, den der 27-Jährige als äußerst Augen öffnend beschreibt, war das nur sehr begrenzte Equipment, welches er auf seine Reise mit sich nehmen konnte. „Man erkennt, wie wenig man im Leben eigentlich braucht.“

Im Zick-Zack gen Norden

Für sein neues Abenteuer hat Sohm bislang nur einen groben Plan gefasst. Er möchte mit dem Rad bis zur obersten Spitze Dänemarks fahren, von dort aus soll der Weg mit der Fähre nach Norwegen weitergehen. Eine genaue Route für den von ihm selbst zurückzulegenden Teil des Weges stünde zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch aus.

Für Manuel hat das Reisen mit dem Fahrrad eine große Bedeutung: "Frische Luft, Bewegung, selbstbestimmtes Reisetempo – für mich persönlich das ultimative Gefühl von Freiheit!“  <span class="copyright">Hartinger</span>
Für Manuel hat das Reisen mit dem Fahrrad eine große Bedeutung: "Frische Luft, Bewegung, selbstbestimmtes Reisetempo – für mich persönlich das ultimative Gefühl von Freiheit!“ Hartinger

„Letztes Jahr war ich ja im Osten Deutschlands unterwegs. Nun würde mich eher der Weg am Rhein entlang nach Rotterdam reizen. Natürlich ist aber auch ein Besuch bei ‚Global Social Network‘-Gründer Axel Brümmer und seiner Familie an der Saale geplant. Der tatsächliche Weg könnte demnach in einem ziemlichen Zick-Zack enden.“ Für den Radtour-Liebhaber jedoch kein Problem. So stelle jede Reise auf dem Bike für ihn eine ganz besondere Erfahrung dar. „Du nimmst so viele Eindrücke wahr, die einem im Flugzeug oder Auto entgangen wären. Frische Luft, Bewegung, selbstbestimmtes Reisetempo – für mich persönlich das ultimative Gefühl von Freiheit!“
Der Weg nach Norwegen soll nicht die letzte große Bike-Tour des Dornbirners gewesen sein: Solange er als Student noch viel Zeit im Sommer habe, möchte er auf dem Drahtesel reisen.
„Natürlich gibt es auch Risiken. Ich könnte aber genau so gut zu Hause die Stiege hinunterfallen. Lasst euch niemals von Ängsten davon abhalten, euren Träumen nachzugehen.“

Pack-Tipps für die nächste Bike-Tour

Platz sparendes Packen ist für Manuel Sohm kein Problem. <span class="copyright">Hartinger</span>
Platz sparendes Packen ist für Manuel Sohm kein Problem. Hartinger

Ausrüstung:
• wasserdichte Radtaschen auf einem zusätzlich montierten Frontgepäcksträger
• Wer darauf achtet, größtenteils dieselben Schrauben zu verwenden, spart sich außerdem einiges an zusätzlichem Werkzeug.
• Einen Ersatzschlauch für den Notfall, auch wenn ich meine Reifen bislang immer durch Flickzeug reparieren konnte.
• Kettenöl kann gerade bei längeren Strecken sehr sinnvoll sein.
• Kabelbinder, Draht und ein gutes Messer sind sehr zu empfehlen.

Schutz:
• Ein kleines Zelt und eine Iso-Matte für die Nächte draußen sind unerlässlich.
• Für Pausen kann ich eine kleine Hängematte empfehlen.
• Regenkleidung darf außerdem auf keinen Fall fehlen!

Kleidung:
• Auf das Notwendigste reduziert. Je drei Paar Unterhosen, Socken und T-Shirts sind ausreichend. Es ergibt sich immer eine Möglichkeit, die Kleidung zu waschen.
• Auch warme Kleidung mit geringem Packmaß darf nicht fehlen.
• Eine lange Stoffhose hat mich schon das eine oder andere Mal vor einer Mückenplage bewahrt. Kommt aber auf das Reiseziel an.

Proviant:
• Für mich gehören ein Gas- und ein Kaffeekocher zum Inventar.
• Wasser sollte man natürlich
immer genug auf Vorrat haben.
• Für den Weg habe ich hauptsächlich viel Obst und Nüsse dabei.
• Sonstige Lebensmittel besorge ich aus Platzgründen jeden Tag frisch im Supermarkt.
• Das Packvolumen sollte möglichst gering sein.

"Ein kleines Zelt und eine Iso-Matte für die Nächte draußen sind unerlässlich."  <span class="copyright">Hartinger</span>
"Ein kleines Zelt und eine Iso-Matte für die Nächte draußen sind unerlässlich." Hartinger

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