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Komplexe Lagerung des Impfstoffs

21.01.2021 • 20:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das "kalte Gold" ist im Transport und der Lagerung sehr komplex.                                          PHAGO/Wolf
Das "kalte Gold" ist im Transport und der Lagerung sehr komplex. PHAGO/Wolf

Die Logistik, die hinter Impfstoffs steckt, gestaltet sich sehr aufwendig.

Bis ins kleinste Detail müssen die Vorgaben des Herstellers eingehalten und befolgt werden. Impfstoff ist derzeit knapp und deshalb umso wertvoller.
Gerade in Pandemie-Zeiten ist eine ausfallsichere und prompte Logistik das Wichtigste überhaupt. „Wir liefern tagtäglich mehr als eine Million Arzneimittel mit unterschiedlichen Herausforderungen an alle Abgabestellen in ganz Österreich aus. Als Vollgroßhändler verteilen wir 95 Prozent aller Arzneimittel. Das ist unser tägliches Brot. Wir sind somit für die Verteilung der Covid-Impfstoffe verantwortlich“, erklärt der Präsident der Arzneimittel-Vollgroßhändler (Phago) und Vorstandsvorsitzender bei Herba Chemosan Andreas Windischbauer.

PHAGO

Verband der Österreichischen

Arzneimittelvollgroßhändler

5 Pharmagroßhändler

21 Standorte insgesamt

17 Standorte lagern Covid-Impfstoff ein

In Vorarlberg gibt es zwei:

– Herba-Chemosan in Dornbirn

– Jacoby in Hohenems

Ultrakühlschränke


Wegen der niedrigen Temperaturen, die für die Lagerung des Impfstoffs nötig sind, mussten sogenannte Ultrakühlschränke angeschafft werden. Denn so eine tiefe Temperatur ist bis dato bei handelsüblichen Medikamenten nicht vorgekommen. „Ab dem Zeitpunkt, wenn der Impfstoff aus dem Tiefkühler kommt, müssen alle Abläufe extrem gut abgestimmt sein aufeinander.“ Zudem ändere sich gerade auch die Verteilungssituation. Denn bis jetzt wurden primär Apotheken und Krankenhäuser mit Arzneimitteln beliefert. „Jetzt haben wir Tausende unterschiedliche Anlieferstellen. Altenheime, Pflegeeinrichtungen, und irgendwann werden sicher auch Firmen dazukommen. Das ist logistisch eine ganz andere Herausforderung.“ Auch für die Phago ist das Neuland. Kritische Infrastruktur waren die Pharmagroßhändler immer schon. „Jetzt sind wir super-kritische Infrastruktur, weil wir eben auch den Impfstoff haben.“

Andreas Windischbaue,  Präsident der Arzneimittel-Vollgroßhändler (Phago) und Vorstandsvorsitzender bei Herba Chemosa.                                                                                                           Phago
Andreas Windischbaue, Präsident der Arzneimittel-Vollgroßhändler (Phago) und Vorstandsvorsitzender bei Herba Chemosa. Phago

„Ab dem Zeitpunkt wann der Impfstoff aus dem Tiefkühler kommt, müssen alle Abläufe extrem gut abgestimmt sein aufeinander.“

Andreas Windischbauer, Herba Chemosan

Zwei Großhändler in Vorarlberg

Sowohl Herba Chemosan als auch Jacoby lagern und liefern in Vorarlberg Impfstoff aus. „Das hat auch damit zu tun, dass das Ausfallrisiko minimiert wird dadurch“, ergänzt Windischbauer. „Pfizer Biontech liefert im Idealfall jede Woche dezentral an alle Bundesländer. Das kommt direkt vom Hersteller aus einem belgischen Werk an die 17 Niederlassungen in Österreich, der Impfstoff von Moderna wird nach Niederösterreich angeliefert und wird dann von dort aus verteilt“, so Windischbauer. Der Impfstoff von Moderna ist derzeit erst in minimalen Mengen eingetroffen. Aber, so beruhigt Windischbauer, werden auch diese Mengen mit der Zeit größer werden.„Die jeweilige Impfstelle bestellt den Impfstoff im E-Shop der Bundesbeschaffungsgesellschaft. Und dort kann sich die Stelle aussuchen, bei wem sie bestellt. Das hängt dann davon ab, wer noch Ware hat und wer in der Nähe ist.“

Krankenhausapotheke Feldkirch

In der Krankenhausapotheke ist derzeit kein Impfstoff lagernd. Wann die nächsten Einheiten kommen, kann der Leiter der Apotheke, Günther Graninger, nicht sagen. Aber er geht davon aus, dass das bald geschehen wird. „Wir warten schon auf die nächste Lieferung. Denn wir sollten dann bald mal mit der zweiten Impfung der Erstgeimpften beginnen.“

In aufgetautem Zustand geliefert

Das LKH Feldkirch bekommt den Pfizer Impfstoff wie alle anderen Impfstationen im Land in aufgetautem Zustand. Und das, obwohl die für die Lagerung bei minus 70 Grad nötige Infrastruktur vorhanden ist.
„Es könnte sein, dass es mit den Mengen zu tun hat. Die Firma Pfizer liefert diesen Impfstoff in standardisierten Kühlboxen aus. Da sind fünf von diesen „Pizzakartons“ auf Trockeneis verpackt. Pro Karton sind 195 Fläschchen drinnen. Das sind 975 Fläschchen. Und da die Mengen derzeit noch massiv begrenzt sind, könnte es damit zu tun haben“, mutmaßt der Apothekenleiter.

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