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Vorarlberger Tattoo-Szene in Corona-Krise

21.01.2021 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mehr denn je zählen Kristina und Mike Geringer (Herzblut Tattoo) auf die Treue und das Verständnis ihrer Kunden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Mehr denn je zählen Kristina und Mike Geringer (Herzblut Tattoo) auf die Treue und das Verständnis ihrer Kunden. Hartinger

So ­prekär ist Lage der Tattoo- und ­Piercing-Studios im Lockdown.

“Eigentlich ist es nicht unsere Art, zu jammern, und es gibt bestimmt Branchen, die noch schlimmer dran sind als wir. Aber lustig ist unsere Situation ganz sicher nicht”, erklären die Herzblut-Tattoo-Inhaber Kristina und Mike Geringer. Seit Wochen ist ihr Studio leer, der Lockdown hat die Tattoo- und Piercing-Branche erwischt.

“Gewaltiger Eingriff in unsere Grundrechte”

“Wir haben kein Problem mit Ausgangsverboten, Maskenpflicht oder Social Distancing. Aber wenn der Staat dir verbietet, zu arbeiten und für deinen Lebensunterhalt zu sorgen, empfinden wir dies schon als gewaltigen Eingriff in unsere Grundrechte”, machen die beiden ihrem Ärger Luft.

Bereits im November haben die Geringers einen Antrag auf staatliche Unterstützung eingereicht. Förderungen oder überhaupt ein Bescheid sei jedoch bis heute nicht angekommen. Eine prekäre Lage, immerhin stehen Fixkosten wie Miete, Steuern und Sozialabgaben auch weiterhin aus.

Als gesundes Unternehmen befinden sich die beiden zwar in der Lage, die derzeitige Situation mit den eigenen Rücklagen eine gewisse Zeit lang zu überstehen. “Doch für so manches Unternehmen stellen die Lockdowns sicherlich den wirtschaftlichen Ruin dar.”

Hygiene-Maßnahmen

Warum auch gerade in der Tattoo- und Piercing-Branche dermaßen streng durchgegriffen wird, stößt bei den Geringers auf Unverständnis: “Wir mussten auch schon vor der Pandemie zu jeder Zeit höchste Hygiene-Standards gewährleisten. Steriles und verantwortungsvolles Arbeiten ist in unserer Branche Standard.”

Doch es hilft alles nichts, das wissen auch die Herzblut-Tattoo-Inhaber. Es bleibt ihnen nur, auf das Verständnis ihrer Kunden zu vertrauen. “Alle, die in dieser Zeit einen Termin bei uns ausgemacht und sich schon monatelang darauf gefreut haben, müssen nun noch länger auf ihr Tattoo warten. Das betrifft natürlich auch unsere Kunden aus dem Ausland, die vermutlich so schnell nicht mehr über die Grenzen kommen werden.”

Andreas Haller, Geschäftsführer des Bregenzer Tattoo- und Piercing-Studios "Fat Foogo" empfindet besonders das ständige Hin und Her zermürbend. <span class="copyright">Handout/Haller</span>
Andreas Haller, Geschäftsführer des Bregenzer Tattoo- und Piercing-Studios "Fat Foogo" empfindet besonders das ständige Hin und Her zermürbend. Handout/Haller

Ständige Ungewissheit

Ein ähnliches Bild zeichnet auch Andreas Haller, Geschäftsführer des Bregenzer Tattoo- und Piercing-Studios Fat Foogo: “Was uns am meisten zermürbt, ist dieses ständige Hin und Her, was den Termin der Wiedereröffnung angeht. Ständig wird er noch weiter nach hinten verschoben.”

Eine große Belastung für das Unternehmen, das normalerweise über Monate hinweg ausgebucht ist. “Nach jetzigem Stand gilt es, die Termine von vier Monaten nachzuholen. Diese müssen wir nach dem Lockdown zusätzlich zu der normalen Arbeit noch irgendwo unterbringen.”

Wie er und sein Team das alles nach dem Lockdown bewerkstelligen sollen, wisse Haller noch nicht. Es bleibt nur die Hoffnung, dass sich der Öffnungstermin nicht noch um ein weiteres Mal verschieben wird.

Finanzielle Sorgen

Dies hätte auch finanzielle Folgen für das Studio. “Der Umsatzersatz lässt auf sich warten. Unsere Fixkos­ten, etwa Miete, Gehälter und Versicherungen, müssen aber dennoch bezahlt werden.” Ein kleiner Hoffnungsschimmer für den Fat-Foogo-Geschäftsführer sei die Treue und Geduld seiner Kunden.

Selbst sei Haller in seiner 28-jährigen Erfahrung noch nie für so lange Zeit dem Studio fern gewesen. Die Arbeit fehlt ihm. “Im Studio zu arbeiten, Musik zu hören und unserer Kreativität freien Lauf zu lassen, das vermissen wir vom Fat-Foogo-Team sehr.”