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Kündigungen und weniger Mitglieder

29.01.2021 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit sieben Monaten bleibt Schülern Vorarlberger Tanzschulen das verwehrt, was sie am meisten lieben: Das Tanzen mit ihrer Crew in den Studios.<span class="copyright"> Handout/Zuberi</span>
Seit sieben Monaten bleibt Schülern Vorarlberger Tanzschulen das verwehrt, was sie am meisten lieben: Das Tanzen mit ihrer Crew in den Studios. Handout/Zuberi

Fatmir Zuberi und Christine Hefel über Situation für Vorarlberger Tanzstudios.

Ich kann nichts Positives über die derzeitige Situation unserer Tanzstudios berichten. Alles steht in der Schwebe. Keiner weiß, wie es weitergehen soll“, erzählt Fatmir Zuberi, Vereinsobmann der „Move 4 Style Dance Factory“. Die Verzweiflung in seiner Stimme lässt sich dabei nicht verbergen.

Seit mehr als sieben Monaten stehen seine beiden Studios in Hohenems und Bregenz leer. Was Tanzschulen betrifft, kennen die Corona-Maßnahmen kein Pardon. Für Zuberi selbst nachvollziehbar: „Dass die Ansteckungsgefahr in den Studios, wo sich viele Menschen gleichzeitig körperlich betätigen, schwitzen, ausatmen, besonders hoch ist, verstehe ich natürlich.“ Doch auch die Einsicht hilft ihm nicht, die ihm dadurch auferlegten Hürden zu bewältigen.

"Alles steht in der Schwebe. Keiner weiß, wie es weitergehen soll“, erzählt Fatmir Zuberi, Vereinsobmann der „Move 4 Style Dance Factory“. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
"Alles steht in der Schwebe. Keiner weiß, wie es weitergehen soll“, erzählt Fatmir Zuberi, Vereinsobmann der „Move 4 Style Dance Factory“. Klaus Hartinger

6000 Euro Miete pro Monat

Denn auch wenn die Förderungen der Regierung und der Nachlass an Mietkosten für den Moment Linderung verschaffen, bleiben die finanziellen Schwierigkeiten allgegenwärtig: „Trotz Kurzarbeit bleiben mit den Sozialabgaben und den Krankenkassen-Kosten knapp 40 Prozent der Gehaltskosten dennoch an uns hängen.“ So kam es auch, dass drei Mitglieder des „Move 4 Style“-Teams ihren Job kündigen mussten. Zu groß wären die Kosten geworden, auch sie in Kurzarbeit zu stecken.

Und dann kommen noch die Fixkosten. „Die Verhandlungen mit unserem Vermieter sind für nächste Woche geplant. Sollten wir jedoch die versäumten ­Mieten der letzten Monate in voller Höhe nachbezahlen müssen, haben wir ein echtes Problem.“ Bei einer Monatsmiete von 6000 Euro für die beiden Studios käme da immerhin eine ganz schöne Summe zusammen. Und das bei keinerlei Einnahmen.

Doch so groß die Geld-Sorgen des Tanzstudio-Besitzers auch sein mögen, erkennt er als größtes Problem der Branche in Zeiten von Corona die steigende Demotivation aller Beteiligter. „Immer mehr verlieren die Lust am Tanzen. Sowohl Schüler als auch unsere Trainer.“

Seit mehr als sieben Monaten stehen die beiden "Move 4 Style"-Studios still.<span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Seit mehr als sieben Monaten stehen die beiden "Move 4 Style"-Studios still.Klaus Hartinger

Kündigungswelle

Alleine seit Beginn der Pandemie haben bereits 50 Prozent der Anhänger ihre Mitgliedschaft gekündigt. Und mit diesem Problem steht die „Move 4 Style Dance Factory“ nicht alleine da, dem ist sich Zuberi sicher.

Als zusätzlichen Faktor für diesen gravierenden Rückgang nennt er das Home Schooling. Viele der Mitglieder, aber auch der Lehrer besuchen noch die Schule und sind in Zeiten des E-Learnings einem solchen Stress ausgesetzt, dass sie weder Zeit noch Motivation aufbringen könnten, um sich auf das Tanzen zu konzentrieren.

„Die Mitglieder verlieren die Lust zu tanzen, die Trainer verlieren die Lust zu unterrichten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es weitergehen soll.“ Es bleibe nur zu hoffen, dass die Pandemie bald überstanden sei und endlich mit den Aufräumarbeiten des Schadens, den diese verursacht hat, begonnen werden kann.

„Die Mitglieder verlieren die Lust zu tanzen, die Trainer verlieren die Lust zu unterrichten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es weitergehen soll", zieht Vereinsobmann Fatmir Zuberi traurige Billanz. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
„Die Mitglieder verlieren die Lust zu tanzen, die Trainer verlieren die Lust zu unterrichten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es weitergehen soll", zieht Vereinsobmann Fatmir Zuberi traurige Billanz. Klaus Hartinger

Anpassung an die Krise

Diese Hoffnung teilt auch Christine Hefel, Inhaberin der „Dance Art School Dornbirn“. So gut es ging, haben sich die Tanzlehrerin und ihr Team versucht, der Krise anzupassen. Unterricht erfolgt nur mehr per Livestream. Durch Investitionen wie etwa in zwei professioneller Livestream-Anlagen inklusive Kameras, Mikrofonen, Laptops und Screens wurde versucht, den Schülern trotz Lockdown eine möglichst reale Studio-Erfahrung zu liefern.

Und doch, trotz aller Mühen, kämpft auch die „Dance Art School“ immer mehr mit Abo-Kündigungen. „Doch wir lassen nicht locker und versuchen, Tänzer aller Altersklassen zu motivieren. Ganz nach dem Motto ‚Never give up‘ kämpfen und tanzen wir weiter!“

Und das, obwohl Hefels Kampfgeist immer wieder hart auf die Probe gestellt wird. Wie auch Zuberi bemerkt sie eine immer weiter wachsende Demotivation der Schüler und des Lehrpersonals. Mit Kraft und Müh versucht sie jedoch immer weiter, die letzten Motivationsreserven der Beteiligten aus ihnen herauszuholen. Eine schwierige Aufgabe, besonders unter Berücksichtigung der immer prekäreren finanziellen Lage des Dornbirner Tanzstudios.

"Doch wir lassen nicht locker und versuchen Tänzer aller Altersklassen zu motivieren", erklärt Christine Hefel, Leiterin Dance Art School Dornbirn. <span class="copyright">Handout/Hefel</span>
"Doch wir lassen nicht locker und versuchen Tänzer aller Altersklassen zu motivieren", erklärt Christine Hefel, Leiterin Dance Art School Dornbirn. Handout/Hefel

Zu geringe Förderungen

„Aufgrund der geringer werdenden Teilnehmerzahl müssen immer wieder Tanzstunden gestrichen werden. ­Dies hat dann die Entlassung von Pädagogen zur Folge, auch wenn ich versuche, die meisten als Teilzeitkräfte weiter zu beschäftigen.“ Und dann gibt es da noch die Fixkosten und die ständige Angst, dass das Studio geschlossen werden könnte, wie Hefel erklärt.

Zu allem Überfluss habe sie außerdem bis zum heutigen Tag keine ausreichenden Förderungen erhalten. „Seit November wird nun schon unser Antrag auf Fixkostenzuschuss überprüft, da wir anscheinend ‚nicht direkt betroffen seien‘.“ Ein schweres Paket, das die Tanzschul-Leiterin da zu tragen hat. Und wie sie selbst nüchtern zur Kenntnis nimmt, ist noch lange keine Besserung in Sicht.

Um endlich wieder Boden unter den Füßen bekommen zu können, stellt die „Dance Art Academy“-Leiterin klare Forderungen: „Wir brauchen soziale Absicherung, wir brauchen Planungssicherheit, und wir brauchen einen Sonderbonus. Und vor allem: Sperrt unsere Tanzschulen wieder auf, denn zu Hause werden wir krank!“