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Die Rückkehr des Lichtes

01.02.2021 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Blick von der Sonnenseite im Vordergrund (hier Blons) hinüber nach Raggal im Schatten. <span class="copyright">Bernd Hofmeister</span>
Der Blick von der Sonnenseite im Vordergrund (hier Blons) hinüber nach Raggal im Schatten. Bernd Hofmeister

Lichtmess wird mit Stärkerwerden der Sonne in Verbindung gebracht.

Am 2. Februar ist Mariä Lichtmess – ein Tag, der in breiten Gesellschaftsschichten fast in Vergessenheit geraten ist, früher allerdings enorme Bedeutung hatte. Mariä Lichtmess ist eines der ältesten Feste der christlichen Kirche. Es wird 40 Tage nach Weihnachten gefeiert. „Theologisch gehört es als Herrenfest zum Leben Jesu als ‚Darstellung des Herrn‘, erläutert Caritas-Seelsorger Wilfried Blum. Der frühere Name „Mariä Purificatio“ – Reinigung – erinnert an den alttestamentarischen Brauch, nach dem sich eine Frau 40 Tage nach der Geburt eines Kindes einer kultischen Reinigung unterziehen sollte. „Wenn ihr Kind der Erstgeborene war, sollte sie ihn mitbringen, um ihn dem Herrn zu präsentieren – „darzustellen“, erklärt Blum weiter. Im Volksmund ist es unter „Mariä Lichtmess“ vertraut, weil früher an diesem Tag die Kerzen für das kommende Jahr geweiht wurden. Heute wird das ehemals so bedeutende Fest mancherorts noch mit einer Lichterprozession gefeiert.

Bräuche in Vorarlberg

• Krippen: An Lichtmess wurden und werden die Weihnachtskrippen verstaut und die letzten Christbäume aus den Häusern geräumt. Ans Ende der Krippenzeit erinnert zum Beispiel heute noch der „Lichtmess-Hock“ des Lustenauer Krippenvereins

• Prozessionen und Kerzenweihen: In einigen Pfarren trugen die Schulkinder beim Rosenkranz geweihte Kerzen. Mesner forderten von den Familien den „Kerzenpatzen“ ein, eine Art Opfergeld. „Wachsrodel“ – geflochtene Kerzen – wurden verschenkt. Diese und die geweihten Kerzen wurden bei Unwetter angezündet. Die Kerzen sollten auch vor Krankheit schützen.

• Gebete: In Gaschurn wurden an Lichtmess „Drei Psalter“ (drei Rosenkränze) gebetet. Dieses Versprechen ging vermutlich auf die Lawinenkatastrophe von 1689 zurück. Damals starben 52 Dorfbewohner. (Quelle: Peter Strasser, „Weihnachten in Vorarlberg“, 2013)

Für Bauern wichtig

Auch in der Landwirtschaft spielte dieser Tag stets eine große Rolle. „Nach der Winterpause begann die Arbeit der Bauern wieder“, erläutert Theresia Anwander vom vorarl­berg museum. „Den Mägden und Knechten wurden am ‚Schlenkeltag‘ – wie Lichtmess in einigen Regionen Österreichs auch genannt wird – die Löhne ausbezahlt, und sie machten sich gegebenenfalls auf die Suche nach einem neuen Dienstherren. Doch bevor sie den Hof verließen, wurde gefeiert.“
Auch für andere Berufsgruppen seien zu Mariä Lichtmess neue Zeiten angebrochen. „Handwerker, die seit dem 29. September bei Kerzenschein arbeiteten, mussten ab dem Tag wieder mit dem Tageslicht auskommen“, sagt Anwander. Es ist weiters ein markantes Datum für die „Messung“ der Tageslänge. Das ist am folgenden Spruch gut zu erkennen: „Zu Stephani (26. Dezember) ein Mückenschritt, zu Neujahr ein Hahnentritt, zu Dreikönig ein Hirschensprung und zu Lichtmess eine ganze Stunde.“ Gemeint ist damit die Zunahme der Tageslänge ab dem kürzesten Tag des Jahres, dem 21. Dezember. Auch Wetter- und Ernteregeln beziehen sich auf diesen Tag, wie etwa: „Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee“.

Die Sonne "kämpft" sich über die Berge zurück. <span class="copyright">Bernd Hofmeister</span>
Die Sonne "kämpft" sich über die Berge zurück. Bernd Hofmeister

Licht kommt zurück

n Vorarlberg gibt es Regionen, wie das Große Walsertal oder auch Teile des Klostertals, die eine West-Ost-Ausrichtung haben und in die die Sonne aufgrund des flachen Einstrahlungswinkels während der Wintermonate nicht dringen kann. Um die Zeit von Mariä Lichtmess kehrt sie auch in diese Gegenden zurück. Manche Ortsteile bekommen sie schon früher zu sehen, in Dalaas dauert es mancherorts bis Ende März, bis das ersehnte Licht zurück ist. „Die Rückkehr der Sonne wird zwar nicht gefeiert, aber natürlich wird sie bemerkt, sie ist wichtig“, sagt Alexandra Martin, die Bürgermeisterin von Raggal, einem der Orte, der auf der sogenannten „Schattenseite“ des Großen Walsertals liegt. Und das Licht bringt positive Stimmung mit. „Dass Licht heilsam ist und eine antidepressive Wirkung hat, wissen die Menschen nicht erst seit heute. Diese uralten Erfahrungen spiegeln sich auch in den religiösen Festen und Ritualen“, sagt Seelsorger Blum. Die Bezeichnung „Mariä Lichtmess“ drücke besonders anschaulich aus, dass gegen Ende des dunklen winterlichen Tunnels das österliche Licht der Hoffnung weiterhilft. „Wegen der Beschränkungen durch den Lockdown und der vielen Ängste, wie es weitergehen wird, empfinde ich mit vielen anderen diese Zeit als eher dunkel und düster“, sagt er weiter. Da könnten Feste wie Mariä Lichtmess zu einer wunderbaren Erinnerung werden: „Ein Licht – schon jede kleine brennende Kerze – ist immer stärker als Dunkelheit. Es löscht das Dunkel mit all den Ängsten nicht aus, aber es macht einen Weg sichtbar, wie es weitergehen kann“, sagt er.

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