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Aus Dunkelheit lernen

01.02.2021 • 05:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kommt das Licht, kann der Samen keimen. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Kommt das Licht, kann der Samen keimen. Shutterstock

Der Bedeutung von Licht und Geburt anlässlich Mariä Lichtmess widmet sich ein Online-Ritual mit Ritualberaterin Johanna Neußl.

Warum gestalten Sie mit Ihren Kolleginnen Christiane Huber-Hackspiel, Edith Maria Fuchs und Daniela Schwarzmann-Spalt anlässlich des Mariä Lichtmess-Festes ein Online-Ritual?
Johanna Neußl:
Rituale sind den Menschen ein großes Bedürfnis. Uns gefiel die Ausstellung zum Thema Geburt im Frauenmuseumn Hittisau und gemeinsam mit den Veranstalterinnen beschlossen wir, ein Ritual zu gestalten. Wegen Corona haben wir es in den digitalen Raum verlagert. Mariä Lichtmess ist so etwas wie der Mittelpunkt zwischen der Wintersonnwende am 21. Dezember und der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche am 21. März. Es tangiert außerdem mehrere Themen wie Geburt oder Schutz, die in der Ausstellung angesprochen werden.

Warum findet es um 6.15 Uhr in der Früh statt?
Neußl:
Das Jahr ist Anfang Februar noch ganz jung, das Licht noch schwach. So ist das Licht auch am frühen Morgen. Außerdem wollten wir auch Menschen erreichen, die arbeiten müssen. Es soll sich ausgehen, dass bei allen Teilnehmern die Sonne aufgeht. Wenn es regnet, kann man die Sonne nicht sehen. Aber wir werden wahrnehmen, dass der Tag beginnt und es langsam hell wird. Das wollen wir sinnbildlich nutzen.

Wie?
Neußl:
Auf eine andere Ebene transformiert hoffen wir, dass es auch in unserer gesellschaftlichen Krise der Pandemie langsam heller und besser wird. Das Bild von mehr Licht lässt sich auf ganz viele Ebenen übertragen. Dass Dunkelheit nichts Negatives ist, sondern wir in ihr auch beschützt sind, ebenfalls. Wenn wir in die Natur schauen, wissen wir, dass sich die Samen seit Herbst in der Erde befinden und beschützt sind. Sie machen ich bereits bereit, zu keimen, sobald Licht und Wärme mehr werden. Das wollen wir in diesem Anlass auch verarbeiten.

Etwas Neues wird aus der Dunkelheit geboren. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Etwas Neues wird aus der Dunkelheit geboren. Shutterstock

Und symbolisch auf die Zeit der Pandemie ummünzen? Das Schöne und das Gute sind da, wir müssen einfach warten, bis sie wieder keimen dürfen?
Neußl:
Ja genau. Gerade im Hinblick darauf, dass wir alle aus dieser Pandemie lernen und danach besser sein wollen, dürfen wir uns fragen, was da Neues aus der Dunkelheit geboren werden will.

Was sind Anregungen für jemanden, der das Gefühl hat, dass die jetzige Zeit keine beschützende, sondern eine bedrückende Dunkelheit ist?
Neußl:
Ich finde die Natur liefert ein positives Bild für so Vieles. Es braucht Ruhe und Dunkelheit, um aus einer Brachezeit heraus zu Neuem zu finden. Wir müssen nichts tun, damit die Sonne wieder kommt und der Tag heller wird. Wir dürfen darauf vertrauen, dass es wieder besser wird.

Warum gerade ein Ritual? Was was lässt sich durch Rituale bewirken?
Neußl:
Rituale haben eine besondere Kraft. In Handlungen wird Symbolik gelegt. Über die Symbolik werden Bilder vermittelt. Bilder können von unserer Seele und unserer Psyche sehr gut aufgenommen werden. Ein Ritual kann mich mit mir selbst und den Menschen um mich herum verbinden. Aber auch mit der Natur und einem Größeren, in das wir eingebettet sind. Diese Verbundenheit hat große Kraft. Gerade in dieser Zeit, in der wir Abstand wahren müssen, und uns so getrennt fühlen.

Johanna Neußl, Online-Ritual, Ritualberaterin
Johanna Neußl, Online-Ritual, Ritualberaterin

zur Person

Johanna Neußl

Ritualgestalterin, Mitglied im Netzwerk Rituale Österreich, wohnt in Göfis, 56 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder, www.ritualnetz.at

­Anmeldung für das Online-Ritual ist noch bis Montagmittag möglich: kontakt@frauenmuseum.at

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