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Schulsituation bleibt schwierig

13.02.2021 • 19:46 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Für alle älteren Schüler gilt Schichtbetrieb. Zwei Tage Unterricht an der Schule, zwei Tage Lernen zu Hause, am Freitag Distance Learning. <span class="copyright">Hartinger</span>
Für alle älteren Schüler gilt Schichtbetrieb. Zwei Tage Unterricht an der Schule, zwei Tage Lernen zu Hause, am Freitag Distance Learning. Hartinger

Rückkehr in Schule wird befürwortet. Schichtsystem birgt Hürden.

Die Erleichterung war groß, als verlautbart wurde, dass die Schüler nach den Semesterferien zurück in den Präsenzunterricht dürfen. Doch das vorgeschriebene System hält für alle Beteiligten einige Erschwernisse bereit. Durchgehend in Präsenz unterrichtet werden nämlich nur die Volksschüler und die Schüler der ersten bis vierten Schulstufe der Sonderschule. Und das auch nur dann, wenn sie bereit sind, bei den Testungen mit dem sogenannten Nasenbohrertest mitzumachen, der zwei Mal pro Woche beginnend mit Montag in der Schule vor Unterrichtsbeginn durchgeführt wird. Wer den Test verweigert, muss zu Hause arbeiten. Im Schulgebäude müssen diese Kinder Masken tragen, in den Klassen- und Gruppenräumen dürfen sie allerdings abgenommen werden. An allen anderen Schulformen ist es wesentlich komplizierter. Grob zusammengefasst werden die Kinder in Gruppen eingeteilt. Im Schichtbetrieb wechseln sich zwei Tage mit Präsenzunterricht mit zwei Tagen Arbeiten zu Hause ab. Die Woche darauf ist es umgekehrt. An den Freitagen ist Distance Learning angesagt. Auch die älteren Schüler müssen sich testen lassen und im ganzen Schulgebäude Masken, die Oberstüfler sogar vom Typ FFP2, tragen.

An Grenzen

Die Volksschüler dürfen ab morgen in durchgehenden Präsenzunterricht zurück.<span class="copyright">Hartinger</span>
Die Volksschüler dürfen ab morgen in durchgehenden Präsenzunterricht zurück.Hartinger

„Die Meinungen über die Maßnahmen gehen stark auseinander“, erklärt Pflichtschullehrer-Vertreter Willi Witzemann. Von Freude darüber, dass die Schulen endlich aufgehen, über Unverständnis für die Maßnahmen bis hin zu Verweigerungsüberlegungen sei alles dabei. „Kollegen sind an mich herangetreten und haben mich gefragt, warum wir nichts dagegen unternehmen.“ Ihnen habe er erklären müssen, dass die Personalvertretung nicht die Gewerkschaft sei. Er könne seine persönliche Meinung äußern, aber: „Was im Gesetz steht, haben wir zu tun.“ Witzemann stört vor allem die fehlende Verlässlichkeit vonseiten der Verantwortlichen. Als Beispiel nennt er die von Minister Faßmann angekündigten zusätzlichen zwei Förderstunden pro Klasse. Dafür habe es bis vor wenigen Tagen keine Verordnung gegeben. „Die Schulen in Wien mussten ja schon eine Woche lang arbeiten, diese Stunden waren vom Finanzminister aber noch nicht bewilligt.“ Von der Frage, wen man in dieser kurzen Zeit auftreiben könne, um diese Stunden zu halten, einmal ganz abgesehen. „Bei einer Schule mit elf Klassen bedeuten sie einen zusätzlichen Dienstposten“, erläutert er. Bildungslandesrätin Schöbi-Fink habe sich am Montag bereit erklärt, dass das Land in Vorleis­tung gehen werde. Nun ist laut Elisabeth Mettauer-Stubler von der Bildungsdirektion die Bewilligung vom Finanzminister doch noch eingetrudelt. Die Umsetzung bleibt jetzt dem Geschick und den Möglichkeiten der Schulen überlassen. Auch Mettauer-Stubler gibt zu, dass Grenzen aufgezeigt werden. Insbesondere die Beaufsichtigung der Kinder, die zur Betreuung in die Schule geschickt werden, stellt manche personell oder räumlich vor große Probleme. Das Lehrpersonal ist ja bereits in den Präsenzunterricht eingebunden. Studierende würden eingesetzt, es sei eigens ein Aufruf vonseiten der Pädagogischen Hochschule in dieser Sache erfolgt. Turnhallen würden verwendet.

Pflichtschullehrer-Vertreter Willi Witzemann findet einige Kritikpunkte.<span class="copyright"> Land Vorarlberg</span>
Pflichtschullehrer-Vertreter Willi Witzemann findet einige Kritikpunkte. Land Vorarlberg

Durchgehende Struktur fehlt

Mettauer-Stubler ist sich bewusst, dass es für Schüler und Eltern schwierig ist, sich auf den konstanten Wechsel der Unterrichtsformen einzustellen. Für die Kinder, weil es keine durchgehende Struktur gibt. „Auch wir hätten uns einen ‚normalen‘ Präsenzunterricht gewünscht“, sagt sie. Das sei aber eben nicht möglich. „Es ist eine Kompromisslösung, das ist allen klar. So können sie aber wenigstens etwas an die normale Struktur herangeführt werden.“
Berufstätige Eltern werden vor große Herausforderungen gestellt, weil sie von Woche zu Woche an anderen Tagen eine Betreuung organisieren müssen. Das System ist nun aber einmal bis Ostern so geplant.

Elisabeth Mettauer-Stubler von der Bildungsdirektion.  <span class="copyright">Bildungsdirektion</span>
Elisabeth Mettauer-Stubler von der Bildungsdirektion. Bildungsdirektion

Hybridunterricht soll helfen

Im Schichtbetrieb wird der Stundenplan grundsätzlich beibehalten. Einzelner Stundentausch ist möglich. Auch wenn die Woche darauf gewechselt wird, ist es dennoch schwierig, eine gerechte Fächerverteilung zu gewährleisten. Es ist für die Lehrpersonen nicht einfach, eine gleichwertige Stoffmenge für beide Gruppen –die im Präsenzunterricht und die, die zu Hause ist – bereitzustellen und kontinuierlich zu arbeiten, „Besonders in den Hauptfächern ist es möglich, im sogenannten Hybridunterricht den Präsenzunterricht für die Kinder nach Hause zu übertragen. Dann muss nicht alles doppelt unterrichtet werden“, sagt Mettauer-Stubler. Witzemann sieht das kritisch: „Die wenigsten Kollegen sind dazu in der Lage“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass auch bei Hybridunterricht der Stoff in der Woche darauf erneut präsentiert werden muss, weil nicht davon ausgegangen werden könne, dass alle Schüler die gleichen Voraussetzungen dafür mitbringen. Gleichzeitig Präsenzunterricht, Arbeitsmaterial für die Kinder zu Hause und noch das Distance Learning vorzubereiten, bedeutet zudem eine enorme Mehrbelastung für die Lehrpersonen, sind sich beide einig. Es zeige sich bereits jetzt an gewissen Parametern, dass Überlastung herrsche, so Witzemann. Dies werde aber nicht an die Öffentlichkeit getragen.

Corona-Selbsttest für Volksschüler. Die Kinder müssen sich nun selbst testen. <span class="copyright">privat</span>
Corona-Selbsttest für Volksschüler. Die Kinder müssen sich nun selbst testen. privat

Tests sind besonders für labilere Kinder schwierig

Wer die Selbsttests in der Schule nicht durchführt, darf nicht am Präsenzuntericht teilnehmen. Witzemann sieht die Gefahr gegeben, dass insbesondere Schüler aus bildungsfernen Familien nicht an den Tests teilnehmen werden und dadurch noch mehr den Anschluss verlieren könnten. Zudem sei problematisch, dass es für Kinder traumatisch sein könne, wenn sie bei diesen Tests in der Schule positiv sind. „Dann werden sie vor den Augen aller nach Hause geschickt. Das ist insbesondere für labilere Kinder schwierig“, sagt er. Er hätte es lieber gesehen, wenn die Tests für die Volksschulkinder weiterhin zu Hause durchgeführt worden wären. Mettauer-Stubler versucht zu beruhigen: „Die Eltern dürfen anfänglich bei den Tests dabei sein. Letztendlich sollen die Kinder aber lernen, selbst damit umzugehen. Uns haben viele Direktoren versichert, dass sie mit dieser Situation gut umgehen können. Sollte ein Kind positiv sein, wird bedacht gehandelt.“ Es könne auch noch kurz in der Klasse verbleiben, die Eltern sollten es aber natürlich möglichst rasch abholen. Was passiert, wenn Eltern vergessen, morgen die fürs Testen benötigte Einverständniserklärung mitzuschicken? Dafür wurde eine Lösung gefunden: „Am Montag kann eine Ausnahme gemacht werden, am Dienstag muss sie da sein“, erklärt Witzemann.

Vorschriften

Laut Beilage zum Erlass des Bundesministeriums zum Schulbeginn ab dem 8. Februar gilt:

Die Mittelschulen, die Unterstufen der allgemein bildenden höheren Schulen und die Polytechnischen Schulen befinden sich im Schichtbetrieb. Die Schüler werden in Gruppen eingeteilt. Gruppe A hat am Montag und Dienstag Präsenzunterricht, Gruppe B am Mittwoch und Donnerstag. In der Woche darauf ist es umgekehrt. Am Freitag ist Distance-Learning-Tag. Weiters gilt: Die Schulen sind für Betreuung offen. „Das Angebot der Betreuung soll von den Erziehungsberechtigten nur dann in Anspruch genommen werden, wenn eine häusliche Betreuung sonst nicht sichergestellt ist.“ Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht und an der Betreuung ist auch hier der Nachweis eines negativen Antigentests.

Schüler ab der fünften Schulstufe der Sonderschulen, an AHS-Oberstufen, berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sowie Berufsschulen befinden sich grundsätzlich ebenfalls in einem zweitätgig wechselnden Schichtbetrieb. Der Freitag kann individuell für Unterricht in kleinen Gruppen genutzt werden. Diese Schüler müssen zusätzlich zum Nachweis eines negativen Antigen-Tests im gesamten Schulgebäude eine FFP2-Maske tragen. Auch Lehrpersonen oder Verwaltungspersonal müssen im gesamten Schulgebäude FFP2-Masken tragen. Wer jede Woche ein negatives Ergebnis des sogenannten Berufsgruppen-Tests bringt, darf stattdessen einen gewöhnlichen Mund-Nasen-Schutz verwenden. Darüber hinaus wird ihnen empfohlen, sich zumindest einmal pro Woche zusätzlich mit einem anterio-nasalen Selbsttest (Nasenbohrer) zu testen.

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