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Vorarlberger über Corona im Ausland

22.02.2021 • 06:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Die Erzählungen der Vorarlberger reichen von den Situationen in Griechenland und der Schweiz, über jene in den USA bis hin zu denen in Brasilien und Südkorea.<span class="copyright"> Symbolbild/Shutterstock</span>
Die Erzählungen der Vorarlberger reichen von den Situationen in Griechenland und der Schweiz, über jene in den USA bis hin zu denen in Brasilien und Südkorea. Symbolbild/Shutterstock

Vorarlberger erzählen, wie sie Corona-Situation im Ausland erleben.

Die Covid-19-Krise und die damit einhergehenden Maßnahmen scheinen in Österreich fast schon allgegenwärtig. Hände waschen, Abstand halten und Maskenpflicht – ein jeder kennt das Prozedere in- und auswendig. Und dann wären da noch die nicht enden wollenden Lockdowns. Doch wie sieht die Corona-Zeit eigentlich in anderen Ländern aus? Vorarlberger erzählen von ihren Lockdown-Erfahrungen aus Ländern auf der ganzen Welt.

Melissa Clara Meusburger, Brasilien: Vor den Wahlen sinken Zahlen

Gerade am Anfang der Pandemie war die Situation in Brasilien verheerend. Es gab keine freien Betten mehr in den Krankenhäusern“, erzählt Melissa Clara Meusburger, die vor einigen Jahren mit ihrer Familie von Vorarlberg nach São Paulo gezogen war. „Über Nacht kam dann plötzlich der Lockdown. Alle sollten möglichst zu Hause bleiben. Dabei verstanden wir noch gar nicht wirklich, was los war. Ich hatte sehr große Angst“, erzählt die 20-Jährige. Ein halbes Jahr lang blieb sie nur in den eigenen vier Wänden. Immerhin gehörte Brasilien lange Zeit zu einem der gefährlichsten Risikogebieten. „Erst als die Wahlen bevor standen, sanken die offiziellen Infektionszahlen plötzlich. Ein Schelm, wer Böses denkt.“ Einige Menschen wogen sich in falscher Sicherheit, hielten sich nicht mehr an Vorsichtsmaßnahmen. So kam die nächste Krisensituation. „Gerade in Amazonien starben viele Menschen, weil es zu wenig Sauerstoff gab“, erklärt Meusburger traurig. „Ich habe das Gefühl, dass die Mentalität in Österreich eine ganz andere ist. Die Leute nehmen die Krise ernster, halten sich eher an die Maßnahmen. Wäre dies in Brasilien auch der Fall, hätte es uns vermutlich nicht so schlimm er­wischt“, mutmaßt sie.

Melissa Clara Meusburger zog vor einigen Jahren mit ihrer Familie von Vorarlberg nach São Paulo um. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Melissa Clara Meusburger zog vor einigen Jahren mit ihrer Familie von Vorarlberg nach São Paulo um. Handout/Privat

Filip Mlynski, USA: Gestrandet auf dem Flughafen

Während die Welt um uns herum unterzugehen schien, war der Ernst der Lage in den USA lange nicht zu spüren“, erinnert sich Filip Mlynski an sein Auslandssemester am Minneapolis College of Art and Design in Minnesota (USA) zurück. Erst kurz vor den Ferien erfuhren der Dornbirner und seine Mitstudenten, dass sie vorerst vielleicht nicht mehr an die Uni zurückkehren dürften. Und tatsächlich traf nur wenige Tage später eine Mail des Colleges ein, die genau diesen Ernstfall bestätigen sollte. „Darauf folgte die Nachricht, dass alle Studenten, die auf dem Campus leben, zwei Wochen Zeit hätten, um diesen zu räumen. Leichter gesagt als getan, wenn man jedoch Tausende Kilometer vom eigenen Zuhause entfernt ist“, erklärt der Dornbirner. Doch gegen Mlynskis Erwartung sollte sein größtes Problem nicht etwa ein Flugticket werden: „Das Ticket war gekauft, ich musste nur noch am Flughafen einchecken. Plötzlich wurde mir mitgeteilt, dass ich nicht mitfliegen durfte. Der Flieger müsste nämlich einen Zwischenstopp in Toronto einlegen und Kanada hatte die Einreise von Personen, die keinen amerikanischen Pass hatten, strengstens verboten.“ Doch der Dornbirner sollte nochmal Glück haben. Er erklärte dem Flughafen-Personal seine missliche Lage, und nach langem Hin und Her erhielt er eine Sondererlaubnis für den Flug. „Verstörend war diese Erfahrung dennoch“, erzählt er lachend.

Filip Mlynski sollte eigentlich ein Auslandssemester am Minneapolis College of Art and Design in Minnesota (USA) absolvieren. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Filip Mlynski sollte eigentlich ein Auslandssemester am Minneapolis College of Art and Design in Minnesota (USA) absolvieren. Handout/Privat

Simone Hämmerle, Griechenland: Reise in den Lockdown

Seit November 2020 versuchen Simone Hämmerle und ihr Freund, in Kreta dem Winter zu entgehen. Nur eine Woche nach der Ankunft auf der griechischen Insel brach jedoch der Lockdown aus. „Seither ist es ein ständiges Hin und Her, mal hat der Handel geöffnet, dann schließt er wieder. Hotels und Fitnessstudios sind durchgehend geschlossen und die Restaurants bieten nur Take-away an.“ Auch was Masken angeht, gibt es klare Regeln: Die Pflicht tritt in Kraft, sobald das Haus verlassen wird – außer bei Sport. „Es gibt ohnehin nur wenige Gründe, die das Verlassen der Wohnung rechtfertigen. Sich die Beine zu vertreten gehört aber zum Glück dazu.“ Aber nicht ohne eine Mitteilung an die Regierung, die von der lokalen Polizei kontrolliert werden kann. Dies sei Hämmerle persönlich jedoch noch nie passiert. „Wir gehen jeden Tag an die frische Luft, erkunden zu Fuß oder mit unseren Fahrrädern die Gegend und genießen die Sonne.“ Streng genommen darf sich nirgendwo hingesetzt werden, man muss immer in Bewegung bleiben, wie die gebürtige Lustenauerin erklärt. „Da wir aber auf einer Insel sind und es hier kaum bis gar keine Fälle gibt, nehmen die Leute die derzeitige Situation relativ locker und haben immer noch super Laune.“ Auf dem Festland sehe die Situation anders aus.

Seit November 2020 versuchen Simone Hämmerle und ihr Freund in Kreta (Griechenland) dem Winter zu entgehen. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Seit November 2020 versuchen Simone Hämmerle und ihr Freund in Kreta (Griechenland) dem Winter zu entgehen. Handout/Privat

Andreas Preuss, Südkorea: Masken, wohin das Auge reicht

Für vier Monate lebt Andreas Preuss derzeit für Montage-Arbeiten in Südkorea – inmitten der Pandemie. „Was mir hier als Erstes auffiel, ist, dass die Menschen ihre Masken immer und überall tragen.“ Egal, ob auf den Straßen oder auch alleine im Auto, die Maske ist Pflichtgegenstand, wie der 23-Jährige überrascht feststellte. Dabei seien die Lockdown-Maßnahmen auf der asiatischen Halbinsel wesentlich milder als in der österreichischen Heimat. Denn auch wenn Freizeiteinrichtungen wie Bowlingcenter geschlossen hätten, gäbe es keine Einschränkungen für Handel und Dienstleis­tungen. „Die Maßnahmen sind jedoch in jedem Abschnitt Südkoreas unterschiedlich. Es gibt keine bundesweite Regelung“, erklärt der gebürtige Alberschwender. Ob der südkoreanische Weg der Richtige zur Eindämmung des Covid-19-Virus ist, wagt der 23-Jährige jedoch nicht zu sagen. Den Überblick über die dortigen Infektionszahlen habe er schon längst verloren. „Wir bekommen zwar mehrfach täglich Benachrichtungen über die aktuelle Sachlage, allerdings nur auf Koreanisch.“ Und da hilft nicht einmal eine Übersetzungs-App, wie ein von Preuss zur Verfügung gestellter Screenshot beweist.

Für vier Monate lebt Andreas Preuss derzeit für Montage-Arbeiten in Südkorea. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Für vier Monate lebt Andreas Preuss derzeit für Montage-Arbeiten in Südkorea. Handout/Privat

Sarah Karina schäfer, Schweiz: Spaziergang gipfelte in Verhör der Polizei

Als aufgrund des Lockdowns erstmals die Grenzen zwischen Österreich und der Schweiz geschlossen wurden, hatte Sarah Karina Schäfer die Wahl: Entweder sie bleibt in Vorarlberg, abgeschieden von ihrem Freund, oder sie zieht für unbestimmte Zeit nach St. Magrethen. Sie entschied sich für Letzteres, was ihr jedoch fast zum Verhängnis werden sollte: „Eines Abends gingen wir nahe der österreichischen Grenze am Rhein spazieren, als wir in eine Polizeikontrolle gerieten.“ Als sich herausstellte, dass Schäfer Vorarlbergerin war, verdächtigten die Beamten sie, illegal über die Grenze gekommen zu sein. „Bevor wir wussten, wie uns geschah, wurden wir getrennt voneinander verhört. Wir sollten beweisen, dass ich mich schon seit längerer Zeit in der Schweiz aufhalte.“ Die Taschen der beiden wurden durchwühlt, ihre Handys konfisziert. Gerettet wurden die beiden schließlich durch Schäfers Handyverlauf, der zeigte, dass sie vor dem Lockdown täglich von Österreich aus telefoniert hatte, seither aber nur mehr aus der Schweiz. „Ich wurde verwarnt und dann gehen gelassen. Den Rest des Lockdowns über habe ich mich der Grenze nicht mehr genähert“, erinnert sie sich schmunzelnd.

Sarah Karina Schäfer verbrachte den ersten Lockdown bei ihrem Freund in der Schweiz. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Sarah Karina Schäfer verbrachte den ersten Lockdown bei ihrem Freund in der Schweiz. Handout/Privat