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Neue Chancen am Arbeitsmarkt

24.02.2021 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Qualifizierung ist eine Maßnahme gegen Lanzeitarbeitslosigkeit.                                             AK/Gorbach
Qualifizierung ist eine Maßnahme gegen Lanzeitarbeitslosigkeit. AK/Gorbach

Die AK fordert einen Masterplan und einen dritten Arbeitsmarkt

Die Gründe, die dazu führen, dass jemand für längere Zeit arbeitslos bleibt, sind unterschiedlich. „Einerseits betrifft das Menschen, die gesundheitliche Probleme haben. Andererseits fehlt oft die Qualifikation. Und ein ganz wesentliches Thema ist natürlich auch das Alter“, so Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle. Die Situation am Arbeitsmarkt ist derzeit alles andere als erfreulich. Aufgrund der schwierigen Konjunkturlage im Zuge der Covid-Krise sind mehr Menschen denn je von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Für diese Gruppe ist es bsonders schwer, am sogenannten ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Mehr als 3000 Menschen in Vorarlberg werden in den nächsten Jahren kaum Chancen haben, einen Arbeitsplatz zu finden. In Österreich sind es insgesamt über 170.000. „Was wir dringend brauchen, ist ein Masterplan des Bundes sowie einen erweiterten Arbeitsmarkt, der Langzeitarbeitslosen dauerhafte berufliche Perspektiven bietet“, betont Hämmerle.

AK-Direktor Rainer Keckeis (links) und AK-Präsident Hubert Hämmerle (rechts)               AK/Gorbach
AK-Direktor Rainer Keckeis (links) und AK-Präsident Hubert Hämmerle (rechts) AK/Gorbach

Dritter Arbeitsmarkt

Ein Ansatz für diesen erweiterten Arbeitsmarkt wäre laut Hämmerle die Errichtung eines „dritten Arbeitsmarktes“. Dieser soll im Gegensatz zum zweiten Arbeitsmarkt nicht zeitlich limitiert sein. Dies könnte in Form einer Betriebsgründung geschehen. Deshalb fordert die AK den Start eines Pilotprojekts „ChancenMarkt“ im Land. Dort sollen vorerst 100 Dauerarbeitsplätze geschaffen werden, die von der öffentlichen Hand über die Notstandshilfe oder Mindestsicherung als Grundsubvention für den Betrieb mitfinanziert werden. „Dort wollen wir die Menschen nicht weiterqualifizieren. Sondern sie können eine Beschäftigung finden und zwar bis zur Pension“, ergänzt der AK-Präsident. So soll dieses Pilotprojekt vor allem älteren Langzeitarbeitslosen zugutekommen. Diese Menschen gehen dann wieder einer geregelten Arbeit nach, zahlen Steuern und das Selbstwertgefühl steigt.

Goldener Westen

Dass gerade Vorarlberg bei der Langzeitarbeitslosigkeit ganz vorne ist, überrascht. Was sagt das über den goldenen Westen? „Ich glaube, dass das auch damit zu tun hat, das wir ein hoch entwickelter Technologiestandort sind. Qualifikation ist hier das um und auf. Wenn die Qualifikation und die gesundheitlichen Voraussetzungen nicht mehr reichen, wird es für die Betroffenen nahezu unmöglich, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, so Hämmerle.
Das ist für die einzelnen Betroffenen eine Katastrophe und führt bei vielen zu psychischen Problemen und Armut. Die Arbeiterkammer fordert hier konkret eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent Nettoersatzrate. „Es muss da ein politischer Wille spürbar sein. Wir haben seit Beginn der Krise viel Geld in die Hand genommen, um die Betriebe und Unternehmer zu unterstützen. Es wird höchste Zeit, dass auch die Arbeitslosen zum Zug kommen. Die Hälfte aller Arbeitslosen bekommen weniger als 900 Euro. Davon kann man in Vorarlberg nicht leben“, betont Hämmerle. Die Armutsgefährdungsschwelle ist bei etwa 1200 Euro.

Ping-Pong

„Der erste und der zweite Arbeitsmarkt greifen zu kurz. Das ist eine Erkenntnis, die wir aus der Zuspitzung der Lage durch Corona ziehen können. Wir wissen, dass 40 Prozent der Langzeitarbeitslosen in diesem Vermittlungs-Ping-Pong feststecken“, schildert AK-Direktor Rainer Keckeis den aktuellen Zustand. Gleichzeitig ist die Zahl der mehr als fünf Jahre lang arbeitslosen Personen seit 2012 auf das mittlerweile Fünffache gestiegen, wie Keckeis weiter ausführt.

Unterschiedliche Modelle

„Es gibt solche Modelle auch im Ausland. In der Schweiz gibt es das DOCK-Modell. Die übernehmen dort Leistungen, die sonst ins Ausland ausgelagert würden“, erklärt Keckeis. Auf lange Sicht gesehen wären etwa 1000 Arbeitsplätze dieser Art vonnöten. Auch die eingestellte „Aktion 20.000“ wäre eine fundierte Grundlage für eine Weiterentwicklung von längerfristigen Beschäftigungsangeboten. „Für das Pilotprojekt in Vorarlberg würden wir etwa 1,5 Millionen Euro brauchen. Aber damit hätten 100 Menschen, die in der Langzeitarbeitslosigkeit und Mindestsicherung hängen, wieder eine echte Perspektive. Wir brauchen einen Chancenmarkt, einen dritten Arbeitsmarkt.“