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Bänker fordern mehr Spielraum

25.02.2021 • 19:35 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Wilfried Hopfner (v.l), Hans Peter Metzler und Werner Böhler informierten in der Pressekonferenz rund um das Thema „Liquidität für die Vorarlberger Wirtschaft“. <span class="copyright">WKV</span>
Wilfried Hopfner (v.l), Hans Peter Metzler und Werner Böhler informierten in der Pressekonferenz rund um das Thema „Liquidität für die Vorarlberger Wirtschaft“. WKV

Liquidität ist für die Wirtschaftskammer heuer das zentrale Thema.

Zum Jahrestag der ersten beiden Covid-19-Infektionen in Österreich informierten der Vorarlberger Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler, WKV-Vizepräsident Wilfried Hopfner und Werner Böhler, Spartenobmann der Banken- und Versicherungsbranche, gestern im Wifi Dornbirn über das Thema „Liquidität für die Vorarlberger Wirtschaft“.

Rasche Hilfe

Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise sind noch nicht ausgestanden und lassen sich auch noch nicht konkret abschätzen“, eröffnet der WKV-Präsident das Pressegespräch. Am besten könne den betroffenen Betrieben derzeit mit flexiblen und vor allem möglichst raschen Unterstützungen geholfen werden. „Unser gemeinsames Ziel muss sein, Liquidität in den Unternehmen zu erhalten, sodass sie, wo es möglich ist, weiterarbeiten und Beschäftigung erhalten können.“

Eine unverzichtbare Rolle bei diesem Vorhaben schreibt Metzler den Vorarlberger Regionalbanken zu, die er selbst auch als „Blutkreislauf der Wirtschaft“ bezeichnet. „Ohne diese Banken funktioniert gar nichts“, ist er überzeugt. Denn diese verstünden das Banking als Unterstützung der Realwirtschaft und nicht als Finanz- oder gar Spekulationswirtschaft. „Regionalbanken sind in dieser extrem herausfordernden Zeit Teil der Lösung und helfen, wo sie können, wenn sie dürfen.“

Dabei bedarf es dem WKV-Präsidenten zufolge jedoch auf der einen Seite wirtschaftlicher Stärke sowie fachlicher Expertise, auf der anderen Seite jedoch auch der entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen. Um ihrer Rolle als starker und verlässlicher Partner allerdings gerecht werden zu können, müsse den Geldinstituten größtmögliche Flexibilität eingeräumt werden. Denn eines steht für Metzler fest: „Wer die regionalen Banken schwächt, schwächt unsere regionale Wirtschaft.“

Regulatorisches Korsett

Diese Sicht teilt auch Wilfried Hopfner, Vizepräsident der Vorarlberger Wirtschaftskammer. Denn obwohl Regionalbanken nicht direkt von der Krise betroffen wären, seien sie natürlich Teil der Wirtschaft und sähen sich als hilfsbereiter Partner der Unternehmen.

„Allerdings agieren wir in einem relativ engen regulatorischen Korsett, in welchem die Aufsicht auch wenig Spielräume gewährt, weil sie unter anderem die Finanzmarktstabilität im Auge hat.“

Trotz dieser Schwierigkeiten zeichnet Hopfner unter Berücksichtigung der Bankbilanzen ein positives Bild. Hohe Liquiditätsbestände, großteils noch nicht ausgeschöpfte Kreditrahmen und noch nicht beanspruchte Fördergelder. Auch was die privaten Haushalte anbelangt, konnten innerhalb eines Jahres ein Anstieg der Sparquote von 8 auf 14 Prozent sowie überschaubare Kontoüberziehungen festgestellt werden.

Blick in die Zukunft

Gerade in Zeiten der Krise hätten sich die Vorarlberger Banken besonders bei Mikrokrediten sowie der Umsetzung von Förder- und Garantieprogrammen als verlässliche Partner bewiesen. Als zentrale Aufgaben hierbei benennt der Experte etwa die Liquiditätsversorgung und Risikoübernahme sowie die Finanzierung der Wirtschaft in Form von Investitionen und Working Capital. „Gerade jetzt ist es wichtig, das Ohr beim Kunden zu haben und zu helfen, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen“, ist der WKV-Vizepräsident überzeugt.

Aufgrund der „Zeit des Verzichts“ durch die Covid-19-Pandemie sei danach mit einem Rückgang der Sparquote und einer erhöhten Investitionsfreude in der Vorarlberger Bevölkerung zu rechnen. Dann müssten seriöse Risikoeinschätzungen vorgenommen und die Wachstums­phase mit Kreditgewährungen begleitet werden. „Dabei müssen wir der Aufsicht aber aufzeigen, wo wir helfen sollten, dass diese Hilfe auch gerechtfertigt ist, und welche regulatorischen Rahmenbedingungen wir dafür brauchen“, erklärt Hopfner.

Werner Böhler, Obmann der Vorarlberger Sparte „Bank und Versicherung“, bezieht sich auf vier „prioritär zu behandelnde Maßnahmen“. <span class="copyright">Dornbirner Sparkasse/Matthias Rhomberg</span>
Werner Böhler, Obmann der Vorarlberger Sparte „Bank und Versicherung“, bezieht sich auf vier „prioritär zu behandelnde Maßnahmen“. Dornbirner Sparkasse/Matthias Rhomberg

Maßnahmen

Bei der Unterstützung der durch die Covid-19-Situation beeinträchtigten Unternehmen in Vorarlberg braucht es aus Sicht von Werner Böhler, Obmann der Vorarlberger Sparte „Bank und Versicherung“, mehrere „prioritär zu behandelnde Maßnahmen“.

Laufzeitverlängerung

Als ers­ten Schritt nennt Böhler das Verlängern aller Covid-19-Garantieprodukte. Die bisherigen Regelungen seien zu kurz angelegt, sodass die Rückzahlungen wieder ein enormes Loch in die Kassen der Unternehmen reißen würden: „Deshalb sollen Tilgungsbeginne später erfolgen und Laufzeiten deutlich verlängert werden.“

Erste Schritte gebe es hier bereits: Das Bundesministerium arbeite derzeit an einer diesbezüglichen Lösung, und auch die österreichischen Banken trügen durch flexiblere Gestaltung des Rückzahlungsbeginns ihren Teil dazu bei.

Eigenkapitalsicherung

Auch die Aufrechterhaltung der Liquidität der Unternehmen und in weiterer Folge die Sicherung ihres Eigenkapitals hätten hohe Priorität. Hierfür bedarf es dem Experten zufolge einer Tilgungsstruktur zur Abtragung bereits gewährter Steuer- und Abgabenstundungen.

Ebenso wichtig sei die Möglichkeit der Ratenzahlung zur Liquiditätssicherung und Verhinderung von Investitionsstopps. „Neue Meldeerfordernisse und Bürokratie müssen aber unbedingt vermieden werden, um Banken Raum und Luft für ihre Hauptaufgabe – die Übernahme von Risiko und Finanzierung der Wirtschaft – zu lassen“, so Böhler.

Sonderregelung

Auch das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht sei in solch besonderen Zeiten ein wichtiger Faktor, besonders für Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell, die coronabedingt eine „einmalige“ Bilanzbildverschlechterung erleiden.

Als Hindernis hierfür erkennt Böhler jedoch die aktuellen Bestimmungen des Unternehmensreorganisationsgesetzes (URG). Für ihn wäre „eine temporäre Lockerung dieser in Normalzeiten sinnvollen Kriterien hilfreich“.

Rahmenbedingungen

Abschließend gelte es, Rahmenbedingungen für einen funktionierenden Risiko- und Eigenkapitalmarkt zu schaffen. Steuerliche Anreize und unbürokratische Zugänge zu den Klein- und Mittelbetrieben (KMU) seien für Investoren von großem Stellenwert.

Einen möglichen Lösungsansatz erkennt der Obmann der Vorarl­berger Sparte Bank und Versicherung in regionalen Fonds unter Beteiligung des Landes als Wirtschaftsmotor.

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