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Gastro-Öffnung die Rote Karte zeigen

11.03.2021 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine klare Message vom „Mile’s Diner“-Team unter der Leitung von Julia Krapick (m.) und Patricia Mitterer (r.) an die Fans ihrer klassisch amerikanischen Küche.<span class="copyright"> </span> <span class="copyright">Privat</span>
Eine klare Message vom „Mile’s Diner“-Team unter der Leitung von Julia Krapick (m.) und Patricia Mitterer (r.) an die Fans ihrer klassisch amerikanischen Küche. Privat

Inhaberinnen erklären, warum sie sich gegen Öffnung entscheiden.

Am Montag ist es endlich so weit. Erste Öffnungsschritte sollen den Vorarl­berger Gastronomiebetrieben wieder neues Leben einhauchen. Ein langersehnter Hoffnungsschimmer für die von der Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen gebeutelten Branchen. Sollte man zumindest meinen. Denn die Corona-Krise ist auch weiterhin ein präsenter Teil unser aller Leben. Und auch die ersten Schritte zurück in die Normalität sind noch lange kein Anlass, sich in Sicherheit zu wiegen.
So wird auch die Wiedereröffnung der Gastronomie von etlichen Richtlinien überschattet. Das Vorlegen eines negativen PCR-Tests, Zapfenstreich um 20 Uhr und der verpflichtende Sicherheitsabstand von zwei Metern – es gilt viel zu beachten. Die Zeiten eines spontanen, umkomplizierten Café-Besuchs sind vorbei.

Keine Zeit für Vorbereitungen

Für einige Vorarlberger Betriebe ist eine Wiedereröffnung unter diesen Bedingungen untragbar. Immerhin ginge es weniger um die Frage des guten Willens, als um jene einer fachgerechten Umsetzung. Trotz der offiziellen Erlaubnis von Seiten der Regierung beschließen sie, den Gasthaus-Betrieb in gewohnter Form noch nicht wieder aufzunehmen. So auch das Team des amerikanischen Restaurants „Mile’s Diner“ in Bregenz.
„Anfangs waren wir, wie vermutlich viele, begeistert von der Nachricht über eine bevorstehende Wiedereröffnung der Gastronomie“, erklärt Julia Krapick, eine der beiden Geschäftsführerinnen des Bregenzer Lokals im Stil eines amerikanischen Bistros aus den 50er-Jahren.
Nachdem ein konkreter Plan von Seiten der Bundesregierung jedoch so lange auf sich warten ließ, schien es dem „Mile’s Diner“-Team unmöglich, ausreichende Vorbereitungen für eine Wiedereröffnung zu treffen. „Daher haben wir uns entschlossen, uns das ganze Theater zu ersparen und dem Thema Gastro-Öffnung die metaphorische Rote Karte zu zeigen“, erklärt Krapick weiter. Burger und Milchshakes gibt es vorerst also weiter nur per Take Away.

Das Problem der Abstandsregelung

Und auch nun, da der Regierungsfahrlplan im Großen und Ganzen feststeht, bereut die Gastronomin diese Entscheidung nicht. Denn eine Umsetzung der diesbezüglichen Sicherheitsvorkehrungen hätte sich für das räumlich eher kleiner ausfallende Restaurant sehr schwierig gestaltet: „Durch die verpflichtende Einhaltung des Zwei-Meter-Abstands können wir derzeit im Innenbereich nur mehr vier Tische unterbringen. Da macht eine Öffnung nur wenig Sinn.“
Auch die Notwendigkeit eines negativen PCR-Tests für den Besuch eines Lokals, während bei Veranstaltungen ein Selbsttest ausreiche, stößt bei Krapick auf Kritik. „Hier wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Und auch wenn viele bestimmt bereit wären, den PCR-Test für das eigene Freiheitsgefühl auf sich zu nehmen, nimmt es dem Ganzen aber natürlich viel an Spontanität und damit auch an Attraktivität“, ist die Gastronomin überzeugt.

Sperrstunde als K.o.-Kriterium

Diese Meinung teilt auch Marion Grätzner, Geschäftsführerin der „Low – Bar und so“ in Bregenz. Auch sie hat sich dazu entschlossen, den Bar-Betrieb so schnell nicht wieder aufzunehmen. Der Grund hierfür sei glasklar – nämlich die Sperrstunde um 20 Uhr.
„Wir öffnen normalerweise gegen 17 Uhr und dann sollen wir um 19.30 Uhr schon wieder dicht machen? Das geht sich schlicht und ergreifend nicht aus“, erklärt die Geschäftsführerin. Und auch eine Vorverlegung der Öffnungszeiten seien im Falle des „Low“ keine Option. „Am Nachmittag sind alle bei der Arbeit, da hat keiner Zeit, auf ein Bier in der Bar vorbeizuschauen. Haben wir alles schon mal probiert“, erklärt Grätzner.
Und dann sollen sich die Kunden in dieser ohnehin bereits sehr geringen Zeitspanne auch noch einem PCR-Test unterziehen, um herein zu können – für die „Low“-Chefin ein No-Go. „Ich werde meinen Gästen nicht zumuten, sich alle 48 Stunden wegen zwei bis drei Stunden am Abend testen lassen zu müssen.“ Dazu komme noch die kaum einhaltbare Abstandsregel „und Gastgarten ist bei dieser Kälte kein Thema. Alles in allem ist die Öffnung unter diesen Voraussetzungen nicht rentabel.“

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