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Impfreaktionen: Erwünscht und doch gefürchtet

20.03.2021 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Jüngere spüren die Impfreaktionen stärker. Trotz Medikation können diese sehr heftig ausfallen.

Neben der teils sehr emotional geführten Diskussion um den Impfstoff von AstraZeneca macht vor allem ein Thema in Bezug auf die Covid-19-Impfung die Runde: die sogenannten Impfreaktionen. Viele haben weder bei der ersten noch bei der zweiten Impfung etwas gespürt. Manche hingegen berichten von heftigsten Reaktionen, die bis zu 48 Stunden dauern können.

Der praktische Arzt Robert Spiegel betont, dass die Impfreaktionen durchaus erwünscht sind. Die klassischen Auswirkungen einer Impfreaktion gleichen einer Grippe. Die Patienten haben dann Schüttelfrost, Fieber und Gliederschmerzen. „Was bei einem mRNA-Impfstof wie Biontech/Pfizer oder Moderna auch vorkommt, ist diese grausame Müdigkeit. Und da helfen auch keine Medikamente.“

Spiegel selbst wurde mit Biontech geimpft und hat massive Reaktionen. „Bei meinem zweiten Stich war ich zwei Tage außer Gefecht. Aber so richtig. Nach 48 Stunden war alles wieder wie weggeblasen.“ Dass es Menschen gibt, die vor den Impfreaktionen mehr Angst haben als vor einer Corona-Erkrankung, kann Spiegel nicht nachvollziehen

Mexalen

Armin L. (44, Name von der Redaktion geändert) aus Feldkirch wurde mit AstraZeneca geimpft: „Mir hat man empfohlen, ein Mexalen (Paracetamol) zu nehmen, und zwar gleich, nicht erst beim Eintreten von Beschwerden. Das habe ich aber nicht gemacht, erst am Abend vor dem Schlafen.“

Herr L. ist dann sehr zeitig aufgewacht mit leichtem Kopfweh, hat aber am Vormittag noch gearbeitet. „Ab Mittag war ich richtig platt, und habe am Nachmittag dann geschlafen. Am Abend war ich schon wieder fit.“

Minimal

Nevenka Komes ist Lehrerin an der Volksschule Schendlingen in Bregenz und hat AstraZeneca bekommen. Die Impfreaktionen waren minimal: „Die Einstichstelle wurde ein wenig hart und geschwollen, und die Hand tat mir weh. Aber ich bin am nächsten Tag schon wieder in den Bergen gewesen. Also, das war nicht der Rede wert.“ Von der Bergrettung habe ihr jemand geraten, dass sie ein Mexalen nehmen soll. Das hat sie dann auch gemacht, eine Stunde vor der Impfung.

Auch Sonja F. (43) wurde mit AstraZeneca geimpft. „Ich hatte in der Nacht hefigen Schüttelfrost. Und das über mehrere Stunden hinweg.“ Und am kommenden Tag starke Kopf- und Gliederschmerzen. „Ich habe mich gefühlt, als ob ich von einem Lkw gerammt worden wäre. In der Nacht habe ich Ibuprofen genommen und am kommenden Tag Thomapyrin gegen das Kopfweh.“ Am nächsten Morgen sei der Spuk vorüber gewesen.

Die Kinderärztin Alexandra Rümmele-Waibel betont, dass sowohl bei AstraZeneca als auch bei Bionthech/Pfizer die gleichen Impfreaktionen auftreten können. Nur der Zeitpunkt sei ein anderer. Wenn Reaktionen da sind, ist das ein Zeichen, dass die Impfung wirkt. „Ich war richtig platt und zwei Tage mit hohem Fieber tief im Bett“, erzählt die Ärztin.

Es geht auch ohne

Ich hatte am nächsten Tag leichtes Fieber. Aber das war innerhalb von 24 Stunden wieder vorbei“, beschreibt Iris Mähr (60) ihre Reaktionen. Sie hat keine Medikamente genommen, obwohl es ihr viele empfohlen haben. Mähr ist 60 Jahre alt und neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin auch Psychotherapeutin.

Keine Angst

Andrea Burger (54) hatte eineinhalb Tage massive Reaktionen. „Starke Gliederschmerzen, Kopfweh und auch Fieber. Ich habe mich krank gefühlt. Allerdings war es schnell wieder vorbei.“ Frau Burger hat ebenfalls AstraZeneca bekommen. Die Reaktionen traten etwa sieben Stunden nach der Impfung auf, wie Burger ergänzt. Auch sie hat davor ein Mexalen eingenommen. Und dennoch hat sie die Reaktionen bekommen. „Ich hatte auch danach das Gefühl gehabt, dass das was genutzt hat. Und ich würde das sofort wieder machen. Ich habe keine Angst vor dem Impfstoff. Ich glaube, das ist eher eine politische Sache.“

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