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Helfer im Schatten der Krise

27.03.2021 • 22:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die stillen Helfer in der Krise. <span class="copyright">hartinger</span>
Die stillen Helfer in der Krise. hartinger

Wir holen vier Mitarbeiter des Roten Kreuzes vor den Vorhang.

Petra Gebhard: „Mit Leib und Seele dabei“

Petra Gebhard ist seit 30 Jahren beim Roten Kreuz und von Beruf Arzthelferin. Derzeit ist sie im Testzentrum Dornbirn und im dazugehörigen Impfzentrum im Führungsteam. „Das Testen liegt mehr oder weniger in unserer alleinigen Hand. Und beim Impfen sind wir der administrative Partner des Landes und der Ärztekammer.“ Seit 14. März 2020 ist Gebhard in Sachen Covid-19 für das Rote Kreuz im Dauereinsatz. Davor war sie fünf Jahre lang im Flüchtlingsbereich aktiv. In Dornbirn ist Gebhard für die reibungslose Organisation und die Abläufe in den Teststraßen zuständig. „Das Herausfordernde ist die permanente Flexibilität, die von mir erwartet wird. Da gilt es, mitunter schnell zu reagieren.“ Gebhard ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auch die Familie muss sehr flexibel sein, betont die 48-jährige Harderin. „Meine Lieben wissen, dass mir das Rote Kreuz sehr wichtig ist. Ich bin mit Leib und Seele dabei. Da kann ich auf die Familie bauen. Die halten das am Laufen, auch wenn ich selten zu Hause bin.“ Ihre Kinder sind bereits 10 und 14 Jahre alt. Und dann gibt es auch noch die Schwägerin, die viel für die Familie da ist. „Und mein Mann versucht auch gewisse Sachen zu erledigen, die ich derzeit wegen der aktuellen Lage nicht übernehmen kann.“

Petra Gebhard (48) kann sich auf ihre Familie verlassen. Sie gibt ihr den Rückhalt, den sie braucht. <span class="copyright">RK</span>
Petra Gebhard (48) kann sich auf ihre Familie verlassen. Sie gibt ihr den Rückhalt, den sie braucht. RK

Daniel Peter: „Es sind mitunter kurze Nächte“

Die Reaktionen der Bevölkerung sind unterschiedlich. Das pendelt zwischen Dankbarkeit und Unmut.“ Der Feldkircher Daniel Peter (41) ist bereits seit 23 Jahren beim Roten Kreuz. Er war jahrelang beim Rettungsdienst. Davon 20 Jahre hauptberuflich. Seit Kurzem ist er Bereichsleiter in der Teststraße in Dornbirn. Und dort auch für die mobilen Testungen zuständig. Je nach Bedarf gibt es immer ein paar Teams, die zu bettlägerigen Personen fahren oder auch in Schulen oder Firmen testen. Das alles unterliegt seiner Organisation. Die letzten Tage waren sehr herausfordernd. Innerhalb von einer Nacht haben er und seine Kollegen eine komplette Teststraße im Leiblachtal aufgebaut. „So etwas geht nur mit vielen ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeitern, die alle an einem Strang ziehen.“ Daniel Peter ist verheiratet und hat eine dreijährige Tochter. Das Familienleben ist seit der Corona-Pandemie etwas in den Hintergrund gerückt. „Es sind mitunter kurze Nächte. Ich habe gestern nur drei Stunden geschlafen.“ Es gibt Wochen, in denen das dann gehäuft vorkommt. „Aber ich schaue schon, dass ich immer wieder mal einen ganzen Tag zu Hause sein kann. Denn ich habe einen ausgeprägten Familiensinn. Und die zwei sind mir am wichtigsten.“

Daniel Peter (41) ist seit 23 Jahren beim Roten Kreuz. Zuerst ehrenamtlich, seit 2001 hauptberuflich. <span class="copyright">hartinger</span>
Daniel Peter (41) ist seit 23 Jahren beim Roten Kreuz. Zuerst ehrenamtlich, seit 2001 hauptberuflich. hartinger

Andreas Keckeis: „Die Moral ist immer noch gut“

Andreas Keckeis (42) kommt aus Röthis. Er ist verheiratet und hat einen 15-jährigen Sohn. Keckeis ist seit 2001 beim Roten Kreuz und seit 15 Jahren in Dornbirn in der Dienststellenleitung. „Unsere Hauptaufgabe sind Rettungs-und Krankentransporte. Das sind im Jahr an die 18.000 Einsätze.“ Und da hat Corona viel verändert. Seit einem Jahr ­fahren sie nun Infektionstransporte. „Wir müssen durchgehend Masken, Brillen und Schutzkleidung tragen.“ Im letzten Jahr gab es 4000 Infektionstransporte in Vorarlberg. Die sind sehr zeitaufwendig. Denn nach jedem Transport muss das komplette Auto gereinigt und desinfiziert werden. Da gehe mitunter dann auch Ruhezeit drauf. Zudem hat der bürokratische Aufwand massiv zugenommen. Trotz der langen und hohen Belastung ist der Zusammenhalt nach wie vor groß. „Die Moral ist immer noch gut.“ Keckeis ist direkt nach dem Zivildienst beim Roten Kreuz geblieben und hauptamtlich eingestiegen. „Meine Frau war selbst beim Rettungsdienst und somit sehr tolerant, was lange Dienstzeiten betrifft. Ich glaube, das würde nicht jede mitmachen.“ Der Röthner ist auch passionierter Hobby-Eis­hockeyspieler. „Da das derzeit leider nicht möglich ist, investiere ich die Zeit halt ins Arbeiten“, scherzt Keckeis.

Andreas Keckeis ist in der Dienststellenleitung in Dornbirn. Auch seine Frau war eine Zeit lang beim Rettungsdienst.<span class="copyright">RK</span>
Andreas Keckeis ist in der Dienststellenleitung in Dornbirn. Auch seine Frau war eine Zeit lang beim Rettungsdienst.RK

Nadine Seifert: „Spüren die Verunsicherung“

Nadine Seifert ist 29 Jahre alt. Sie stammt aus Rankweil und ist seit Kurzem verlobt. Seifert ist bei der Gesundheitshotline 1450 tätig. Ihr Arbeitsplatz ist in der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Feldkirch. „Ich bin seit 2017 beim Roten Kreuz. Gelernt habe ich Diplom-Krankenschwester.“ 1450 ist für alle symptomatischen Patienten zuständig. Laut Seifert landet aber fast alles, was mit Corona zu tun hat, bei dieser Nummer. „Wir sind einerseits die Schnittstelle, die die Menschen dann zu den richtigen Abteilungen weiterleiten. Aber wir machen auch viel Aufklärungsarbeit am Telefon.“ Generell merke man, dass viele Menschen ängstlich sind. Und sobald ein neues Thema aufpoppt, wie etwa die Mutationen oder Impfreaktionen, laufen die Drähte heiß. „Wir spüren die Verunsicherung.“ Der Betrieb bei der Gesundheitshotline läuft rund um die Uhr. Vor allem im letzten März, als Corona noch neu und unbekannt war, haben die Anrufe kein Ende genommen. Seifert arbeitet sehr gerne in einem Team. „Da bin ich beim Roten Kreuz gut aufgehoben.“ Die Ranklerin liebt die unterschiedlichsten Outdoor-Sportarten. „Beim Laufen oder bei einer Skitour kann ich mich gut ablenken. Und da hole ich mir dann wieder die Energie für meine Arbeit.“

Nadine Seifert (29) ist eine Team­playerin. Sie ist seit Kurzem verlobt. 2017 begann sie beim Roten Kreuz. <span class="copyright">RK</span>
Nadine Seifert (29) ist eine Team­playerin. Sie ist seit Kurzem verlobt. 2017 begann sie beim Roten Kreuz. RK

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