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Haftuntauglich wegen Angst vor Menschen

01.04.2021 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wegen gefährlicher Drohung und Nötigung wurde der vorbestrafte Angeklagte bereits 2018 am Landesgericht Feldkirch rechtskräftig zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.<span class="copyright"> Symbolbild/Hartinger</span>
Wegen gefährlicher Drohung und Nötigung wurde der vorbestrafte Angeklagte bereits 2018 am Landesgericht Feldkirch rechtskräftig zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Symbolbild/Hartinger

24-Jähriger muss wegen sozialer Phobie Haftstrafe vorerst nicht verbüßen.

Wegen gefährlicher Drohung und Nötigung wurde der vorbestrafte Angeklagte bereits im Jahr 2018 am Landesgericht Feldkirch rechtskräftig zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Soziale Phobie

Bislang hat der 24-Jährige die Haftstrafe aber noch nicht verbüßen müssen.
Denn ein vom Gericht bestellter psychiatrischer Gutachter hält ihn für haftuntauglich.
Der Psychiater hat dem jungen Mann eine ausgeprägte soziale Phobie bescheinigt. Demnach hat der suchtkranke Unterländer derart große Angst vor anderen Menschen, dass ihm ein Zwangs­aufenthalt in einem Gefängnis nicht zuzumuten wäre.
Deshalb hat das Landesgericht dem Verurteilten 2019 einen Haftaufschub von vorerst einem Jahr gewährt. Das neue psychiatrische Gutachten, in dem seine Erkrankung und damit seine Hafttauglichkeit neuerlich abgeklärt wird, liegt noch nicht vor.

Angeklagter erneut straffällig

Während des Haftaufschubs hat der 24-Jährige nach Ansicht des Landesgerichts im Vorjahr wiederum Straftaten verübt:
Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung zum Nachteil seines ehemaligen Drogenlieferanten sowie Morddrohungen mit einem Messer im Vollrausch gegen Lokalgäste.
Dafür wurde der dreifach vorbestrafte Angeklagte nun zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt. Hinzu kommen zehn Haftmonate aus einer Vorstrafe wegen Drogenhandels.
Damit beträgt die Gesamtstrafe 22 Monate Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die mögliche Höchststrafe wäre drei Jahre Haft gewesen.

Hafttauglichkeit

Die Frage nach der Hafttauglichkeit des Angeklagten stellt sich zur nunmehrigen Verurteilung, sollte sie rechtskräftig werden, zumindest nicht sofort. Denn Richter Thomas Wallnöfer hat den 24-Jährigen, der nach Einschätzung eines Gerichtspsychiaters von Cannabis und Alkohol abhängig ist und eine stationäre Entzugstherapie benötigt, in eine Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher eingewiesen.

Entzugstherapie

Das würde bedeuten, dass der Arbeitslose sich zunächst im Krankenhaus Maria Ebene in Frastanz oder in der Drogenstation Lukasfeld in Meiningen einer stationären Therapie unterziehen muss. Die Dauer der Therapie würde von der 22 Monate umfassenden Haftstrafe abgezogen werden.
Sollte die Entzugstherapie etwa 22 Monate oder länger dauern, würde die Freiheitsstrafe bereits als abgesessen gelten. Bei einer kürzeren Therapie wäre der verbleibende Haftrest zu verbüßen – falls bis dahin Hafttauglichkeit gegeben wäre.

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