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Notwehr rechtfertigte schwere Verletzung

01.04.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die beiden verschiedenen Versionen der Ereignisse warfen bei der Richterin Zweifel auf. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Die beiden verschiedenen Versionen der Ereignisse warfen bei der Richterin Zweifel auf. Symbolbild/Hartinger

Angeklagter wehrte sich mit Faustschlag gegen Angriff mit Hammer.

Der 49-jährige Angeklagte versetzte seinem Widersacher nach Ansicht der Richterin im November 2020 im Bezirk Bludenz einen Faustschlag gegen die Nase. Daraufhin stürzte der geschlagene 39-Jährige so unglücklich auf den Kiesweg, dass er sich dabei den rechten Knöchel brach. Der Schwerverletzte musste im Krankenhaus operiert werden und befand sich mit einem Gips wochenlang im Krankenstand.

Zweifel nach verschiedenen Versionen

Im Zweifel ging Richterin Sabrina Tagwercher von den Angaben des von Hamit Öztürk verteidigten Angeklagten aus. Die Strafrichterin wertete das Verhalten des Türken als gerechtfertigte Notwehr. Deshalb wurde der unbescholtene Angeklagte am Donnerstag in der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.

Der Angeklagte sagte, der 39-Jährige habe einen Hammer in der Hand gehalten und ihn damit schlagen wollen. Dagegen habe er sich gewehrt, indem er ihn gestoßen oder geschlagen habe. Die Gattin des Angeklagten bestätigte diese Angaben.

Schilderung Zeuge

Der 39-Jährige entgegnete als Zeuge, er habe keinen Hammer in der Hand gehalten. Er habe den 49-Jährigen wieder einmal gebeten, das geparkte Auto von seiner Zufahrt zu entfernen. Zumal er bei seinem Grundstück mit Maurerarbeiten beschäftigt gewesen sei. Er habe nicht riskieren wollen, dass der geparkte Pkw dabei beschädigt wird.

Der Angeklagte haben nebenan einen Garten gemietet. Während der Diskussion ums Parken habe der Beschuldigte ihm einen Faustschlag gegen die Nase verpasst. Er sei dann so unglücklich gestürzt, dass er sich den Knochenbruch zugezogen habe.

Richterin Tagwercher sagte, es gebe zwei gegensätzliche Versionen vom Vorfall, jene des Angeklagten und jene des mutmaßlichen Opfers.
Keine der Schilderungen sei glaubwürdiger als die andere. Deswegen habe sie im Zweifel von den Angaben des Angeklagten auszugehen.

Notwehr angebracht

Bei einem drohenden Angriff mit einem Hammer sei es erlaubt, sich mit einem Schlag dagegen zu wehren. Da könne nicht von einer überzogenen Notwehr die Rede sein. Man müsse in einer derartigen Situation nicht die Flucht ergreifen.
Verteidiger Öztürk meinte, der Knöchelbruch sei wohl bei einem anderen Vorfall entstanden. Die Richterin hingegen war überzeugt davon, dass sich der 39-Jährige beim Sturz nach dem Faustschlag des Angeklagten den Knöchel gebrochen hat.