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So wurde im Ländle gefastet

03.04.2021 • 06:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Dinge, auf welche die Vorarlberger in der Fastenzeit verzichteten, sind unterschiedlich. <span class="copyright">Shutterstock </span>
Die Dinge, auf welche die Vorarlberger in der Fastenzeit verzichteten, sind unterschiedlich. Shutterstock

Die NEUE hat sich umgehört, ob und auf was im Ländle verzichtet wurde.

Ob Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten, mit der Fastenzeit ging nun auch die alljährliche religiös geprägte Zeit des Verzichts zu Ende. Doch wie stehen die Vorarlberger in der heutigen Zeit zu dem traditionellen Brauch? Die NEUE hat im Ländle nachgefragt.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Katharina Maier, Lustenau: “Eigentlich habe ich nie gefastet, bis meine Mutter vergangenes Jahr beschlossen hatte, auf Fleisch zu verzichten“, erklärt Katharina Maier aus Lustenau. Nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ beschloss die 20-Jährige, sich ihrer Mutter anzuschließen und merkte, wie gut ihr die Zeit des Verzichts tat. Sie beschloss, die neugewonnene Tradition weiterzuführen. „In Zeiten von Corona, wo man gerne auch mal öfters zur Flasche greift, hab ich beschlossen, auf Alkohol zu verzichten.“

Katharina Maier aus Lustenau. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Katharina Maier aus Lustenau. Handout/Privat

Verzicht – ohne Joker oder Ausnahmen

Reinhard Ritter, Dornbirn: Für Reinhard Ritter aus Dornbirn bedeutet die Fastenzeit auch, zur Ruhe zu kommen und mal richtig abzuschalten. „Fasten heißt natürlich auch, sich in Verzicht zu üben – kein Alkohol, kein Nikotin, kein Kaffee, nichts Süßes und auch keine Leberkäse­semmel. Das mache ich nun schon seit 25 Jahren so. Ausnahmen oder Joker gibt es bei mir diesbezüglich keine.“ Umso größer falle dann anschließend auch die Freude über das Osterfest aus, zu dem sich dann wieder dem langersehnten und auch wohlverdienten Genuss hingegeben werden darf.

Corona ist schon Verzicht genug

Anita Dietl, Bregenz: “Früher habe ich jedes Jahr gefastet – mal mehr und mal weniger streng“, erklärt Anita Dietl. Dabei haben die Bregenzerin und ihre Familie versucht, ihre Nahrungsmittel auf das Nötigste zu beschränken. Nur am Wochenende gab es immer einen Tag, an dem sie sich auch Fleisch gönnten. Heuer jedoch hat sich Dietl entschlossen, die Fastenzeit auszusetzen: „In Zeiten von Corona gibt bereits zu viel, auf das wir verzichten müssen. Da macht Fasten keinen Sinn für mich.“ Einzig am Aschermittwoch und Karfreitag halte sie sich streng daran, kein Fleisch zu essen.

Anita Dietl aus Bregenz.<span class="copyright"> Handout/Privat</span>
Anita Dietl aus Bregenz. Handout/Privat

Fasten hängt nicht vom Kalender ab

Julius Hauck, Dornbirn: “Den eigenen Gelüsten zu widerstehen, hat etwas mit wahrer Charakter-Stärke zu tun“, erklärt Julius Hauck aus Dornbirn. Eine Stärke, die er sich auch selbst bewies, als er auf Alkohol und Fleisch verzichtete. „­Allerdings nicht zur Fastenzeit. Es geht mir dabei um den Willen dahinter und nicht um einen vom christlichen Kalender festgelegten Zeitraum.“

Julius Hauck aus Dornbirn. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Julius Hauck aus Dornbirn. Handout/Privat

Fasten wird zum Lebensstil

Chris Hochegger, Andelsbuch: Seit seiner Kindheit fastet Chris Hochegger aus Andelsbuch jedes Jahr zur Osterzeit. Heuer hat der 25-Jährige gänzlich auf Fleisch und Alkohol verzichtet. „Nachdem ich gemerkt habe, wie gut die Fastenkur meinem Körper getan hat, möchte ich dieses Ernährungsverhalten nun dauerhaft beibehalten.“

Chris Hochegger aus Andelsbuch. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Chris Hochegger aus Andelsbuch. Handout/Privat

Ein Leben ohne Fleisch ist gar nicht so schwer

Peter Winkler, Dornbirn: Auch Peter Winkler aus Dornbirn war von Anfang an klar, dass er sich auch dieses Jahr der Herausforderung Fasten stellten möchte. „Zuerst hatte ich vor, in der Fastenzeit an der ‚Aktion Trocken‘ teilzunehmen, die gesamten 40 Tage über also komplett auf alkoholische Getränke zu verzichten. Dann haben jedoch mein Mitbewohner und ich gemeinsam entschieden, dass in Zeiten von Corona-bedingten Regierungsmaßnahmen und Lockdowns ein gemeinsames Bier das letzte gesellschaftliche Ereignis darstellt, das uns noch geblieben ist. Darauf wollten wir also nur sehr ungern verzichten.“ So überlegte sich der 22-Jährige, worauf es sich denn noch zu verzichten lohnen würde.

Peter Winkler aus Dornbirn. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Peter Winkler aus Dornbirn. Handout/Privat

Süßigkeiten waren für ihn ohnehin niemals ein großes Thema, sich also dafür zu entscheiden, wäre für Winkler keine große Herausforderung gewesen. Der Sinn dahinter wäre demnach komplett verloren gegangen. „So habe ich mich dann dazu entschieden, die ganze Fastenzeit über ausnahmslos auf Fleischprodukte zu verzichten.“ Eine großartige Idee, wie sich für den 22-Jährigen schon bald herausstellen sollte. Denn neben der Herausforderung an sich, konnte der Dornbirner dabei auch noch einiges lernen: „Ich habe dadurch viele neue vegetarische Rezepte kennengelernt und dadurch feststellen dürfen, dass ein Leben ohne Fleisch gar nicht so unmöglich ist, wie es uns manchmal erscheinen mag.“

„Gefühl wie neugeboren“

Jessica Kaffenberger, Dornbirn: “Auch ich übe mich jedes Jahr wieder in der Fastenzeit in Verzicht“, erklärt Jessica Kaffenberger aus Dornbirn. Dies habe jedoch keine religiösen oder traditionellen Gründe, sondern gesundheitliche – nämlich um den eigenen Körper zu entgiften. Als ausgebildete Fachberaterin für ganzheitliche Ernährung weiß die 23-Jährige nämlich, welch wichtige Rolle regelmäßige Fas­tenkuren für den menschlichen Körper und die Gesundheit spielen. „Nach dem Fasten fühlt man sich wirklich jedes Mal aufs Neue wie neugeboren, ich kann es daher wirklich nur jedem ans Herz legen.“

Jessica Kaffenberger aus Dornbirn. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Jessica Kaffenberger aus Dornbirn. Handout/Privat

365 Tage im Jahr fasten

Manfred Willam, Dornbirn: Manfred Willam aus Dornbirn hat sich für die Fastenzeit keine bestimmten Vorsätze gemacht. Aus gesundheitlichen Gründen faste er nämlich das ganze Jahr über, wie er selbst erklärt. „Ich habe aber auf jeden Fall großen Respekt vor allen, die sich in der Fastenzeit dazu ­­entschließen, aus welchen Gründen auch immer, auf Speisen, Alkohol, Süßes, Plastik oder Ähnliches zu verzichten.“

Manfred Willam aus Dornbirn.<span class="copyright"> Handout/Privat</span>
Manfred Willam aus Dornbirn. Handout/Privat

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