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Prozess: Heimleiter trotz Corona im Dienst

06.04.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wegen des Vergehens der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten wurden der ehemaligen Leiter eines Bregenzerwälder Seniorenwohnheims und eine seiner Mitarbeiterinnen angeklagt.  <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Wegen des Vergehens der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten wurden der ehemaligen Leiter eines Bregenzerwälder Seniorenwohnheims und eine seiner Mitarbeiterinnen angeklagt. Symbolbild/Hartinger

Altenheimleiter soll trotz Infektion am Arbeitsplatz erschienen sein.

In einem Seniorenwohnheim und damit an einem der sensibelsten Arbeitsplätze in Zeiten der Pandemie sollen die beiden Angeklagten die Verbreitung des Coronavirus in Kauf genommen haben.

Wegen des Vergehens der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten hat die Staatsanwaltschaft am Landesgericht Feldkirch den ehemaligen Leiter eines Bregenzerwälder Seniorenwohnheims und eine seiner Mitarbeiterinnen angeklagt. Das bestätigte Gerichtssprecher Norbert Stütler auf Anfrage.

Missachtung der Quarantäne

Im Strafantrag wird den Angeklagten vorgeworfen, sie seien zwischen 14. und 23. Dezember 2020 unter Missachtung der Absonderungsbescheide der Bezirkshauptmannschaft dennoch bei der Arbeit im Altenheim erschienen. Der Heimleiter sei an Corona erkrankt und habe sich nicht an die über ihn verhängte häusliche Quarantäne gehalten.

Der Strafprozess am Landesgericht findet am 13. März statt. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Für den Fall von Schuldsprüchen sieht das Strafgesetzbuch bis zu drei Jahre Gefängnis vor.

Arbeit trotz Corona-Infektion

Der Leiter des von einer Bregenzerwälder Gemeinde betriebenen Seniorenheims ist am 26. Dezember 2020 entlassen worden. Am Tag zuvor habe der Heimleiter ihm gegenüber in einem Gespräch bestätigt, er habe trotz Corona-Infektion mehrmals im Heim gearbeitet. Das teilte der Bürgermeister auf der Homepage der Gemeinde mit.

Der Heimleiter habe zugegeben, sich bewusst über gesetzliche Vorgaben hinweggesetzt zu haben. Seine Entlassung habe erfolgen müssen, um die Mitarbeiter und Bewohner des Altenwohnheims keinem weiteren Risiko aussetzen zu müssen und die Gemeinde allenfalls vor größerem Schaden zu bewahren.

Prozesse wegen Gefährdung

Bereits im Februar fand am Landesgericht ein Strafprozess wegen einer Corona-Gefährdung statt. Eine mit dem Coronavirus infizierte Frau hat nach den gerichtlichen Feststellungen im Juli 2020 in ihrem Wohnblock ihre Corona-Schutzmaske heruntergerissen und unmittelbar vor ihr stehende Polizisten angeschrien.

Dadurch hat die 31-Jährige nach Ansicht des Richters eine mögliche Corona-Ansteckung der Beamten in Kauf genommen. Deshalb wurde die unbescholtene Angeklagte wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten zu einer teilbedingten Geldstrafe von 5400 Euro (360 Tagessätze zu je 15 Euro) verurteilt. Der unbedingt zu bezahlende Teil betrug 2700 Euro.

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