Lokal

Seilbahn-Bilanz: Umsatzverlust von 90 Prozent

09.04.2021 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Trotz der enormen Umsatzeinbußen blicken Andreas Gapp und Jutta Frick positiv in die Zukunft der Seilbahnwirtschaft. <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Trotz der enormen Umsatzeinbußen blicken Andreas Gapp und Jutta Frick positiv in die Zukunft der Seilbahnwirtschaft. Stiplovsek Dietmar

Eine Zwischenbilanz der Wintersaison 2020/21 für die Seilbahnwirtschaft.

Die Wintersaison 2020/21 für die heimischen Betriebe fasste Andreas Gapp, Fachgruppenobmann der Vorarlberger Seilbahnen, in einer diesbezüglichen Pressekonferenz am Freitag mit drei Stichwörtern zusammen: „Überraschend, bedeutend und ein Balanceakt.“

Andreas Gapp, Fachgruppenobmann der Vorarlberger Seilbahnen. <span class="copyright">Kleinwalsertaler Bergbahnen</span>
Andreas Gapp, Fachgruppenobmann der Vorarlberger Seilbahnen. Kleinwalsertaler Bergbahnen

Denn auch wenn bereits im Vorfeld zu vermuten war, dass eine Wintersaison ohne Hotellerie oder Touristen keine wirtschaftlich rentable werden würde, so wurde dennoch entschieden, den Vorarlbergern durch die Möglichkeit zum Skifahren zumindest ein Stückchen an Normalität zurückzugeben. „Aus Verantwortung der im Ländle heimischen Bevölkerung gegenüber“, wie Gapp erklärt.

90 Prozent Umsatzverlust

Ein Angebot, das großen Anklang in der Bevölkerung fand, wie Jutta Frick, Obmann-Stellvertreterin der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, erklärt: „Es war auf jeden Fall spürbar, dass die Vorarlberger ihren Urlaub im Ländle verbracht haben.“ Und doch fiel die Bilanz erwartungsgemäß ernüchternd aus: Der Gesamtumsatz von 14,1 Millionen Euro entspricht einem Minus von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Lediglich ein Teil der reinen Schleppliftbetriebe konnte ein Umsatzplus verzeichnen. Die Summe der Betriebstage beläuft sich bislang auf 2200 – ein Minus von 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

Die einmalige Chance die heimischen Skipisten beinahe für sich alleine zu haben, wollten sich viele nicht entgehen zu lassen. <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Die einmalige Chance die heimischen Skipisten beinahe für sich alleine zu haben, wollten sich viele nicht entgehen zu lassen. Stiplovsek Dietmar

So verheerend die Bilanz auch ausfällt, hebt Gapp doch hervor, dass trotz allem keine der Gesellschaften vor einem existenziellen Aus stünde: „Die Unternehmen haben glücklicherweise bereits in der Vergangenheit immer gut gewirtschaftet.“ Und auch allgemein bleibt der Fachgruppenobmann positiv gestimmt: „Die Wintersaison 2020/21 war und ist sicher keine einfache. Umso mehr freuen wir uns aber auch über die positiven Entwicklungen, die wir in den vergangenen Monaten beobachten konnten.“

Jutta Frick, Obmann-Stellvertreterin der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft.<span class="copyright"> FOTO_SERRA</span>
Jutta Frick, Obmann-Stellvertreterin der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. FOTO_SERRA

Dazu zähle unter anderem, dass durch die „Vorarlberger Wochen“ der Skisport in Vorarlberg einen ganz neuen Stellenwert gewonnen hätte. Denn die einmalige Chance, die heimischen Skipisten beinahe für sich alleine zu haben, nicht anstehen oder einen Parkplatz suchen zu müssen, wollten sich viele nicht entgehen lassen. „Die 900.000 Ersteintritte bedeuten zwar ein Minus von 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – umgerechnet auf die Vorarlberger Bevölkerung war aber durchschnittlich jeder Vorarlberger wenigstens zwei Mal in dieser Saison Skifahren.“

Tourismusverständnis

Doch auch abseits der Skipisten ließen sich große Veränderungen in der Corona-Saison 2020/21 feststellen. Denn auch wenn die geschlossene Gastronomie und das Ausbleiben von touristischen Gäs­tegruppen zwar ein gewaltiges Umsatzminus für die Skigebiete zur Folge hatte, so weckte dieses dafür gleichzeitig ein neues Tourismusverständnis in der Vorarl­berger Bevölkerung. „Vielen ist in den vergangenen Monaten bewusst geworden, wie wichtig der Tourismus für Vorarlberg ist“, erläutert Frick. Immerhin machen Gäste aus dem Ausland etwa 90 Prozent des heimischen Nächtigungsmarktes aus.

Wie Jutta Frick, Obmann-Stellvertreterin der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, erklärt, war „es auf jeden Fall spürbar, dass die Vorarlberger ihren Urlaub im Ländle verbracht haben.“  <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Wie Jutta Frick, Obmann-Stellvertreterin der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, erklärt, war „es auf jeden Fall spürbar, dass die Vorarlberger ihren Urlaub im Ländle verbracht haben.“  Stiplovsek Dietmar

„Fallen diese aus, hat das einen Dominoeffekt auf viele andere Branchen und Bereiche. Die Menschen in Vorarlberg haben in der vergangenen Saison hautnah miterlebt, was es für die heimische Wirtschaft – und dahinter stecken ja immer Menschen mit individuellen Geschichten – bedeutet, wenn die Grenzen zu sind und der Tourismus stillsteht“, erklärt die Obmann-Stellvertreterin der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Umgekehrt habe sich dies auch durch eine gewisse Entdeckerlust der Vorarlberger gezeigt – der eigene eigentlich so bekannte Lebensraum, das Ländle, wurde genauer unter die Lupe genommen.

Positive Prognose

Und so kommt es auch, dass, so hart die vergangenen Monate auch gewesen sein mögen, die Vorarlberger Seilbahnwirtschaft durchaus mit einem positiven Gefühl der kommenden Sommersaison entgegenblickt. Laut einer aktuellen Fachgruppen-Umfrage gehen immerhin drei Viertel der befragten Seilbahnbetreiber davon aus, dass ihr Geschäft gleich gut, wenn nicht sogar besser, laufen wird als im Sommer des Vorjahres.

„Diese Kompetenzen nehmen wir natürlich in den Sommer mit, was uns einen Wettbewerbsvorteil verschafft und den Vorarlberger Tourismusstandort nachhaltig stärkt.“ <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
„Diese Kompetenzen nehmen wir natürlich in den Sommer mit, was uns einen Wettbewerbsvorteil verschafft und den Vorarlberger Tourismusstandort nachhaltig stärkt.“ Stiplovsek Dietmar

Außerdem will ein Großteil der Bahnen unabhängig von Grenzöffnungen und Gastro-Einschränkungen wie geplant den Sommerbetrieb aufnehmen.
„Was wir auch nicht vergessen dürfen, ist, dass wir durch den Winterbetrieb einiges an Know-how dazugewonnen haben“, schließt Gapp die durchaus positive Zukunftsprognose. Die vergangene Saison stelle für ihn eine Zeit des Lernens dar, dessen Wissen und Erfahrungen es nun in die neue miteinzubringen gelte.

„Diese Kompetenzen nehmen wir natürlich in den Sommer mit, was uns einen Wettbewerbsvorteil verschafft und den Vorarlberger Tourismusstandort nachhaltig stärkt.“ Die Betriebe geschlossen zu halten, werde dem Fachgruppenobmann zufolge nicht einmal in Erwägung gezogen. Es gelte, einen Weg in die neue Normalität zurückzufinden.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.