Lokal

„Von wegen nur Grippe“

11.04.2021 • 22:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Von Kopf- und Gliederschmerzen, über Fieber, bis hin zu Atemnot und Lungenbeschwerden. Die Symptome einer Covid-19-Infektion sind äußerst vielfältig.<span class="copyright"> Symbolbild/Shutterstock</span>
Von Kopf- und Gliederschmerzen, über Fieber, bis hin zu Atemnot und Lungenbeschwerden. Die Symptome einer Covid-19-Infektion sind äußerst vielfältig. Symbolbild/Shutterstock

Vorarlberger erzählen, wie sie ihre Corona-Erkrankung erlebt haben.

Vom leichten bis zum schweren Verlauf innerhalb einer Familie

llker Kirgöz, 22: „Als meine Eltern im Jänner krank wurden, hielten wir es zunächst nur für eine normale Erkältung – immerhin war es winterlich kalt. Natürlich wollten die beiden dennoch auf Nummer sicher gehen und ließen sich gleich am nächsten Morgen schon vom Arzt untersuchen. Kurz darauf bekam ich dann den Anruf, dass sie sich tatsächlich mit dem Covid-19-Virus infiziert hatten und ich daher als Kontaktperson auf keinen Fall zur Arbeit fahren sollte. Wir befanden uns also bereits alle in häuslicher Quarantäne, als dann auch bei uns Kindern die ersten Symptome auftraten. Meine kleine Schwester hatte glücklicherweise – wie auch mein Vater– einen eher leichten Verlauf.

lker Kirgöz. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
lker Kirgöz. Handout/Privat

Ich bekam die Krankheit schon etwas mehr zu spüren, nach und nach traten immer mehr Symptome auf. Erst waren es starke Bauch- und Kopfschmerzen, dann Durchfall und Übelkeit und schließlich verlor ich meinen Geschmackssinn, bekam Fieber und hatte starke Schmerzen im ganzen Körper. Am schlimmsten getroffen hat es jedoch meine Mutter. Sie konnte nur sehr schwer atmen, war sehr schwach und kam kaum aus dem Bett. Schlussendlich mussten wir sogar den Notarzt rufen. Eine Woche lang musste sie dann wegen einer Lungeninfektion im Krankenhaus bleiben.“

„Psychische Belastung wird unterschätzt“

Kerstin Staffler, 42: „Mein Mann hat sich im November bei seiner Arbeit als Schreiner in einem infizierten Haushalt mit dem Virus angesteckt und es so auch an mich übertragen. Dabei hatten wir beide eigentlich immer total gut aufgepasst und uns konsequent an alle Sicherheitsvorkehrungen gehalten. Die Erkrankung äußerte sich dann in meinem Fall in Form von allgemeinen Erkältungserscheinungen wie etwa einem ewig anhaltenden Husten, Müdigkeit und starker Atemnot. Tief Luft zu holen war gefühlt unmöglich.

Kerstin Staffler. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Kerstin Staffler. Handout/Privat

Außerdem litt ich ständig an einem Enge­gefühl in der Brust, das bis heute noch nicht abgeklungen ist. Alle Symptome waren derartig ausgeprägt, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Auch mein Geschmacks- und Geruchssinn waren dahin – und das über Monate hinweg. Was jedoch häufig unterschätzt wird, ist, was die Infektion auch psychisch mit einem macht. Immer wieder hört man von schweren Verläufen und Erkrankten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Man lebt in der ständigen Angst, was die Krankheit mit einem anstellt. Meiner Meinung nach absolut nicht mit Grippe zu vergleichen.“

Appetitlosigkeit: „Während der Infektion zehn Kilo abgenommen“

Elmar Bickel, 68: „Meine Frau und ich haben uns beide kurz vor Weihnachten mit dem Coronavirus infiziert – trotz aller Schutzmaßnahmen. Die Maske bietet nun einmal Schutz, aber keine Garantie. Das schlimmste Symptom waren für mich starke Gliederschmerzen, sodass ich kaum noch laufen oder sitzen konnte und auch trockener Husten begleitete mich längere Zeit. Luft zu bekommen war allerdings kein Problem, weswegen ich zuerst nur von einer starken Grippe ausgegangen war.

Elmar Bickel. <span class="copyright">handout/privat</span>
Elmar Bickel. handout/privat

Außerdem hatte ich mit extremer Müdigkeit und Schwäche zu kämpfen, alles erschien furchtbar anstrengend. Auch Essen fiel mir schwer, wodurch ich während meiner Infektion zehn Kilo abgenommen habe – vielleicht der einzige positive Faktor daran (lacht). Während die schlimms­ten Symptome nach wenigen Tagen abnahmen, habe ich bis heute noch mit dem Erschöpfungsgefühl zu kämpfen.“

„Geschmacks- und Geruchssinn immer noch nicht ganz zurück“

Maja Stanojevic, 21: : „Nachdem mein Bruder bereits an Corona erkrankt war, habe auch ich mich mit dem Virus infiziert. Anfangs hatte ich nur ein wenig Halsschmerzen. Daraufhin lag ich zwei Tage lang nur noch im Bett, da ich mich sehr erschöpft fühlte und starke Kopfschmerzen hatte. Nach einer Woche verlor ich dann auch meinen Geruchs- und Geschmackssinn.

Maja Stanojevic.<span class="copyright"> handout/privat</span>
Maja Stanojevic. handout/privat

Drei Monate lang konnte ich daraufhin überhaupt nichts mehr schmecken oder riechen. Und bis heute habe ich immer noch nicht meinen vollen Geschmackssinn zurück. Generell hatten meine Familie und ich jedoch glücklicherweise alle einen eher milden Krankheitsverlauf. Der Vater von meinem Taufpaten jedoch war sehr schwer erkrankt und musste sechs Wochen lang auf der Intensivstation beatmet werden.“

„Positiver Bescheid kam überraschend“

Stephan Marent, 66: „Zu erfahren, dass man positiv auf das Covid-19-Virus getestet wurde, ist natürlich im ersten Moment ein großer Schock. Besonders auch, weil ich zuvor keinerlei Symptome verspürt hatte. Ich hatte lediglich entschieden, mich vorsichtshalber testen zu lassen, weil sich Freunde mit dem Virus angesteckt hatten.

Stephan Marent. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Stephan Marent. Handout/Privat

Das Test-Ergebnis also kam für mich sehr überraschend. Damit habe ich also meine eigene Corona-Infektion unbeschadet und sogar ohne jegliches Krankheitsgefühl überstanden. Lediglich an die Quarantäne musste ich mich natürlich dennoch halten, das fiel mir aber nicht schwer.“

Am Arbeitsplatz mit Corona angesteckt

Yvonne Akar, 42: „Ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich mich damals am Arbeitsplatz mit dem Coronavirus angesteckt habe, da wir es im Nachhinein dorthin zurückverfolgen konnten. Wie genau ich mich jedoch tatsächlich damit infiziert habe, kann ich mir selbst nicht beantworten. Bis die Krankheit dann tatsächlich ausgebrochen ist, vergingen ungefähr drei Tage. Abends bekam ich dann plötzlich Kopfschmerzen, begleitet von Fieber und Schüttelfrost.

Yvonne Akar. <span class="copyright">handout/privat</span>
Yvonne Akar. handout/privat

Schon am Tag darauf ließ ich mich dann natürlich testen und bekam sofort die Bestätigung: Covid-19. Fünf Tage lang quälten mich schlimme Kopf- und Gelenkschmerzen. Außerdem plagte mich extreme Müdigkeit und ich verlor meinen Geschmacks- und Geruchssinn. Danach wurde es jedoch von Tag zu Tag wieder besser und ich litt glücklicherweise an keinen Langzeitsymptomen.“

In der Arzt-Praxis mit Corona infiziert

Marcus Kadgien, 52: „Für mich war die Covid-19-Infektion nicht im geringsten mit einer normalen Grippe oder gar einer Erkältung zu vergleichen. Die Symptomatik war eine ganz andere und auch wesentlich intensiver als bei anderen Erkrankungen. Ich selbst hatte beispielsweise über 40 Grad Fieber.

Marcus Kadgien. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Marcus Kadgien. Handout/Privat

Auch das Gefühl von Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit war sehr präsent. Ich habe zum Teil 24 Stunden lang nur durchgeschlafen. Lungenbeschwerden oder Atemnot hatte ich zum Glück nicht. Angesteckt habe ich mich höchstwahrscheinlich bei einer Patientin.“

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.