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Mehr Tests sollen für Aufschwung sorgen

13.04.2021 • 22:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gratis Selbsttests werden in Zukunft auch in kleinen Betrieben angeboten.                        Hartinger
Gratis Selbsttests werden in Zukunft auch in kleinen Betrieben angeboten. Hartinger

Das Land Vorarlberg startet eine große Selbsttestaktion für KMU.

Nicht nur in Sachen kontrollierte Öffnungsschritte inmitten der Pandemie ist Vorarlberg Vorreiter. Auch beim Testen sind die im Westen die Besten. Um die Öffnungsschritte halten zu können, wird es entscheidend sein, dass das Testen noch mehr ausgebaut wird. „Wir bekämpfen die Pandemie weiter mit voller Kraft. Das hat man gut an der schnellen Reaktion auf das Infektionsgeschehen im Leiblachtal sehen können“, so Landeshauptmann Markus Wallner. Man investiere viel Kraft und Energie in die Pandemiebekämpfung, um das Projekt Modellregion weiter erhalten zu können.

Selbsttests für KMU

Landesrat Tittler argumentiert für die Selbsttests.                                                                                            Serra
Landesrat Tittler argumentiert für die Selbsttests. Serra

„Die Unternehmen suchen wieder verstärkt nach Mitarbeitern. Und das ist ein positives Signal.“

Marco Tittler, Landesrat

Um so wichtiger ist es auch genau hinzusehen, wo die Infektionen passieren. Deshalb will das Land vor allem kleine und mittlere Betriebe (KMU) unterstützen. Diese sollen noch diese Woche Selbsttests für ihre Mitarbeiter in den jeweiligen Gemeinden beziehen können. So will man noch flächendeckender mit den Testungen aufgestellt sein. „Denn wir wissen, dass gut 70 Prozent der Infektionen im privaten Bereich geschehen. Und um zu verhindern, dass die Menschen diese Infektionen mit in die Arbeit bringen, setzen wir nun diesen Schritt“, erklärte der Landeshauptmann.

Somit würde es Sinn machen, wenn vor allem zu Wochenbeginn getestet wird. Da könnten die kleinen Unternehmen einen großen Beitrag leisten, wie Wallner ergänzte. Die Auslieferung der gratis Selbsttests an die Gemeinden startet diese Woche. Das Angebot richtet sich an Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern. Das betrifft nahezu 95 Prozent aller Betriebe in Vorarlberg. Ab Freitag können die Unternehmer pro Mitarbeiter zwei Tests pro Woche beziehen. Derzeit sind etwa 500.000 dieser nasalen Tests auf Lager. Die Finanzierung übernimmt das Land, wie Wallner betonte.

Teststraßen bei Großbetrieben

LH Markus Wallner bei der Pressekonferenz.
LH Markus Wallner bei der Pressekonferenz.

„Auf Anraten von Armin Fiedler, dem Corona-Experten, haben wir nun das Augenmerk auf die KMU gelegt.“

Markus Wallner, Landeshauptmann

Derzeit sind bereits in 77 Betrieben Teststraßen errichtet. Dort können 32.360 Mitarbeiter getestet werden. Das betrifft vor allem Großbetriebe und die Industrie. Um die Lücke bei den mittleren und kleinen Unternehmen zu schließen, reagiert das Land Vorarlberg mit diesem Vorstoß: „Auf Anraten von Armin Fidler, dem Corona-Experten, haben wir nun das Augenmerk auf die KMU gelegt. Denn auch dort können wir einige Infektionsketten durch regelmäßiges Testen vermeiden“, ergänzte der Landeshauptmann. Experten sprechen davon, dass etwa sechs bis acht Prozent aller Ansteckungsfälle auf Betriebe und den Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Das mag laut Wallner wenig klingen. Es sei aber dennoch wichtig, dort genauer hinzuschauen.

Impfen und Testen

Wallner appelliert erneut an jeden Einzelnen die Testangebote anzunehmen. Denn neben dem Impfen ist das Testen ein wesentlicher Baustein in der Strategie zur Pandemie-Bekämpfung. Wichtig ist die Zusammenarbeit der Industrie, der Gastronomie und aller Betriebe. Nur so könne die Modellregion Vorarlberg am Laufen gehalten werden, betont der Landeshauptmann. „Zudem gilt nach wie vor, dass es wichtig ist, sich im privaten an die vorgeschriebenen Regeln zu halten. Nur so können wir unser Experiment weiter erfolgreich fortführen“, so Wallner.

Im Bereich der Freizeit ist die Ansteckungsgefahr mit etwa 13 Prozent eher gering. Zudem gibt es bis dato keine Fälle in der Gastronomie und keine Fälle im Bereich der Kultur und des Veranstaltungsbereichs, wie Wallner betont. „Daran können sie erkennen, wie wichtig und richtig es ist, diesen Weg weiter zu verfolgen“, ergänzt der Landeshauptmann. So könne man wieder in einen wirtschaftlichen Aufschwung kommen.

Auch Wirtschaftslandesrat Marco Tittler stößt in dasselbe Horn. Er betonte, dass die Öffnungsschritte in Vorarlberg den Weg in Richtung Normalität weisen. Das mache sich am Arbeitsmarkt bereits deutlich bemerkbar. So hat sich die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 1543 Personen verringert. Und von den 13.600 vorgemerkten Arbeitslosen haben rund 900 Personen bereits eine Einstellungszusage. Gleichzeitig sind beim AMS derzeit rund 3000 offene Stellen gemeldet wie auch an die 330 offene Lehrstellen. „Die Unternehmen suchen wieder verstärkt nach Mitarbeitern. Und das ist ein positives Signal“, so Tittler.

Schlüsselarbeitskräfte

Auf Initiative von Landesrat Tittler hat die WKV jüngst eine Erhebung durchgeführt, die vor allem auf die Mitarbeiter abzielt, die unbedingt notwendige Geschäftsreisen in andere Länder tätigen. Viele dieser Reisen gehen in Länder, wo das Infektionsgeschehen sehr hoch ist. Etwa 1100 Personen wurden von Betrieben gemeldet. Eine Impfung dieser Schlüsselarbeitskräfte kann das Infektionsrisiko zu Hause minimieren und soll daher in naher Zukunft umgesetzt werden.

Zu wenig Impfanmeldungen

Zu guter Letzt betonte auch Wallner die Wichtigkeit des Impfens. „Wir werden schon bald einen Punkt erreicht haben, wo wir mehr Anmeldungen brauchen. Deshalb appelliere ich nachdrücklich an alle über 50-Jährigen, sich anzumelden.“ Wallner glaubt, dass sich der Impfstoffengpass schnell ändern kann. Der Landeshauptmann rechnet mit einem massiven Anstieg der Impfliefermengen im April und vor allem im Mai.

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