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Not am Bau

16.04.2021 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Bautätigkeit ist nach wie vor groß im Land.                                                                                 Paulitsch
Die Bautätigkeit ist nach wie vor groß im Land. Paulitsch

Trotz voller Auftragsbücher fehlen Material und Personal.

Wer derzeit Handwerker braucht, sollte mit genügend Geduld ausgestattet sein. Ob Maurer, Tischler, Installateure oder Elektriker, alle haben volle Auftragsbücher. Auch die Baumeister sind mehr als zufrieden mit der Auftragslage, denn die Bauwirtschaft ist eine der wenigen Branchen, die unbeschadet durch die Krise gekommen ist. „Es sind alle gut ausgelastet. Da gibt es nichts zu mäkeln“, betont Armin Immler, WKV-Spartengeschäftsführer für Gewerbe und Handwerk. Auch mittelfristig ist die Aussicht positiv.

Dramatisch

Bauinnungsmeister Peter Keckeis                                                                                                                          Keckeis
Bauinnungsmeister Peter Keckeis Keckeis

Trotz der guten Auftragslage sind die Verantwortlichen nicht glücklich. „Die Entwicklung ist dramatisch“, sagt der Vorarlberger Bauinnungsmeister Peter Keckeis. Und das trotz sehr gut laufender Baukonjunktur. Auf breiter Front schießen die Baukosten nach oben. „Zudem gibt es gerade im Dämmstoffsektor Lieferzeiten von einem Monat und mehr. Und wenn man dann etwas bekommt, kann es sein, dass der Preis um 30 bis 40 Prozent angezogen hat“, ergänzt Keckeis. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Einerseits sind die Lieferketten durchbrochen. Vor allem kleine Unternehmer schauen immer mehr durch die Finger. „Das hat auch mit Hams­terkäufen der Großen zu tun. Die haben den Markt einfach abgegrast. Das ist vergleichbar mit dem Klopapier“, so der Innungsmeister. Zudem haben viele Firmen auf Kurzarbeit umgestellt. Auch das mache manche Produkte zu raren Gütern.

Sündteure Übersee-Container

Armin Immler, WKV-Spartengeschäftsführer für Gewerbe und Handwerk                                       Sams
Armin Immler, WKV-Spartengeschäftsführer für Gewerbe und Handwerk Sams

Und nicht zuletzt ist das internationale Transportgefüge im letzten Jahr aus dem Ruder gelaufen. „Der Preis für einen Übersee-Container hat sich verfünffacht. Das hat die globalen Rohstoffmärkte massiv befeuert“, wie Immler ausführt. Bei Stahl gab es zu Jahresbeginn eine Steigerung von 40 Prozent. „Die Preissteigerung gilt für alle Rohstoffe. Von Kunststoffen über Glas bis zu Zement und Kies bis zum Elektrokabel“, so Immler. Die Preissteigerungen machen es für die Firmen schwer, Angebote zu machen. „Wenn ich im Dezember ein Angebot gestellt habe, ist das jetzt schon längst überholt. Wir sind im Moment immer zu spät dran“, erklärt Keckeis. Gerade bei großen Baustellen ist das ein massives Problem.

In der Holzbaubranche rumort es heftig.                                                                                         Schachenhofer
In der Holzbaubranche rumort es heftig. Schachenhofer

Sonderfall Holzbau

Hart trifft die Preisentwicklung den Vorarlberger Holzbau. Auch hier ist die Auftragslage sehr gut, wie Alfred Hehle, WKV-Geschäftsführer der Innung Holzbau, betont. Doch die Preissteigerungen bei einzelnen Holzsorten von „40, 50, teilweise 60 Prozent seit Dezember macht die Situation wahnsinnig schwierig“. Generell bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Somit sind Lieferengpässe natürlich ein Mitgrund für die Preissteigerungen. 2020 sei hinsichtlich der Rohstoffproduktion vielfach ein „abwartendes Jahr gewesen“, dies habe dazu geführt, dass „in vielen Branchen ein halbes Jahr Rohstoffproduktion fehlt“.

Wartezeiten und Preise

Eins zu eins werden die Preissteigerungen kaum weitergehen. Denn meistens sind das Festpreisabsprachen und schon länger fixiert. Aber früher oder später wird auch der Kunde zum Handkuss kommen. Die Wartezeiten für Kunden werden nicht nur wegen Lieferengpässen immer länger. Auch der Fachkräftemangel bremst die Branche. „Nicht erst seit Corona haben wir einen massiven Mangel an Facharbeitern. Das ist ein Paradoxon. Am Arbeitsmarkt sind viele Menschen arbeitslos, aber der Fachkräftemangel hat sich dadurch nicht entschärft. Ganz im Gegenteil“, führt Immler aus. Auch Keckeis sieht einen massiven Mangel an Arbeitskräften. Nicht nur Facharbeiter fehlen. Auch Hilfskräfte sind knapp. „Ich kann das nicht ganz nachvollziehen, auch angesichts der hohen Zahl an Arbeitslosen.“ Vor allem bei den sinkenden Zahlen an Lehrlingen macht sich dieser Trend bemerkbar. Auch hier nimmt der Holzbau eine Sonderstellung ein. Denn dort hat die Lehrlingszahl zugenommen.

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