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Ein Wurf ins kalte Wasser

17.04.2021 • 22:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
„Die Belastung für Auszubildende in Sozial- und Gesundheitsberufen ist in Zeiten der Pandemie besonders groß“, erklärt Christoph Schindegger, Direktor der Kathi-Lampert-Schule in Götzis. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
„Die Belastung für Auszubildende in Sozial- und Gesundheitsberufen ist in Zeiten der Pandemie besonders groß“, erklärt Christoph Schindegger, Direktor der Kathi-Lampert-Schule in Götzis. Klaus Hartinger

Direktoren von Krankenpflegeschulen über die Corona-Situation für Studierende.

An vorderster Front gegen ein potenziell tödliches Virus kämpfen? Dieser Herausforderung stellt sich das Gesundheitspersonal in Zeiten von Corona täglich. Doch wie sieht die Situation für all jene aus, die derzeit noch ihre Ausbildung im Gesundheitsbereich absolvieren? Die NEUE hat bei Christoph Schindegger, Direktor der Kathi-Lampert-Schule in Götzis, nachgefragt.

Psychische Belastung

„Die Belas­tung für Auszubildende in Sozial- und Gesundheitsberufen ist in Zeiten der Pandemie besonders groß. Unsere Studierenden waren in den Diensten besonders gefordert“, erklärt Schind­egger. So mussten diese jederzeit bereitstehen, um Ausfälle durch Krankheit oder Erschöpfung anderer Mitarbeiter auszugleichen. Lange Dienstzeiten und das ständige Risiko einer Ansteckung durch den Kontakt mit erkrankten Personen standen an der Tagesordnung.

Christoph Schindegger, Direktor der Kathi-Lampert-Schule in Götzis. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Christoph Schindegger, Direktor der Kathi-Lampert-Schule in Götzis. Handout/Privat

Und auch das Arbeiten unter strengsten Schutzmaßnahmen (Masken, Schutzanzüge) könne gerade bei langen Diensten sehr anstrengend werden, erklärt der Direktor. Die schlimmste Belas­tung für die Studierenden sei jedoch die psychische: „Immerhin mussten sie in den Pflegeeinrichtungen viele Menschen durch Corona sterben sehen.“

Schüler im Kriseneinsatz

Auch Elke Kovatsch, Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil, erkennt die Auszubildenden sämtlicher Einrichtungen für Pflege- und Betreuungsberufe in Vorarlberg gerade in Zeiten der Pandemie als wertvolle, hilfreiche und nicht wegzudenkende Unterstützung in der pflegerischen Versorgung Vorarlbergs an. „Durch die Bereitschaft jedes einzelnen Auszubildenden konnten belastete Bereiche (Langzeit- und Akutbereiche) zeitnah und bedarfsbezogen personell mit Auszubildenden unterstützt werden“, erklärt die Direktorin.

Elke Kovatsch, Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Elke Kovatsch, Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil. Handout/Privat

Die Einsätze wurden zentral über eine dafür eingerichtete Einsatz-Koordinationsstelle – einen Schülerpool– geleitet. „Die angehenden Kollegen, welche sich freiwillig für den ‚Corona-Kriseneinsatz‘ gemeldet haben, mussten in der Hochphase der Pandemie sehr flexibel sein: Vor allem, was Einsatzort und den Einsatzzeitpunkt betrafen.“

Statements von Schülern

Die Gespräche mit den Direktoren verdeutlichen: Obwohl sie erst am Anfang ihrer Pflege-Laufbahn standen, gab es für die Auszubildenden in Zeiten von Corona bereits viel zu tun. Die NEUE hat bei Schülern der Kathi-Lampert-Schule und der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen Rankweil und Feldkirch nachgefragt.

Obwohl sie erst am Anfang ihrer Pflege-Laufbahn standen, gab es für die Auszubildenden in Zeiten von Corona bereits viel zu tun. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Obwohl sie erst am Anfang ihrer Pflege-Laufbahn standen, gab es für die Auszubildenden in Zeiten von Corona bereits viel zu tun. Klaus Hartinger

Matthias Steu, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule: “Die Pandemie trifft auch uns Studierende auf vielen verschiedenen Ebenen: zum Beispiel durch eingeschränkten Praxisunterricht an der Schule und sehr hohe Schutzmaßnahmen an den Praktikumsstellen. Als angehender Sozialbetreuer weiß ich um die manchmal damit einhergehenden seelischen Probleme von kognitiven oder schon psychisch beeinträchtig­ten Klienten.

Matthias Steu, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Matthias Steu, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule. Klaus Hartinger

Als angehender Pflegeassistent ist mir aber auch die Notwendigkeit der Maßnahmen bewusst. Alle machen das Beste daraus und hoffen, bald wieder in die Normalität zurückkehren zu können.“

Robin Krawagna, 2. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil: “Ich fühle mich derzeit jeden Abend total geschlaucht und bin froh, wenn ich dann endlich ins Bett komme. Es kann nämlich sehr mühsam sein, den ganzen Tag vor dem Laptop zu sitzen.

Robin Krawagna, 2. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Robin Krawagna, 2. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil. Handout/Privat

Dabei gibt es natürlich auch Vorteile, beispielsweise dass man länger ausschlafen kann oder dass man nicht extra für den Unterricht in die Schule fahren muss. Allerdings würde ich diese Unannehmlichkeiten gerne in Kauf nehmen, sollte dies bedeuten, dass wir wieder einen geregelten Schulalltag mit Präsenzunterricht führen dürften. Bis dahin gilt es, das Beste daraus zu machen.“

Michelle Stepanek, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule: “Leider konnte ich die Pflegetätigkeit außerhalb der derzeitigen Krisensituation noch nicht wirklich kennenlernen, da mich die Pandemie bereits seit meinem Ausbildungsbeginn begleitet.

Michelle Stepanek, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Michelle Stepanek, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule. Klaus Hartinger

Die Corona-Situation ist sowohl für die Mitarbeiter als auch für die zu Pflegenden sehr belastend. Ich würde zwar nicht sagen, dass dies die Ausbildung an sich erschwert, aber der Druck ist auf jeden Fall spürbar, immerhin tragen wir viel Verantwortung. Doch ich bin froh, dass ich in dieser schweren Zeit Menschen helfen kann.“

Samuel Beiser, 1. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch: “Durch die Masken ergeben sich neue Herausforderungen in der klinischen Lernumgebung. Das verdeckte Gesicht erschwert die Interpretation der Mimik. Das Homeschooling stellte sich als größere Herausforderung für mich dar. Der persönliche Kontakt und Austausch fehlt mir sehr.“

Samuel Beiser, 1. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Samuel Beiser, 1. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch. Handout/Privat

Simon Saltuari, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule: “Durch die Distanzregeln und das Tragen der Schutzmaske finde ich es schwieriger, eine persönliche Verbindung herzustellen. Immer wieder äußern Menschen mit Unterstützungsbedarf uns gegenüber den Wunsch, das Gesicht hinter der Maske sehen zu dürfen.“

Simon Saltuari, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Simon Saltuari, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule. Klaus Hartinger

Theresa Belmega, 2. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil: “Distance-Learning hat vieles verändert. Es ist schwer acht Stunden konzentriert und motiviert zu bleiben. Gerade in dieser besonderen Zeit bin ich daher sehr froh, dass die Zusammenarbeit zwischen Schüler und Lehrer so gut funktioniert.“

Theresa Belmega, 2. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil.<span class="copyright"> Handout/Privat</span>
Theresa Belmega, 2. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Rankweil. Handout/Privat

Lukas Strasser, 3. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch: “Zu Hause lässt man sich schneller ablenken als in der Schule. Ich merke das an meiner Konzentration sowie an der Partizipation von uns Schülern am Unterricht. Ein positiver Aspekt ist jedoch der Digitalisierungsschub: Die Umstellung der Lernplattform verbesserte die Unterrichtsgestaltung sehr.“

Lukas Strasser, 3. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Lukas Strasser, 3. Ausbildungsjahr, Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch. Handout/Privat

Janine Thom, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule: “Natürlich entstehen durch die Pandemie auch einige Hürden während unserer Ausbildung. Diese gehören für mich jedoch zu den kleineren Schwierigkeiten in der heutigen Zeit und sind demnach durchaus überwindbar.

Janine Thom, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Janine Thom, 2. Ausbildungsjahr, Kathi-Lampert-Schule. Klaus Hartinger

Ich befürworte selbstverständlich alle Maßnahmen, die dem Schutz von hoch vulnerablen Mitmenschen und Gruppen dienen. Aber dass Bewohnern, Kindern und auch Menschen mit Beeinträchtigungen die Mimik der Pfleger und Sozialbetreuer durch die Maske verborgen bleibt, stellt eine starke Einschränkung in Sachen Kommunikation und Beziehungsarbeit dar. Diese Situation ist für beide Seiten äußerst belastend.“

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