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„Möchte für Waisen eine Chance sein“

25.04.2021 • 14:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Seit ihrer Kindheit ist Anna Onwuka (50) fasziniert von Afrika. Heute widmet sie ihr Leben der Hilfe notleidender Menschen auf dem fernen Kontinent. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Seit ihrer Kindheit ist Anna Onwuka (50) fasziniert von Afrika. Heute widmet sie ihr Leben der Hilfe notleidender Menschen auf dem fernen Kontinent. Dietmar Stiplovsek

Anna Onwuka plant ein Waisenhaus in Nigeria.

Anna Onwuka ist ein echter Herzensmensch. Schon immer sorgte sie sich um das Wohl anderer. Zu helfen, wo sie nur kann, liegt in ihrer Natur. So kommt es auch, dass die Götznerin neben ihrer Arbeit als Betreuerin in einem Wohnheim für psychisch erkrankte Menschen und dem Managen ihrer eigenen Großfamilie, auch noch Menschen in ärmeren Teilen der Erde unterstützt.

Nur durch Spenden kann es die 50-Jährige schaffen, hilfsbedürftigen Kindern ein Zuhause und eine Zukunft zu schenken. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Nur durch Spenden kann es die 50-Jährige schaffen, hilfsbedürftigen Kindern ein Zuhause und eine Zukunft zu schenken. Handout/Privat

Für ihr bislang größtes Hilfsprojekt, ein Waisenhaus in Nigeria, ist sie nun jedoch selbst auf Unterstützung angewiesen. Denn nur durch Spenden kann es die 50-Jährige schaffen, hilfsbedürftigen Kindern ein Zuhause und eine Zukunft zu schenken. Doch zurück auf Anfang.

Faszination von Afrika

Schon als Kind war die Gründerin der „African Hearts Foundation“ verzaubert von dem fernen Kontinent, von seiner Kultur und den Menschen. Sie erinnert sich noch genau an ihre ersten Berührungspunkte: „Als ich noch ein Kind war, gab es in unserem Dorf eine Familie, deren Mutter aus Afrika stammte. Sie war freundlich, hilfsbereit, ein unglaublich lieber Mensch. Und natürlich faszinierte mich auch ihr Aussehen, dass so gar nicht dem einer typischen Vorarlbergerin entsprach. Die dunkle Hautfarbe und ihre außergewöhnliche Kleidung, ich war total hingerissen“, erinnert sich die heute 50-Jährige zurück.

Schon als Kind war die Gründerin der „African Hearts Foundation“ verzaubert von dem fremden Kontinent. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Schon als Kind war die Gründerin der „African Hearts Foundation“ verzaubert von dem fremden Kontinent. Dietmar Stiplovsek

Immer mehr ließ sie sich von der Kultur des fremden Kontinents verzaubern, bis sie beschloss, diesen auf eigene Faust zu erkunden. Sie reiste nach Tunesien, Marokko, Kenia und Ägypten. „Bei Weitem nicht alle Länder, die ich noch besuchen möchte“, schmunzelt Onwuka. Doch eine ihrer Reisen sollte besonders schicksalhaft verlaufen – nämlich jene nach Nigeria im Jahr 2010.

Dort lernte die Powerfrau nämlich ihren zukünftigen Ehemann kennen.
In Michael Chigozie Onwuka hat die 50-Jährige einen Seelenverwandten gefunden. Auch für ihn war es eine Herzensangelegenheit, sich den notleidenden Menschen in Nigeria anzunehmen. Gemeinsam machten sich die beiden ein eigenes Bild von den Missständen in den Slums.

„Ich bin aus Afrika immer schon mit leeren Koffern zurückgekehrt und habe alles, was ich dabei hatte, jenen gegeben, die es viel nötiger brauchten als ich", erzählt die 50-Jährige.<span class="copyright"> Handout/Privat</span>
„Ich bin aus Afrika immer schon mit leeren Koffern zurückgekehrt und habe alles, was ich dabei hatte, jenen gegeben, die es viel nötiger brauchten als ich", erzählt die 50-Jährige. Handout/Privat

„Schon zuvor war ich von meinen Reisen nach Afrika immer mit leeren Koffern zurückgekehrt und habe alles, was ich dabei hatte, jenen gegeben, die es viel nötiger brauchten als ich selbst. Aber auf dieser Reise beschloss ich, noch mehr tun zu wollen“, erklärt Onwuka. So reis­te das Paar immer wieder nach Nigeria zurück, mit Koffern voller Hilfsgüter, um den notleidenden Familien das Leben ein kleines bisschen zu erleichtern.

Waisenkindern eine Chance geben

Doch einer ihrer Besuche sollte sie besonders prägen, nämlich der eines dortigen Waisenhauses. Für die Götznerin selbst ein sehr emotionales Thema: „Meine Mutter starb kurz nach meiner Geburt, so bin ich selbst als Halbwaise aufgewachsen. Gerade weil ich weiß, wie es ist, ohne Mama aufzuwachsen, konnte ich mit den Kindern besonders mitfühlen“, erklärt die vierfache Mutter. Umso schockierender war für sie die Situation der nigerianischen Waisen.

Gutauch eine gute Ausbildung möchte die „African Hearts Foundation“-Gründerin ihren Schützlingen ermöglichen, ihnen helfen, auf eigenen Beinen zu stehen. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Gutauch eine gute Ausbildung möchte die „African Hearts Foundation“-Gründerin ihren Schützlingen ermöglichen, ihnen helfen, auf eigenen Beinen zu stehen. Handout/Privat

„Die Neugeborenen werden aus den verschiedensten Gründen von ihren Familien direkt nach der Geburt einfach weggeworfen und dem Tod überlassen. Und auch mit einem Waisenhaus, wie wir es bei uns kennen, haben die dafür vorgesehenen Einrichtungen nicht viel zu tun.“ Es handle sich dabei eher um eine Notunterkunft. 30 Kinder eingepfercht in einem einzelnen Raum, mit nichts außer einem Schlafplatz, wie die 50-Jährige erklärt. „Einfach schrecklich!“

„Die Neugeborenen werden aus den verschiedensten Gründen von ihren Familien direkt nach der Geburt einfach weggeworfen und dem Tod überlassen", erzählt  Onwuka schockiert.  <span class="copyright">Handout/Privat</span>
„Die Neugeborenen werden aus den verschiedensten Gründen von ihren Familien direkt nach der Geburt einfach weggeworfen und dem Tod überlassen", erzählt Onwuka schockiert. Handout/Privat

So fasste Onwuka den Beschluss, ein eigenes Waisenhaus zu bauen. „Ich möchte Kindern, die niemanden mehr haben und total auf sich allein gestellt sind, ein richtiges Zuhause bieten. Eines, in dem sie Kind sein können. Mit Geborgenheit, genug zu essen und ohne ständige Sorgen um das eigene Überleben.“

Und auch eine gute Ausbildung möchte die „African Hearts Foundation“-Gründerin ihren Schützlingen ermöglichen, ihnen helfen, auf eigenen Beinen zu stehen. „Nur so können sie es auch nur wagen, von einer Zukunft zu träumen. Aber dafür brauchen sie erst einmal eine Chance. Und diese Chance möchte ich ihnen geben.“

Erste Schritte zum Ziel

Onwuka hat große Pläne. Um diese tatsächlich in die Tat umsetzen zu können, braucht sie jedoch vor allem eines – Spenden. „Neue Hilfsprojekte haben es sehr schwer. Denn gerade Unternehmen oder Großspender halten meist über Jahre hinweg an der gleichen Organisation fest“, erklärt sie die schwierige Lage der „African Hearts Foundation“. „Immer wieder, wenn ich um Unterstützung ansuche, höre ich ‚Melde dich wieder, wenn das Projekt Fahrt aufgenommen hat.‘ Doch wie soll das klappen, wenn keiner einem dabei hilft, überhaupt anzufangen?“, erzählt die 50-Jährige verzweifelt.

Auch durch Sachspenden unterstützen Onwuka und ihr Mann die notleidenden Menschen in Nigeria. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Auch durch Sachspenden unterstützen Onwuka und ihr Mann die notleidenden Menschen in Nigeria. Handout/Privat

So hangelt sie sich von Kleinspende zu Kleinspende, konnte dadurch immerhin bereits ein 2300 Quadratmeter großes Grundstück in Nigeria kaufen, auf dem das Waisenhaus entstehen soll. Auch eine Mauer zum Schutz der Kinder konnte bereits durch eine Großspende finanziert werden. „Und wenn ich genug Geld gesammelt habe, könnte der Bau des Gebäudes endlich beginnen.“

Auch eine Mauer zum Schutz der Kinder konnte bereits durch eine Großspende finanziert werden. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Auch eine Mauer zum Schutz der Kinder konnte bereits durch eine Großspende finanziert werden. Handout/Privat

Doch die dafür benötigten Spenden trudeln immer nur sehr zaghaft ein. Einen möglichen Grund dafür meint die Götznerin zu kennen: „Viele Menschen haben eine falsche Vorstellung von der Arbeit. Lieber zahlen sie einen kleinen Betrag, von dem ich dann einen Sack Reis oder ähnliches kaufe, das Geld also sofort eingesetzt wird. Doch um so ein großes Projekt in Angriff zu nehmen, muss ich das Geld nun erst mal sammeln und ansparen.“

Anna‘s Waisenhaus

Absetzbare Spenden

Verwendungszweck: 8217 A

IBAN: AT23 2060 4000 0003 5600

BIC: SPFKAT2BXXX

Wichtig: Vollständigen Namen und Geburtsdatum angeben!

Spendenkonto – African Heart

IBAN: AT33 2060 4031 0204 9248

BIC: SPFKAT2BXXX

Homepage

www.annasafricanheart.com

Dabei schließe die eine Hilfsleistung die andere ja nicht aus, wie Onwuka weiter erklärt: „Natürlich schicken mein Mann und ich auch weiterhin laufend Sachspenden nach Nigeria, um den Menschen zu helfen. Er ist beispielsweise gerade in diesem Moment wieder vor Ort. Doch das Hauptaugenmerk muss natürlich dennoch auf dem Waisenhaus liegen, sonst schaffen wir das niemals.“

Jede Spende zählt

Um ihr Vorhaben tatsächlich in die Tat um zu setzen und den Waisenkindern ein Zuhause und die Chance auf ein besseres Leben gewähren zu können, ist Onwuka weiterhin auf der Suche nach Unternehmen und etwaigen Großspendern, die bereit sind, ihren guten Zweck zu unterstützen.

Jede noch so kleine Zuwendung ist ein bedeutender Beitrag zu dem großen Ganzen. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Jede noch so kleine Zuwendung ist ein bedeutender Beitrag zu dem großen Ganzen. Handout/Privat

Doch auch jede noch so kleine Zuwendung ist ein bedeutender Beitrag zu dem großen Ganzen. So wendet sich die 50-Jährige mit der großen Bitte an die Vorarlberger Bevölkerung, sich ein Herz zu fassen und das Projekt zu unterstützen. „Viele Menschen empfinden eine gewisse Scham, nur einen kleinen Betrag zu spenden. Nach dem Motto: ‚Wenn ich nicht viel geben kann, gebe ich lieber gar nichts.‘ Aber das ist Quatsch! Jeder Euro zählt!“, ist Onwuka überzeugt.