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„Julien ist immer bei uns und gibt uns Kraft!“

28.04.2021 • 20:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Belindas Sohn Julien verstarb im Alter von nur 19 Jahren bei einem Verkehrsunfall. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Belindas Sohn Julien verstarb im Alter von nur 19 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Symbolbild/Shutterstock

Nach dem Tod ihres Sohns Julien möchte Belinda Reis anderen Hinterbliebenen helfen.

Der Verlust des eigenen Kindes ist wohl das Schlimmste, das ein Mensch erleben kann. Das weiß auch Belinda Reis aus Götzis nur zu gut. Denn im Oktober 2013 sollte sich ihr Leben schlagartig ändern: Sie verlor ihren damals erst 19-jährigen Sohn Julien durch einen tragischen Verkehrsunfall.

Für Belinda Reis, ihren Mann Hubert und Sohn Davis ist Julien auch nach seinem Tod ein präsenter Teil der Familie. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Für Belinda Reis, ihren Mann Hubert und Sohn Davis ist Julien auch nach seinem Tod ein präsenter Teil der Familie. Handout/Privat

„Nach dem Unfall meines Sohnes wusste ich nicht, wie ich weitermachen sollte. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit und vor allem auch die Angst, dass ich für meinen jüngeren Sohn Davis keine gute Mutter mehr sein könnte, waren allgegenwärtig“, erinnert sich die Götznerin an die schlimmste Zeit ihres Lebens zurück. „Vor allem war da das Gefühl, dass keiner einen versteht. In mir wuchs der Wunsch heran, mit Menschen zu sprechen, die dasselbe durchmachten wie ich.“

Selbsthilfegruppe

So machte sie sich auf die Suche nach einer Stelle, an die sie sich wenden konnte und kam so mit Nikolas Burtscher von „Selbsthilfe Vorarlberg“ in Kontakt. Dieser erzählte ihr von einer betreffenden Selbsthilfegruppe, die jedoch bereits Jahre zurück lag.

Nach dem Tod ihres Sohnes quälte Belinda Reis das Gefühl, niemand könnte ihren Verlust und ihre Trauer nachvollziehen. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Nach dem Tod ihres Sohnes quälte Belinda Reis das Gefühl, niemand könnte ihren Verlust und ihre Trauer nachvollziehen. Symbolbild/Hartinger

So kam es, dass die beiden im Februar 2014 beschlossen, dieser wieder neues Leben einzuhauchen. „Am Anfang waren es nur ich und eine andere Mama, die sich trafen, um über unsere Erlebnisse zu sprechen. Doch dann begann die Gruppe zu wachsen, immer mehr betroffene Eltern schlossen sich uns an“, erklärt die Gruppenleiterin.

Unterstützung von oben

„Ich bin sehr froh, wenn ich anderen ein kleines bisschen durch diese schwere Zeit helfen kann, aber auch mir selbst tun die Gespräche auch sieben Jahre später noch sehr gut.“ Vor allem aber war es ihre eigene Familie, die Reis dazu bewog, zurück ins Leben zu finden:

Reis ist überzeugt, dass Julien immer bei ihnen ist und ihnen Kraft schenkt.<span class="copyright"> Symbolbild/Stiplovs</span>ek
Reis ist überzeugt, dass Julien immer bei ihnen ist und ihnen Kraft schenkt. Symbolbild/Stiplovsek

„Wir waren schon immer eine tolle Familie, aber durch diesen Schicksalsschlag sind wir noch enger zusammengewachsen. Denn natürlich waren Freunde und Familienangehörige eine große Hilfe, doch niemand kann dir diese Last abnehmen. Wir drei mussten selbst lernen, weiterzumachen.“

Und Reis ist überzeugt, dass auch Julien immer bei ihnen war, ein Auge auf sie hatte und ihnen Kraft schenkte. So hat sich auch ihre Ansicht auf das Leben geändert: „Ich habe keine Angst mehr vor dem Tod, ich weiß ja schon, wer auf mich wartet.“

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