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Corona: Arzt rief zu Selbstinfektion auf

06.05.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit seinem Eintrag auf Facebook habe der Angeklagte zur bewussten Selbstinfektion mit dem Coronavirus geraten, sagte Richterin Sabrina Tagwercher in ihrer Urteilsbegründung. <span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Mit seinem Eintrag auf Facebook habe der Angeklagte zur bewussten Selbstinfektion mit dem Coronavirus geraten, sagte Richterin Sabrina Tagwercher in ihrer Urteilsbegründung. Symbolbild/Hartinger

Mediziner sorgte mit Posting für Gefahr der Weiterverbreitung des Coronavirus.

Auf seiner Facebookseite empfahl der Facharzt aus dem Bezirk Bregenz am 5. September 2020 eine freiwillige Selbstinfektion mit dem Coronavirus unter jüngeren, gesunden Familienangehörigen.

Vorsätzliche Gefährdung

Sein Posting trug dem 54-jährigen Mediziner am Donnerstag beim Strafprozess am Landesgericht Feldkirch einen Schuldspruch wegen des Vergehens der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten ein.
Dafür wurde der unbescholtene Angeklagte mit dem Netto-Monatseinkommen von 10.000 Euro zu einer teilbedingten Geldstrafe von 63.000 Euro (300 Tagessätze zu je 210 Euro) verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil 21.000 Euro (100 Tagessätze). 42.000 Euro (200 Tagessätze) wurden für eine Probezeit von drei Jahren auf Bewährung bedingt nachgesehen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn der Angeklagte und Staatsanwältin Sarah Maria Haugeneder nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch.
Die mögliche Höchststrafe wäre drei Jahre Gefängnis gewesen. Die verhängte Geldstrafe, die wegen des hohen Einkommens des selbstständigen Facharztes so hoch ausfiel, entspricht fünf Monaten Haft.

Mit seinem Eintrag auf Facebook habe der Angeklagte zur bewussten Selbstinfektion mit dem Coronavirus geraten, sagte Richterin Sabrina Tagwercher in ihrer Urteilsbegründung. Mit seiner versuchten Anstiftung anderer Menschen habe er für die Gefahr der Weiterverbreitung von Corona-Infektionen gesorgt. Meinungsfreiheit ende dort, wo die Gesundheit anderer Menschen gefährdet werde.

Aufruf zur Selbstinfektion

Der Angeklagte sagte, er sei nicht schuldig. Verteidiger Chris­tian Steurer beantragte einen Freispruch. Der Beschuldigte gab vor Gericht zu Protokoll, er habe nur einen anderen Weg bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie aufzeigen wollen. Damit hätten gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden begrenzt werden sollen. Er halte bewusste Infektionen im Familienkreis für vergleichsweise ungefährlich, wenn dabei die Quarantäne-Bestimmungen eingehalten werden.

Mit seiner Methode hätten vor dem Beginn der Schutzimpfungen Menschen immunisiert werden können, auch zum Schutz von Mitmenschen. Er halte Tests und die Maskenpflicht für sinnvoll. Die Ärztekammer hatte den Arzt bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch angezeigt. Bei der Ärztekammer ist ein Disizplinarverfahren gegen ihn anhängig. Das sei für ihn das eigentliche Problem, erklärte der 54-Jährige.

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