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„Stärken fördern, Schwächen managen“

17.05.2021 • 10:13 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Walter Hlebayna beurteilt die Entwicklung des VSV und die Anzahl der Vorarlberger im ÖSV-Kader positiv. <span class="copyright">hartinger</span>
Walter Hlebayna beurteilt die Entwicklung des VSV und die Anzahl der Vorarlberger im ÖSV-Kader positiv. hartinger

VSV-Präsident Walter Hlebayna, über Vorarlberger im ÖSV-Kader.

Unter der Woche wurde der Kader des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) für die Saison 2021/22 bekanntgegeben. Von gesamt 380 Athleten kommen 41 vom Vorarlberger Skiverband (VSV). Stimmt Sie das zufrieden?
Walter Hlebayna:
Es ist generell eine stolze Anzahl für Österreich, die imponiert mir. Aber es imponiert mir auch unsere Anzahl von 41 Athleten mit Status ÖSV-Kader und sechs die zusätzlich in der Verantwortung des ÖSV arbeiten (Förderkader und Mittrainiererstatus, Anm.). Mir ist dabei wichtig, dass die Arbeit, die wir im Vorarlberger Skiverband machen, wo so viel Herzblut von Eltern, Vereinen, Helfern und Funktionären, einfach gesagt, alle die im Umfeld tätig sind, fruchtet. Kein einziger Athlet schafft es alleine, also braucht man Unterstützung von dem eben genannten Umfeld, aber auch von Unterstützern, die Geldmittel bereitstellen. Da sind das Land, Sponsoren, Partner, Skiliftpartner und viele andere mehr dabei.

Wieviele Mitglieder hat der VSV überhaupt, und wie steht er im Vergleich zu anderen Bundesländern da?
Hlebayna:
Wir haben circa 13 Prozent Mitgliederanteil (am ÖSV, Anm.). Wir sind der drittgrößte Verband in Österreich. Tirol (30 Prozent) ist weitaus der größte, dann ist ganz knapp vor uns Oberösterreich (14 Prozent), und dann kommen wir. Mit einem Respektabstand kommt dann Steiermark.

Und wieviele Mitglieder beim VSV sind das in absoluten Zahlen?
Hlebayna:
Ungefähr 17.400.

Eine beeindruckende Anzahl.
Hlebayna:
Man muss erst einmal schauen, wer circa 17.000 Mitglieder in einem Fachverband hat. Darum bin ich stolz, und wenn ich einen Wunsch hätte, wäre der erste, ein paar mehr zu haben. Wir hätten dann oft ein paar Prozent mehr, wenn es um Abstimmungen im ÖSV geht.

Katharina Liensberger gehört bei den Damen zu den absoluten Assen. Sie ist ein Aushängeschild des Vorarlberger Skiverbandes.<span class="copyright">apa</span>
Katharina Liensberger gehört bei den Damen zu den absoluten Assen. Sie ist ein Aushängeschild des Vorarlberger Skiverbandes.apa

Wenn Sie sich jetzt den Kader im Detail ansehen, welcher Athlet hat im vergangenen Winter zu den großen Aufsteigern gezählt?
Hlebayna:
Wenn man sich das im Detail ansieht, muss man einmal die Sparten ansehen. Wir sind im alpinen Bereich stark vertreten. Und da sind wir die letzten fünf oder sechs Jahre aufsteigend. Vielleicht hatten wir durch Verletzungen mal ein Minus, aber wir haben allein 19 und mit Mittrainierern 21 im alpinen Bereich. Erweitert mit Skicross, liegen wir im Grunde genommen bei 27. Irgendwann hatten wir einmal elf, zwölf oder 15 im alpinen Bereich. Und das ist noch nicht so lange her. Also muss man diese Gesamtanzahl, obwohl es immer der größte Bereich war, als super Entwicklung sehen.

Wie sieht es bei den Snowboardern aus?
Hlebayna:
Da haben wir auch immer eine gute Anzahl an Athleten. Ganz leicht abbauend die letzten Jahre, aber es ist immer noch in Ordnung und auf einem guten Niveau. Aber da merken wir, dass wir nicht steigend waren. Wir sind leicht rückläufig.

Es gibt aber auch zwei Sparten, in denen der VSV kaum oder gar nicht vertreten ist. Nämlich bei der nordischen Kombination (Ausnahme Kilian Gütl) und Biathlon (kein Athlet).
Hlebayna:
Wir sehen den nordischen Bereich als Gesamtbereich. Dabei ist Langlaufen eine Grundsportart für alle nordischen Disziplinen. Und das betreiben wir sehr wohl. Da sind wir aber eher für den Breitensport ausgerichtet. Sollte es eine Athletin geben, wie in den letzten Jahren Jasmin Berchtold, dann unterstützen wir das natürlich. Aber es ist nicht sehr viel bei uns. Im Biathlon haben wir eine junge Sportart. Da kann ich nicht mit 20-Jährigen anfangen, sondern muss bei den Jungen anfangen. Dort sind wir noch nicht so weit. Da ist es aber auch nicht breit aufgestellt. Im Nachwuchsbereich geht es, aber im Kleinkaliberbereich wird es immer dünner, da fallen uns einige weg. Dort wird diese Sportart auch sehr hart. Nordische Kombination ist ein Produkt aus Sprung- und Langlauf, also Schnellkraft und Ausdauer. Da haben wir nicht die wahnsinnige Auswahl an Athleten. Schön, dass Kilian jetzt dabei ist, und sein Bruder Pius wird folgen. Und im Sprunglauf, wo wir auch einen Fokus legen, haben wir eine gute Steigerung.

Dann sind Sie also guter Dinge, dass es in Zukunft in diesen Sparten bergauf gehen wird?
Hlebayna:
Ich bin guter Dinge, aber wir fokussieren uns schon darauf, wo wir Stärken haben. Umgekehrt wäre es nicht geschickt. Ich bin generell ein Typ, der sagt: die Stärken fördern, die Schwächen gut managen.

Alessandro Hämmerle dominierte einmal mehr bei den Snowboard-Crossern. <span class="copyright">GEPA</span>
Alessandro Hämmerle dominierte einmal mehr bei den Snowboard-Crossern. GEPA

Bleiben noch Skibergsteigen und Freeski.
Hlebayna:
Es geht vorwärts in vielen Sparten. Weil wir auch im Skibergsteigen, das noch sehr jung ist, drei ÖSV-Kaderathleten haben. Auch beim Freestyle haben wir zwei Athleten, einer davon WM-Teilnehmer. Das hat es auch verdient, erwähnt zu werden. Im Gesamten sehe ich, dass die Entwicklung, die wir miteinander versuchen umzusetzen, Früchte trägt.

Nun gibt es auch den Status der Ausgeschiedenen. Also jene, die nicht mehr dem ÖSV-Kader angehören. Muss man bei jenen Athleten sagen, dass sich eine Profikarriere damit wohl erledigt hat?
Hlebayna:
Das würde ich nicht so sehen, weil die Ausgeschiedenen im Verhältnis nicht viele und dazu relativ jung sind. Eigentlich sind es Paul Vonier, Max Greber und Valentin Lotter. Da ist das beste Beispiel für mich Magdalena Kappaurer im vergangenen Winter. Wenn man sich auf die Füße stellt und selber in Kombination mit den Möglichkeiten, die man hat und vom Verband erhält, kann man daran arbeiten. Es liegt wieder eine Vorbereitungsperiode vor einem, und man hat weitere Erfahrungen gesammelt. Und ich komme auch wieder zu vorhin zurück: an meinen Stärken weiterarbeiten und meine Schwächen gut managen.

Ist dies damit auch die Antwort auf die Frage, welcher Athlet zu den größten Gewinnern der vergangenen Saison zählt?
Hlebayna:
Es sind so viele gute Einzelleistungen dabei, dass ich nicht irgendjemanden herausnehmen will. Aber ich kann zwei erwähnen. Das sind Katharina ­Liensberger und Alessandro Hämmerle. Die waren heuer in der Topliga einfach top. Das muss man schon sagen. Aber jeder Einzelne hat viele gute Leistungen erbracht, auch die Ausgeschiedenen. Bei den Ausgeschiedenen war es vielleicht gerade nicht gut genug, denn es sind gerade im alpinen Bereich viele Österreicher die gut Skifahren.

Umgekehrte Frage: Gibt es auch heimische Athleten, die Ihnen im ÖSV-Kader fehlen?
Hlebayna:
Klar gibt es das. Ich bin überhaupt nicht mit dem Signal einverstanden, das der ÖSV in Bezug auf Leistungen wie bei Martin-Luis Walch gesetzt hat. Er ist in den verschiedenen Disziplinen österreichweit 1., 1., 1. und 8. in seinem Jahrgang. Ein Landesverband hat das Ziel, nationale Spitze zu sein. Wenn ich Erster bin, dann bin ich das. Nebenbei ist er international auch zweimal Erster.

Martin-Luis Walch fehlt nach Ansicht von Walter Hlebayna im Aufgebot des ÖSV. Daran übt der Präsident auch scharfe Kritik. <span class="copyright">GEPA</span>
Martin-Luis Walch fehlt nach Ansicht von Walter Hlebayna im Aufgebot des ÖSV. Daran übt der Präsident auch scharfe Kritik. GEPA

Was war die Begründung des ÖSV für seine Nicht-Nominierung?
Hlebayna:
Die Entwicklungsabteilung des ÖSV hat eine Cupwertung, die sich aus verschiedensten Rennen zusammensetzt. Über diese Cupwertung wird selektioniert. Das ist noch verständlich, weil es ein Kaderkriterium ist. Aber es gibt ein zweites Kaderkriterium, und das ist das Trainerurteil. Man kann einen Athleten auch per Trainerurteil mitnehmen. Das Signal, welches jetzt an die Jüngeren gesendet wird, gefällt mir gar nicht.

Nun wird der VSV auch Bestrebungen haben, die Anzahl von 41 sukzessive zu erhöhen. Wie sehen die konkreten Schritte dafür in den kommenden Jahren aus?
Hlebayna:
Wir machen Analysen, wo wir besser werden können und welche Schrauben wir glauben drehen zu müssen, um Verbesserungen schaffen zu können. Aber es gibt keine Zahlenziele von uns.

Wo liegen Bereiche, in denen es Verbesserungspotenzial gibt?
Hlebayna:
Das behalten wir für uns. Die Analyse passiert intern ständig, aber wir wollen es auch intern halten.

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